Die Verklärungen Tibets und des Dalai Lamas


http://www.morguefile.com/archive/?display=200491&(Telepolis) Ist es ein Erfolg des internationalen Drucks ([local] Streicheleinheiten in Peking) oder eher eine Routineangelegenheit? Die chinesische Regierung hat [extern] angekündigt, sich mit einem Vertrauten des [extern] Dalai Lama treffen zu wollen Allerdings wurde bisher in der Berichterstattung über Tibet kaum zur Kenntnis genommen, dass es auch in der Vergangenheit Verhandlungen mit Vertretern des Dalai Lama und der chinesischen Regierung gegeben hat.

Das ist eine der Kritikpunkte, die der ehemalige DDR-Auslandskorrespondent Zhiping Jia an der Tibet-Berichterstattung in den deutschen Medien hat. Zhiping Jia gehörte zu den Mitorganisatoren einer Demonstration in Berlin am 19. April, auf der in Deutschland lebende chinesische Staatsbürger gegen die ihrer Meinung nach einseitige Berichterstattung in deutschen Medien protestiert hatten. Diese Aktion hat eine [extern] Debatte über die Objektivität der hiesigen Tibetberichterstattung angestoßen. Im Gegenzug müssen sich die Organisatoren der Protestdemonstrationen auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, von der Pekinger Regierung gelenkt zu sein So betonte Zhiping Jia in einem [extern] Interview:


Die Proteste wurden von Privatleuten und von Studentengruppen organisiert. Die Botschaft hat uns nicht unterstützt, im Gegenteil. Ein paar Studenten, die bei der chinesischen Botschaft Nationalfahnen ausleihen wollten, wurde gesagt, sie sollten studieren und nicht demonstrieren. Mobilisiert haben wir hauptsächlich über Internetforen.

Doch dem Vorwurf, dass jede Kritik am Dalai Lama und der vom ihm vertretenen Politik die Machthaber in Peking unterstützt, musste sich vor einigen Wochen auch die Bürgerschaftsabgeordnete der Linken in Hamburg, Christiane Schneider, stellen. Weil sie in einer Rede in der Bürgerschaft mit Verweis auf den iranischen Religionsführer Chomeini daran erinnerte, dass man mit religiösen Persönlichkeiten in der Politik nicht immer gute Erfahrungen gemacht habe, wurde gleich von einem Eklat in der Bürgerschaft [extern] gesprochen.

Bemerkenswert ist, dass sich mit dem Dalai Lama der hessische Ministerpräsident [extern] Roland Koch genau so identifizieren kann, wie nonkonformistische Musiker wie Björk, die bei Auftritten in China ihre Sympathie mit Tibet ([extern] Declare Independence) ausgedrückt hat.

Der Dalai Lama ist alles andere als ein „Mann des Friedens

Auch der Wissenschaftsjournalist Colin Goldner und Autor des Buches „Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“, das in den nächsten Tagen in aktualisierte Neuauflage im [extern] Alibri-Verlag erscheint, musste sich wegen seiner prononcierten Kritik am Dalai Lama und der von ihm vertretenen Politik schon häufig scharfe Angriffe gefallen lassen. Peter Nowak sprach mit ihm über das Bild von Tibet und vom Dalai Lama.

Vor einigen Tagen protestierten in Deutschland lebende Chinesen gegen eine verzerrte Medienberichterstattung über Tibet in deutschen Zeitungen. Ist die Kritik berechtigt?

In den bürgerlichen West-Medien wurden die frei Haus gelieferten Behauptungen der „Exilregierung“ des Dalai Lama ohne die geringste journalistische Distanz oder Gegenrecherche weiterverbreitet: von der „unmenschlichen Brutalität der chinesischen Machthaber“, den „grausamen Menschenrechtsverletzungen“, dem „Völkermord auf dem Dach der Welt“. Nirgendwo fand sich auch nur der leiseste Anflug von Kritik an der von Tibetern verübten Gewalt. Selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurden die blindwütigen Horden – darunter viele Mönche aus den örtlichen Großklöstern -, die da vandalierend, plündernd und Brände legend durch die Straßen zogen und auf jeden einprügelten, der nicht tibetisch genug aussah, als im Grunde friedliche Demonstranten dargestellt, die von einer brutalen Militärdiktatur an der Ausübung elementarster Rechte gehindert würden.

