Total (para-)normal? „Das Übersinnliche“


ROSSDORF. (gwup) hpd Vampire und Ufos, Paris Hilton und die Illuminaten, Löffelbieger und Mystifier: Beim „Publikumstag“ am 1. Mai in Darmstadt informieren die Skeptiker über allerlei Frag- und Merkwürdiges.

„Mystifier“, die kraft ihrer Gedanken Löffel verbiegen und mit den Toten sprechen. Geheimgesellschaften, die im Verborgenen die Geschicke der Welt lenken. Ufos und Aliens, Vampir- und Geisterjäger, Wunder­heiler und Heilwunder … In den Medien hat das „Übersinnliche“ Hochkonjunktur. Ob Shows oder Dokus, Film oder Fernsehen, Bücher oder Zeitschriften – überall wispert und geheimnist es.

„Total (para-) normal?“ fragen sich da die Skeptiker in augenzwinkernder Anlehnung an eine frühere Comedyserie von Hape Kerkeling. Der Schauspieler und Komiker führte in „Total normal“ dereinst den ganz alltäglichen Wahnsinn aus der Glotze ad absurdum. Auch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften will am „Publikumstag“ der 18. GWUP-Konferenz am 1. Mai 2008 in Darmstadt auf unterhaltsame Weise die breite Öffentlichkeit über allerlei Frag- und Merkwürdiges informieren.

Paris Hilton als Agentin der Illuminaten

Frag- und Merkwürdiges? Bei diesem Stichwort darf Eine nicht fehlen – nämlich Society-Girl Paris Hilton, deren mediale Allgegenwart unerklärlich scheint. Warum ist das „blonde Nichts“ (Die Zeit) stets und über­all präsent? Bernd Harder kennt die Antwort. Doch die Fakten, die der Journalist und Buchautor recher­chiert hat, sind erschreckend: Die millionenschwere Hotel- Erbin operiert unerkannt im Auftrag eines welt­weiten Verschwörernetzwerks aus Freimaurern und Außerirdischen.

Ist das ernst gemeint?

„Nicht wirklich“, lässt Harder durchblicken. Was also soll sein Vortrag „Paris Hilton, die Illuminaten und die geheime Weltregierung“?

„Es soll klar damit gemacht werden“, holt der GWUP- Pressesprecher aus, „dass das übliche Argumenta­tionsmuster von Verschwörungstheoretikern nichts taugt – eine Methode, mit der man jeden Unfug bewei­sen kann, ist zwangsläufig suspekt. Die Besucher bekommen also eine Pseudowissenschafts-Satire zu hören und zu sehen: Man verwendet das gleiche Argumentationsmuster wie hier zum Beispiel ein Verschwörungstheoretiker, um etwas zu ,beweisen´, was selbst dieser für Unsinn hält.“

Von Morta Deller zu Uri Geller

Skeptizismus mit Comedy-Elementen – „Total normal“ lässt grüßen. Und manchmal ist die Parodie sehenswerter als das Original. So wie es auch ein gewisser „Morta Deller“ unlängst demonstrierte. Grob-Komiker Oliver Pocher avancierte mit seiner Uri-Geller-Verarsche zum gefeierten YouTube-Hit. Und „Mr. Löffelbieger himself“ konnte die Demontage seiner ProSieben-Show nur stoisch über sich ergehen lassen.

Der Frage, ob er wirklich paranormale Kräfte besitzt, weicht Geller mittlerweile wachsweich aus: „Ich über­lasse die Beurteilung Ihnen und dem Publikum“, wand er sich etwa bei einem Interview mit der Zeitschrift TV Today. „Ich behaupte gar nichts … Früher habe ich darauf bestanden, dass ich nicht trickse. Im Laufe der Zeit habe ich aber gelernt, dass es viel wirkungsvoller ist, sich bedeckt und geheimnisvoll zu halten.“

Diesen Schleier des Geheimnisvollen wird GWUP- Vorstandsmitglied Mark Schmidt wegziehen, Jurist und Hobbyzauberer im Magischen Zirkel von Deutschland. „Widersprüche, Tricks, Prozesse“ lautet der Untertitel seines Vortrags über den telegenen „Mystifier“.

Ufo oder Wetterballon?

Selbstverständlich ist nicht jedes vermeintlich übersinnliche Phänomen auf Tricks, Kalkül, Manipulation und Schwindel zurückzuführen. Ein Ufo zum Beispiel „ist nichts anderes als ein unbekanntes Flugobjekt, für das es oft normale Erklärungen

gibt: ein Feuerball, ein Wetterballon, eine Laterne“, erklärt der Mannheimer Amateurastronom Werner Walter. „Dass alle automatisch an fliegende Untertassen denken, ist ein Mythos, der sich seit den fünfzi­ger Jahren hält.“ Und dem Walter seit mehr als drei Jahrzehnten akribisch nachspürt.

Das GWUP-Gründungsmitglied betreibt eine „Ufo-Hotline“ (06 21 – 70 13 70) und sammelt Filmaufnah­men von unheimlichen Begegnungen der ersten, zweiten und dritten Art.

Kein Geringerer als der rumänische Militärchef etwa gab unlängst bekannt, dass einer seiner Kampfjets von einem Ufo touchiert worden sei. Walter: „Ich habe mir das Video davon angeschaut und glaube: Da ist ein Vogel oder so etwas in die Düse geraten.“ Diese und andere Aufnahmen wird Walter beim GWUP-Publikumstag vorführen und im Dialog mit dem Publikum analysieren.

Vampirzeichen im dunklen Land

Rumänien – das ist in zahlreichen Gruselfilmen nur „das dunkle Land“, in dem Werwölfe und Vampire ihr grauenvolles Unwesen treiben. Düstere Legenden? Nein – musste Deutschlands bekanntester Kriminal­biologie und Spurenkundler Dr. Mark Benecke erst vor kurzem feststellen.

Wie kann es sein, dass bei einem Toten die Fingernägel noch wachsen? Warum läuft bei der Leiche Blut aus dem Mund? Wie ist das unheimliche Schmatzen eines kürzlich Verstorbenen zu erklären? Mit solchen Fragen sah sich Benecke vor drei Jahren bei einem mysteriösen Fall in dem EU-Land am Schwarzen Meer konfrontiert.

Ein Untoter? Wir werden es erfahren – beim Vortrag des „Madendoktors“ zum Thema „Vampirzeichen“.

Eines schon vorweg: „Wir sollten darüber nicht lachen“, warnt Benecke, „Meine Praktikantin glaubt bei­spielsweise fest und ernst an Geister in meiner Wohnung und geht deswegen nicht alleine in mein Herren­zimmer. Was soll´s.“

Der Zauber des Unbegreiflichen

Und ebenso mysteriös geht der „Publikumstag“ der GWUP an „Christi Himmelfahrt“ im Darmstädter Justus-Liebig-Haus (ab 14 Uhr) zu Ende. Der Zauber des Unbegreiflichen stellt den gesunden Menschen­verstand auf eine harte Probe, wenn der Paranormalmentalist „Hundini“ und der Gaukler, Fakir und Magus „Meister Eckart“ die Bühne betreten.

Sie präsentieren „Magic Entertainment“ – phantastische Phänomene aus den Grenzbereichen der Wissen­schaft. Ob Vorhersagen, Telepathie, Nagelbrett oder Scherben: Erleben Sie das offenbar Unmögliche. Gute Unterhaltung und erstaunliche Einsichten sind dabei garantiert.

GWUP

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