Dodo des Monats Februar 2008


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Bündnis für Erziehung

Meine sehr verehrten Leser, meine hochverehrten Zeugen dieses historischen Momentes,

 

der Dodo des Monats, jener altehrwürdige Preis für Antiaufklärung, wurde bereits an so erlauchte Persönlichkeiten wie unseren Kardinal Joachim Meisner oder Kultusministerin Karin Wolff verliehen, die der edlen Sache der Volksverdummung einen wahren Dienst erwiesen haben, einen Dienst, der sie unvergessen machen wird in den Köpfen und Herzen der deutschen Brights. Noch niemals zuvor jedoch war uns die unermessliche Ehre vergönnt, ja war sie mir vergönnt, eine gesamte Bundesbehörde für eine erhabene Idee auszuzeichnen, eine Idee, die unser schönes Land erst groß gemacht hat. Eine Idee, eine dumme Idee im besten Sinne, nämlich jene, dass der Mensch so viel natürlicher, so viel unbefleckter wäre ohne den elenden Ballast der Vernunft.

Ich fühle mich zu Tränen gerührt ob dieses Moments, ob dieses Augenblicks nur, oh könnte er doch ewig dauern, möge er doch niemals enden. Jener feierliche Anlass hat mich dazu bewogen, diese Laudatio mit meinem feinsten Anzug, einem Glas edlen Tropfens, auf meiner wertvollsten Tastatur zu tippen, stets darauf bedacht, dass auch nicht der kleinste Fehler sich einschleichen möge in jene güldenen Worte. So lasset mich denn nun die Geschichte erzählen, die schlussendlich zu jenem historischen Momente geführet hat:

Es war einmal ein Mann mit einem schändlichen Weltbild und einem schändlichen Plan, der nichts als Schande wirft auf unsere schandfreie Nation. Der Mann hieß und oh, heißt noch, Dr. Michael Schmidt-Salomon. Sein Plan bestand darin, ein Buch zu schreiben, ein Buch für unsere Kinder, nein, für die Kinder des Herrn, nein, für die Kindes des Familienministeriums. Es trägt den Titel: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel.

Und das Ministerium, geheiligt werde sein Name, beantragte die Indizierung dieses Machwerks sobald als möglich, sobald es ihnen auffiel, fast vier Monate nach seinem Erscheinen. Was ist zu diesem Buch, zu diesem Bilderbuch mit garstigen Versen, zu sagen? Mir fällt beinahe das Kruzifix vom Hals, wenn ich nur daran denke, nein, ich kann es nicht zusammenfassen. Ich muss das Familienministerium für mich sprechen lassen, so höret denn ihren Indizierungsantrag, ach dieser Indizierungsantrag! Ein Text, eine Schrift, ein Schriftum von solcher Dummheit, durchsetzet mit den besten deutschen Tugenden: Der übelsten Nachrede, der Unterstellung allerschlechtester Absichten, des heuchlerischsten Anti-Antisemitismus, des Anhäufens negativ konnotierter Begriffe zur Denunzierung des Gegners, der absolut und völlig und einzigartig willkürlichsten Interpretation, die man sich überhaupt nur vorstellen kann und hier ist er, der Antrag, wenn auch nur ein Teil von ihm:

„Das vorstehende Buch ist […] geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden.

[….]

Durch die Anführung des Beispiels der „Sintflut“, durch welche „Menschenbabys, Omas und Tiere“ vernichtet worden seien, wird die jüdische Religion als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt.

[….]

Unterstrichen wird die Wirkung durch den Bildbeitrag, in welchem zu sehen ist, wie der Rabbi die Arche Noah symbolisch in seinen Händen hält. Um ihn herum liegen verstreut Gegenstände, wie z.B. ein Babyschnuller und Kinderschuhe, die verdeutlichen sollen, dass bei der Sintflut Säuglinge und kleine Kinder ums Leben gekommen sind. Diese Art der biblischen Präsentation stellt die jüdische Religion als besonders menschenverachtend, grausam und mitleidslos dar.

