Die Beichte stört


 Kölnische Rundschau

Rom – Diese Zahlen sorgen im Vatikan für Entsetzen: Einer italienischen Umfrage zufolge bezeichnen 30 Prozent aller praktizierenden Katholiken die Präsenz von Pfarrern in Beichtstühlen als überflüssig. Zehn Prozent erklärten sogar, dass die Beichte ein Hindernis in ihrer Beziehung zu Gott sei. 60 Prozent sagten, dass sie gar nicht mehr beichten gehen. Nun hat Gianfranco Girotti einen „Alarmruf“ ausgestoßen.

Girotti ist Bischof und leitet im Kirchenstaat den „Penitenziera Apostolica“, einen der ältesten Gerichtshöfe der katholischen Kirche, dessen Name zum ersten Mal dokumentarisch im Jahr 1256 erwähnt wird. Der Bischof schlägt mehr Ausbildung für die Pfarrer vor, damit es ihnen gelingt, die Beiche wieder „attraktiver“ zu machen. Der Vatikan soll dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Der Gerichtshof organisiert deshalb Weiterbildungskurse für Geistliche, die in der Peterskirche die Beichte abnehmen.

 Wie Ehetherapeuten: Milde statt Strenge

Die Kursteilnehmer werden darauf hingewiesen, dass sie möglichst entspannt zu wirken haben, damit sich auch der beichtbereite Katholik zum Sprechen bereit zeige. Der Pfarrer, so Girotti, „soll niemals apokalyptische Töne anschlagen“, auch dann nicht, wenn „ganz besonders schlimme Vergehen gebeichtet werden“. In diesem Zusammenhang spricht der Bischof von der praktizierten Homosexualität, meint aber auch Sünden wie satanische Praktiken.

 Besonders offen sollten Geistliche während der Beichte Geschiedenen und jenen Personen gegenüber sein, die sich in einer Ehekrise befinden, damit gerade sie wieder verstärkt beichten gehen. Die Priester sollen fast schon wie Ehetherapeuten auf die sündigen Gläubigen wirken, die einen ehelichen Fehltritt beichten, sie sollen Verständnis zeigen und Auswege aus der Ehekrise vorschlagen. Mehr Verständnis, weniger Strenge: Das sind die Hauptpunkte des neuen Kurses im Umgang mit den verbliebenen beichtbereiten Katholiken.

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5 Gedanken zu “Die Beichte stört

  1. TheK

    Man könnte natürlich auch mal die Liste der „schweren Sünden“ wenigstens auf das kürzen, was nicht Alltagsleben ist, aber warum auch. Die beiden Beispiele sind putzig – schwere Straftaten sind also geringere Sünden?!

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  2. Voltairianus Berolinen.

    Der Journalist der „Rundschau“ hat – wie in seinem Berufszweig bei katholischen Themen üblich – keine Ahnung. Das ist alles nichts als eine Erinnerung an die schon stets gültigen Erfordernisse des Beichtehörens, siehe Catechismus Romanus (1566), 2,5,58ff.

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  3. Ari

    Ja die katholische Kirche und der Zeitgeist. Verbrennen, Foltern und psychischer Druck klappen eben nicht mehr. Nun muss man eben schön nett und kschelig sein mit den armen Sündern. Hauptsache sie kommen überhaupt in die immer seltener besuchten Gotteshäuser und Beichtstühle.

    Beim Thema Homesexualität wird sich schon ein Priester finden, der besonders einfühlig ist und lebensnahe Hilfen anbieten kann 🙂
    Da mache ich mir garkeine sorgen….

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