Schon das erste Gebot der Bibel ist verfassungswidrig


junge welt

Michael Schmidt-Salomon ist Philosoph und Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung und Autor des religionskritischen Kinderbuchs »Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel«

Das Bundesfamilienministerium hat den Antrag gestellt, das von Ihnen verfaßte heiter-satirische und religionskritische Kinderbuch unter dem Titel „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel« als jugendgefährdend auf den Index zu setzen. Können Sie sich erklären, warum das Buch zensiert wird?

Es hat einige Leute wohl empfindlich gestört, daß das Buch vor Weihnachten auf der Amazon-Bestsellerliste in der Kategorie religiöse Kinder- und Jugendbücher stand. Schließlich stellt das Buch die von der Familienministerin verordnete christliche Werteerziehung in Frage. Es ist aber wohl nicht nur das Kinderbuch, das provoziert hat. Wir haben vor einigen Monaten als Reaktion auf die ministeriale Kampagne »Bündnis für Erziehung« auf die jahrzehntelange Demütigung von Kindern in christlichen Heimen aufmerksam gemacht. Karikaturisten haben unsere Argumente später künstlerisch in der Galerie der »Heiligen« Ursel verarbeitet, die man auf der Internetseite religionsfreie-Zone.de betrachten kann. Entgegen der Aussage der Familienministerin, daß unsere Verfassung auf den zehn Geboten gründe, haben wir gezeigt, daß schon das erste Gebot der Bibel verfassungswidrig ist: »Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Genera­tion.« Religionszwang und Sippenhaft – all das widerspricht humanistischen Werten und ist im Grundgesetz nicht vorgesehen.

Der Kinder- und Jugendpsychiater Peter Riedesser hat das Buch als »Gegengift zu religiöser Indoktrination von Kindern und als pädagogisch besonders wertvoll« bezeichnet.Welche Folgen hat das Wirken der Familienministerin für den Verkauf Ihres Buchs? 

 Das wäre das erste Kinderbuch, das erst ab 18 Jahren und nur unter dem Ladentisch verkauft werden darf. Ich hoffe jedoch, daß es soweit nicht kommt und die Bundesprüfstelle für jugendgeligiefährdende Medien diesen Antrag am 6.März abschmettert. Das Familienministerium hat mit »Verächtlichmachung der Ron« argumentiert. Dabei stellen das kleine Ferkel und der kleine Igel nur kluge kritische Fragen, die die Religionen nicht sonderlich gut beantworten können. Auch Kinder haben ein Recht auf Aufklärung, ihre Fragen frei zu stellen und zu diskutieren.

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1 Comment

  1. „Verfassungswidrig“ wäre juristisch betrachtet zwar etwas anderes, die Argumentation ist nach allgemeinem Sprachgebrauch dann aber doch wieder erstaunlich plausibel.

    Nach wie vor kann ich das Indizierungsverfahren nicht nachvollziehen. Ob man etwas gut findet oder ob etwas indiziert werden muss, sind zwei unterschiedliche Punkte. Das Familienministerium erweckt momentan den Eindruck, religiös-parteiisch zu sein. Das Familienministerium macht die gesamte Bundesregierung unmöglich.

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