Eine weitere Abbildung (S. 31/32) unterstreicht ebenfalls das Negative gegenüber der jüdischen Religion. Diese zeigt den Rabbi in der selben unsympathischen Art, wie in der bereits beschriebenen Abbildung, wie er einem Vertreter des christlichen Glaubens eine Schriftrolle auf den Mund drückt und ihn zu ersticken droht.

Während die Vertreter der anderen Religionen in dem Buch eher tölpelhaft und dumm dargestellt werden, scheinen die Verfasser mit der Darstellung des Rabbiners zu suggerieren, dass die jüdische Glaubensgemeinschaft andere Religionsgemeinschaften vernichten will. Ausschließlich der Rabbiner wird in dem Buch in dieser Form charakterisiert. Mit dem Buch, das sich in seiner äußeren Gestaltung auch schon eine kleine Kinder richtet, wird demzufolge ein Bild vermittelt, wonach Juden ihren Glauben auch mittels Gewalt durchsetzen und das Bestreben haben, alle anderen Religionen zu vernichten.

In der Gesamtbetrachtung weisen Text und Abbildungen des Buches mithin antisemitische Tendenzen auf. Das Buch ist somit geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren. [….]“

Ach, besser als Shakespeare, besser als die Bibel fast ist dieser Antrag, so ist er nicht nur ein Antrag für die Indizierung, nein, er ist ein Antrag für die Beendigung der Aufklärung. Und es wurde auch langsam Zeit, denn gebracht hat sie nicht viel, wie dieser Antrag selbst am besten unter Beweis stellt. Wundervoll, die Argumentation, sehen wir sie uns einmal näher an:

Die Entwicklung der Kinder vom Familienministerium soll das Satansbuch gefährden, so dass sie nicht mehr gemeinschaftsfähig und eigenverantwortlich sind, nachdem sie dieses Buch gelesen, ach, nachdem sie auch nur einen Blick darauf geworfen haben. Und ist es in der Tat nicht die neueste Erkenntnis der Neurologenwissenschaft, dass so ein Bild und so ein Text, zudem noch kombiniert, wenn sie auf unseren Augapfel treffen, dass sie dann direkt ungefiltert in unseren Persönlichkeitskortex und in unseren Eigenverantwortlichkeitskortex hineinwandern und dort randalieren wie die Zigeuner? Dort gehen die hinein und schlagen alles kaputt, doch belassen sie es nicht dabei und wandern rüber noch in unsere Seele und klopfen die auch noch windelweich, wie ich es seit 1939 an der Polenfront nicht mehr erlebt habe.

Und die Sintflut, in der Tat! Wer außer unserem Herrn selbst (!) hat das Recht, sie anzuführen. Das hat er auch getan, als er das Heilige Buch der Christenheit, also nicht das Jesus-Buch vom Benedikt, sondern die Bibel, geschrieben hat. Und da hätte die Geschichte bleiben sollen, wo sie steht und schon immer stand, seit die Welt zum ersten Mal das Licht der Sonne, die sich so unermüdlich um unsere Erdenscheibe dreht, erblickte. Und der Herr sprach:

„Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere un die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben.“ (Genesis 6, 7)

Ganz Recht, mein hochverehrtes Familienministerium! Hier ist keine Rede von Menschenbabys, Omas, oder Tieren! Hier werden nur Vieh, Kriechtiere, Vögel und Menschen vertilgt! Eine ganz falsche Darstellung der Historie ist das, was sich Herr Schmidt-Salomon hier erlaubt, und sowas mit einem jüdisch klingenden Namen, mit dem er es doch besser wissen müsste!

