Ignoranz einfachster Fakten?



Ein Muezzin ruft zum Gebet Foto: AP

Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten

das islamische Portal

Einer der Lieblingssätze westlicher Stammtischstrategen lautet: „Wer den Ruf des Muezzins in unseren Städten verlangt, sollte auch in Teheran das Glockenläuten zulassen.“ Die Realität jedoch ist: In Teheran läuten die Glocken von 34 Kirchen, und christliche Kinder haben ihren eigenen Religionsunterricht. In Teheran existieren sieben Synagogen, rund 4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen. Es gibt sechs koschere Metzger, zwei koschere Restaurants und ein jüdisches Krankenhaus, dem kürzlich sogar Irans Zündler Mahmud Ahmadinedschad Geld spendete.

Den 25 000 Juden steht verfassungsrechtlich ein Parlamentssitz zu, ähnlich wie den Christen. Selbst Ayatollah Khomeini verfasste 1979 kurz nach der Revolution eine „Fatwa“ zum Schutz der Juden. An vielen iranischen Synagogen stehen seine Worte: „Wir achten die religiösen Minderheiten, die Teil unseres Volkes sind. Der Islam erlaubt nicht, sie zu unterdrücken.“

Die Beziehungen zwischen Juden und Persern sind seit Urzeiten gut. Es war ein persischer König, Kyros der Große, der 538 v. Chr. die Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft befreite. Die Bibel nennt ihn den „geliebten Hirten und Gesalbten Gottes“. Juden und Christen haben als „Schutzbefohlene“ im Iran zwar nicht die gleichen politischen Rechte und Pflichten wie Muslime. Aber gewähren wir den Muslimen im Alltag Europas die gleichen Rechte wie Christen und Juden? Gewährt Israel seinen arabischen Mitbürgern in der täglichen Praxis wirklich die gleichen Rechte wie seinen jüdischen Bürgern?

Es gibt in der Tat jene bösartigen „antizionistischen“, antiisraelischen Äußerungen Ahmadinedschads. In der iranischen Bevölkerung hat diese aggressive Position, die reich an politischer Torheit und arm an geschichtlicher Einsicht ist, jedoch kaum Rückhalt. Selbst die geistliche Führung des Iran hat Ahmadinedschad mehrfach dafür gerügt. Allerdings ist dieser törichte Antizionismus nicht gleichbedeutend mit Judenhass und Antisemitismus. Auch orthodoxe Juden, wie etwa die chassidischen Satmar, lehnen einen israelischen Staat „vor Ankunft des Messias“ ab und nehmen damit eine „antizionistische“ Position ein.

Wirklichen Antisemitismus und staatliche Judenverfolgung wie in Europa hat es im Iran und in anderen muslimischen Staaten nie gegeben. Während der Nazi-Zeit flohen viele europäische Juden über den Iran in die Freiheit. Die Juden im Iran sind angesehene Mitbürger. Der jüdische Direktor des jüdischen Krankenhauses von Teheran, Ciamak Morsathegh, brachte es auf eine für Europa peinliche Formel: „Antisemitismus ist kein islamisches, sondern ein europäisches Phänomen.“

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15 Comments

  1. @nickpol
    Das relativiert aber nicht meine Aussage, dass dieser Artikel eine Beleidigung der Opfer darstellt.
    Man kann Unrecht nicht mit Unrecht aufwiegeln, solche Relativierungsversuche sind schon „Christen-Denk“.
    Kein Mensch würde heute die Opfer des Faschismus mit den Opfern des Kommunismus auf eine Waage werfen und wer es dennoch tut ist nicht ganz klar im Kopf.
    Entweder man ist gegen alle abergläubige Institutionen oder man lässt es. So siehts nunmal aus.

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  2. Na ja, so ganz ohne sind die christlichen Autoritäten ja auch nicht, ich erinnere nur an Nord-Irland, was dort im Namen des Einen alles geschossen, verbrannt, gesprengt wurde geht auf keine Kuhhaut. Weiter im Kontext, sind die katholischen Kroaten, die serbischen Orthodoxen und die bosnischen Muslime auch völlig friedfertig miteinander umgegangen. Und die christlichen Phalanx-Eiferer haben auch ein paar Palästinenser massakriert, also, so hohl sind die Phrasen der Päpste und ihrer Bischöfe nicht.

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  3. In einem Artikel hohle Phrasen von Päpsten, Bischöfen und Priestern von der abergläubigen Organisation wie der katholischen Kirche kritisieren von denen keine unmittelbare Gefahr für menschliches Leben ausgeht außer dass man sich beim Kopfschütteln den Hals verrenkt und in einem anderen Artikel indirekt ein Regime verteidigt welches ganz legal unschuldige (weil andersgläubige, homosexuelle etc.) Menschen hinmordet, ist eine Beleidigung sondersgleichen der Opfer…

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  4. Naja, Teildiktatur ist es zumindest: Es sind gewisse Bereiche der formalen demokratischen Willensbildung entzogen, insbesondere solche der Religion und Weltanschauung.

