Janoschs «Tigerente» unerwünscht


«Katholisch geboren zu sein, war der größte Unfall meines Lebens», sagt Autor Janosch. Foto: Bauer

Katholischer Buchladen sagt Auftritt ab, weil Autor gegen die Kirche wettert

NÜRNBERG – Nürnberger Nachrichten– Abgeblasen: Die schwarzgelb gestreifte «Tigerente» kommt nicht nach Nürnberg, weil Kinderbuchautor Janosch gegen die katholische Kirche gewettert hat.

Die katholische Paulus-Buchhandlung am Jakobsplatz hat am Donnerstag ein für Juni geplantes Theaterstück zum 30. Geburtstag der beliebten Janosch-Figur abgesagt. Grund: Der 77-jährige Zeichner und Autor Horst Eckert (Janosch) hat sich öffentlich «zornige Gedanken» gemacht. Zitat: «Katholisch geboren zu sein, war der größte Unfall meines Lebens.»

80 Kinder aus evangelischen und katholischen Kindergärten freuten sich bereits auf das Janosch-Stück «Oh, wie schön ist Panama» in der Buchhandlung am Weißen Turm. Doch als Paulus-Schwester Maria, die Leiterin des Ladens, im Internet auf die Ansichten des auf Teneriffa lebenden Eckert stieß, schrieb sie die Absage.

Zwar findet sie das «Panama»-Buch des Autors, in dem sich Tiger und Bär auf die weite Reise nach Panama machen, völlig harmlos. Tatsächlich taucht Janoschs Kirchenkritik in seinen Werken für Kinder nirgends auf. Doch die rigorose Ablehnung des geistigen Urhebers der viel verkauften Kindergeschichten sei inakzeptabel. Auch Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber hat schon verlangt, Janosch «den Zutritt zu unseren Kinderzimmern» zu verbieten.

Horst Eckert, der 1979 für sein populärstes Buch den Deutschen Kinderbuchpreis bekam, berichtet in einer vom bayerischen Bund für Geistesfreiheit veröffentlichten Stellungnahme über seine persönlichen Glaubenserfahrungen. «Ich war in einer jesuitischen Jungengruppe, wir wurden als ,Soldaten Christi‘ für den Nazi-Krieg vorbereitet.» Zum Thema Beichte formuliert der gebürtige Oberschlesier: «Da sitzt ein Gott und wartet, dass du Kind von sechs Jahren eine der 89 Verfehlungen begehst, und dann schlägt er zu.»
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9 Comments

  1. Natürlich kann man niemand vorschreiben, wenn er bei sich lesen lässt. Toleranz hat die katholische Kirche ja eh nicht, dass sollte jedem klar sein. Man sollte so eine Buchhandlung auch einfach meiden. Vielleicht sollte man der Frau einmal eine Liste mit atheistischen und religionskritischen Autoren zukommen lassen, damit sie ihre Buchhandlung aufräumen kann. Ich befürchte nur, dass es dann (wenn es vorher ein allgemeines Sortiment war) zu einem Papstfanshop verkommt 🙂

    Schade für die Kinder, die nun um die Freude gebracht wurden diese gute Buch zu hören. Wahlweise kann ich empfehlen nurnoch aus Kinderbibeln vorzulesen. Es lebe die heile christen Welt die immer friedlich und lieb ist….

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  2. Dies erinnert ein wenig an die guten alten Zeiten, als Mathematikvorlesungen von Russell in den USA wegen seiner religiösen Einstellung untersagt wurden. Das Christentum sieht halt immer den ganzen Menschen. Ein christliche Schiedsrichter dürfte eigentlich keine Tore von Atheisten anerkennen. ( eigentlich dürfen da keine Atheisten mitspielen ).

    Auch eine katholische Buchhandlung, kann allerdings Veranstaltungen ohne Begründungen abhalten oder nicht. Genauso wie ich mir meine Buchhandlungen aussuchen kann. Also kein Grund zur Aufregung sondern nur ein weiterer Beitrag zur Absurditätensammlung.

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  3. „Auch Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber hat schon verlangt, Janosch «den Zutritt zu unseren Kinderzimmern» zu verbieten.“
    Dass bei Stoibers die Karin die Finanzen in der Hand hat und Ede bloß Taschengeldempfänger ist, war ja bekannt. Aber dass er noch im Kinderzimmer wohnt, wirft langsam ein merkwürdiges Licht auf Dr. Stoiber. 😛

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  4. Ja Schwester Maria lässt sich nicht ihre Ehe verhageln, da hört die Demokratie auf und da fängt die katholische Diktatur an.

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  5. ich schließe mich offray an und sein wir doch mal ehrlich: Wenn ich einen Buchladen hätte und ein Autor, dessen Werk ich immer geschätzt habe sollte in meiner Buchhandlung eine Lesung abhalten, doch ich stelle fest, dass er christlich ist, ich dies anhand seiner Bücher aber absolut nicht feststellen konnte, ich würde die Lesung nicht absagen. Ich denke der Großteil hier ebenfalls nicht.

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  6. Gläubige Christen sind Menschen, die von einem totalitären Herrscher kontrolliert werden möchten und die andere Menschen zur Kollaboration mit dem diesem Regime zwingen. Sie wünschen sich ihre eigene Unterjochung so sehr, dass sie sich diesen Tyrannen sogar herbeifantasieren, obwohl er in der empirisch erfassbaren Welt nicht einmal existiert.

    Und das hier ist nur einer von vielen Beweisen für diese These. Die Vorstellung, dass solche faschistisch veranlagten Wunschsklaven Macht über unschuldige Kinder ausüben, ist ein unvorstellbarer und nicht zu rechtfertigender Horror.

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