Und diese Abbildungen, oh diese Abbildungen, ja in der Tat: Diese Abbildungen! Dabei sprach doch der Herr in seinem vierten Gebote:

„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“ (Exodus 20, 4)

Gott, der Herr, der hat es selbst gesagt und er hat es klar gesagt, dass wir überhaupt keine Bilder von gar nichts machen sollen! Von nichts da oben oder hier oder da unten, unter unseren Füßen, wo das Wasser fließt! Und dazu gehören auch Ferkel und Igel und Rabbiner. Erst Recht keine Rabbiner sind abzubilden, ja, denn so sprach unser Herr Jesu Christ:

„Weh euch, ihr [jüdischen] Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebet hätten, wären wir nicht wie sie am Tod der Propheten schuldig geworden. Damit bestätigt ihr selbst, daß ihr die Söhne der Prophetenmörder seid. Macht nur das Maß eurer Väter voll! Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Straftericht der Hölle entrinnen!“ (Matthäus 23, 39-33)

Die jüdischen Hohepriester redeten Pilatus nämlich ein, dass er unseren Heiland kreuzigen solle und sie sagten es endlich selbst:

„Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Matthäus 27, 25)

Nun will dieses Ferkelbuch Bilder von den Christusmördern zeigen? Noch dazu auf diese laxe Weise, „grausam“, „menschenverachtend“, das ist doch gar nichts! Seht euch nur die Darstellung von Juden in christlichen, deutschen Kirchen an, das ist Antisemitismus! Ja, unser Herr hat gesprochen und unser Familienministerium hat ihn erhört! Herr Schmidt-Salomon wird ihn auch noch zu hören bekommen, wie all die elenden Gottesleugner!

Und ja, wie lächerlich ist die Unterstellung, das Judenvolk wolle alle anderen Religionen vernichten! Das will doch nicht das Judenvolk, dieser nicht-missionarische Haufen, das können die gar nicht, nein, das will das Christenvolk allein! Beinahe wäre es uns gelungen beim ersten, beim zweiten, beim dritten Kreuzzug und gelingen wird es uns beim letzten, der da noch kommen mag, der da noch kommen muss, mit Hilfe des Familienministeriums!

Also klar ein antisemitisches Buch ist das, und sowas in einem liberalen Rechtsstaat. Doch ist es nicht der wahre, der christliche Antisemitismus, es ist so ein billiger, erbärmlicher Antijudaismus, der sich gar nicht gegen die Juden als Volk richtet, sondern nur gegen einige Elemente ihrer Religion, nicht einmal ihrer Religion, sondern nur der ultraorthodoxen Version davon. Lachhaft.

Herr Salomon hat die Frechheit besessen, sein Buch auch noch zu verteidigen. Mit Argumenten aus seinen aufgeklärten Debattierclubs, als müssten die irgendjemanden kümmern! Gottes Wort alleine zählt, das weiß niemand so gut wie unser Familienministerium. Und niemand verbreitet es so eifrig wie Frau Ursula von der Leyen mit ihrem christlichen Bündnis für Erziehung, gegen das Salomon so hetzt, doch in das Reich der Heiligen wird man sie dafür aufnehmen!

Meine lieben Zuhörer, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Wenn Jesus, unser Herr, in den nächsten 50 Jahren vom Himmel herabsteigt und die Ungläubigen vernichtet, so wird er euch lohnen, doch vor allem wird er lohnen: Unser Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend! Der Herr sei mit ihm. In Ewigkeit.

Amen.

Offray

8 Comments

  1. Herzlichen Glückwunsch!
    jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass bei der anhörung am 6. märz der geist der vernunft das gremium der bundesprüfstelle für jugendgefährdende schriften regiert.

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  2. Das ist ein gutes Wort zum Sonntag, rechtzeitig und sehr unterhaltend. Ich muss jetzt meinen Screen putzen, Kaffee und Krümel entfernen, die beim eruptiven Lachausbruch dagegen geflogen sind.
    offray, die beste Predigt, die ich seit langem gehört habe. Dem Bundesministerium und seiner Vorsteherin Frau von der Leyen mein Glückwunsch zur Dronte.

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