    Die Unabänderbarkeitsklausel im Grundgesetz enthält auch ein solches diktatorisches Element, das sich über das Demokratieprinzip stellt.

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  5. Der Iran als Vorhut für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte. Eine doch sehr eigenwillige Auslegung der Fakten, egal wie sehr man diese Begriffe von ihrem inhalt befreit, auf den Iran treffen sie schlicht nicht zu.
    Oder wie eine iranische Freundin es ausdrückte: „Der Islam in Persien ist tot. Die Mehrheit der Iraner hat keine Lust mehr darauf wie Araber in der Steinzeit zu leben.“

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  6. „4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen“

    Und sie alle wollen die Welt beherrschen und den Holocaust hat es niemals gegeben, so Ahmadinedschad…

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  7. Könnte mal jemand diesen Artikel an die Redaktion von pi-news.net weiterleiten? Deren Reaktion auf „Die Realität jedoch ist: In Teheran läuten die Glocken von 34 Kirchen, und christliche Kinder haben ihren eigenen Religionsunterricht. In Teheran existieren sieben Synagogen, rund 4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen. Es gibt sechs koschere Metzger, zwei koschere Restaurants und ein jüdisches Krankenhaus, dem kürzlich sogar Irans Zündler Mahmud Ahmadinedschad Geld spendete“ muss einfach göttlich sein.. 😀

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  8. „Wer oder was definiert denn, was eine Diktatur ist?“

    Die westlich-imperialistische Politwissenschaft mit ihren „objektiven“ Kriterien.

    Ich finde es schrecklich, wohin sich die „Linke“ bewegt hat. Früher hat man gegen Diktaturen gekämpft, indem man sie bekämpft (!) hat und heute kämpft man gegen Diktaturen, indem man sie verleugnet und ihnen andere Namen gibt.

    Nennen wir doch „Steinigung“ einfach „Kissenschlacht“ und „Köpfung“ einfach „Kopf frei machen“ und „Heiliger Krieg“ einfach „Heiliger Friede“. Hex, Hex! Und schon sind alle Probleme verschwunden.

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  9. @Rudi:
    Und mir kommt es manchmal so vor, als seien die westlichen Staaten nur eine Dikatur der Mehrheit und dabei verwendet man schon eine sehr artige Bezeichnung.

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  10. Wer oder was definiert denn, was eine Diktatur ist? Da es mehrere Weltsichten gibt, müsste es auch mehrere Definitionen geben. Ich vermute aber mal, der Westen ist diesbezüglich der master mind. Ansonsten, würde man die Kriterien für Diktatur und Terror auf westliche Länder anwenden, müssten die USA Krieg gegen sich selbst führen.

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  11. aus Wikipedia:
    „Nach der Scharia erhalten sie den Dhimmi-Status, wenn sie unterworfen sind, d. h. sie müssten eine Kopfsteuer entrichten, die höher ist als die von Muslimen zu zahlende Almosensteuer und die unter Demutsbezeugung zu entrichten ist. Zugang zum Militär ist ihnen verwehrt, dadurch sind sie aber auch vom für Muslime gezwungenen Kriegsdienst in Kriegsfällen ausgenommen. Nicht unterworfene Nicht-Muslime und Nicht-Monotheisten gelten als Harbis ohne Rechte.

    Trotz der Aussage, dass es „keinen Zwang im Glauben“ gebe (Koran 2, 256), wurden nach der Scharia Polytheisten nicht geduldet (siehe dazu auch Glaubensfreiheit im Islam).“

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  12. Khomeini soll gesagt haben:
    „Wir achten die religiösen Minderheiten, die Teil unseres Volkes sind. Der Islam erlaubt nicht, sie zu unterdrücken.“

    Das ist wohl relativ zu sehen aus Sichtweise eines ansonsten gänzlich intoleranten Regiemes. „Achten“ würde wohl die Religionsfreiheit einschließen, also die Freiheit, jede Religion vertreten zu dürfen und diese auszuüben sowie die Religion oder Weltanschauung beliebig wechseln zu dürfen. Zudem müsste dann die Freiheit gewährleistet werden, sich den Regeln anderer Religionen oder Weltanschauungen nicht unterwerfen zu müssen. Das müsste zumindest denjenigen Anschauungen gewährt werden, die selbst dieses Recht anderer nicht bedrohen.

    Gerade das ist aber seit der Errichtung des islamischen Regiemes gerade nicht mehr gewährleistet, anders denkende Menschen werden mit dem Tode bedroht.

    Die Aussage ist daher gerade aus dem Mund Khomeinis eine hole Phrase.

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  13. Muslime wären also nicht viel schlimmer als Christen und Juden, wenn der Text recht hätte.. So what? Ich finde das immer noch schlimm genug. 😉

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