Wie wurde in den Medien Ihrer Meinung nach manipuliert?

Colin Goldner: Verfügbares Bildmaterial wurde entweder gar nicht gezeigt oder manipuliert, beziehungsweise mit falschen oder irreführenden Kommentaren versehen. Der Nachrichtensender n-tv beispielsweise strahlte ein Video aus, auf dem vermeintlich chinesisches Militär zu sehen war, das in Lhasa auf friedliche Tibeter einprügelt. Nur: die Bilder stammten gar nicht aus Lhasa, vielmehr zeigten sie nepalische Polizei, die gegen Randalierer in Kathmandu vorging. Auch auf RTL wurden die Szenen aus Kathmandu als Szenen aus Lhasa verkauft; desgleichen in der Bild-Zeitung, in der unter der Überschrift „Hunderte Tote bei schweren Unruhen in Tibet“ ein Standphoto aus dem Kathmandu-Video zu sehen war.

Gibt es nicht auch Beispiele für eine objektive Sicht in den Medien?

Colin Goldner: Solche Berichte waren nur sehr vereinzelt zu lesen: die Washington Post beispielsweise oder der britische Economist ließen westliche Augenzeugen zu Wort kommen, die bestätigten, dass der Terror in den Straßen von Lhasa eindeutig von tibetischer Seite vom Zaune gebrochen worden war. Nachdem Videodokumente dies bestätigten, verlagerte das Gros der westlichen Medien sich auf die Argumentationslinie, die Ausschreitungen seien zwar zu verurteilen, letztlich aber vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Unterdrückungspolitik Pekings verständlich und als „Ausdruck der Verzweiflung“ (NZZ) oder „Schrei nach Freiheit“ (Tagesspiegel) vielleicht sogar legitim.

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10 Comments

  1. …kann man nach 60 Jahren Besatzung durch China allen Ernstes eine politische Schuldfrage oder über „gerechte“ Berichterstattung diskutieren?

    Manchmal frage ich mich wie lange es dauert, bis auch das grösste Unrecht irgendwann durch dazwischen liegende Jahrzehnte legalisiert wird?

    Haben die Tibeter sich tatsächlich nur eingebildet überfallen worden zu sein…ihre Unabhängigkeit eingebüsst und zwangsweise zur Provinz Chinas erklärt worden zu sein / und wurden in Wirklichkeit „befreit“?

    http://blog.filago.de/archives/266

    Ich habe diesen Artikel geschrieben, als es noch keinen politisch wohlgefälligen Medien- Hype um den Tibet gab. Dazu mussten in Lhasa erst Menschen auf den Strassen sterben!

    Beste Grüße,
    F. Arnst

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  2. @derautor: der friedliebende tibetische Buddhismus war ironisch gemeint.

    Die Fragen des Selbstbestimmungsrechts der Völker muss man unabhängig von den Völkern als solchen klären. Eine Theokratie ist schon aus grundsätzlichen Erwägungen abzulehnen, ob nun der oberste Rechtsgelehrte Dalai Lama oder Seyyed Alī Chāmene’ī heißt.

    Colin Goldner versucht nun den Menschen, die obiges friedliebende Bild vom Dalai Lama haben, und ihn sich vielleicht sogar auch als Führer wünschen, zu erklären, dass der Dalai Lama eigentlich ein Terrorist ist. Das ist aber in diesem Fall der falsche Ansatz, da ein solcher Führer schon grundsätzlich abzulehnen wäre, auch wenn das falsche Bild der Wirklichkeit entsprechen würde.

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  3. Sag ich ja, es ist völlg unwichtig ob der Dalai Lama friedliebend ist oder nicht. Er allein wird die Lage kaum ändern.

    Der Dalai Lama wird nur geschickt eingesetzt um eben Sympathien zu erschaffen. Außerdem ist er natürlich immer ein toller Aufhänger für die Medien. Eine solche Figur hat China momentan nicht zu bieten und dadurch eben von Beginn an einen schweren Stand.

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  4. „friedliebenden tibetischen Buddihsmus“

    Was soll denn das sein? In dem Interview werden doch gewalttätige tibetische Mönche angesprochen. So gut funktioniert die Propaganda, dass „der“ tibetische Buddhismus schon als friedfertig angesehen wird, was „er“ niemals in seiner Geschichte war. Es gibt natürlich eine Art Eliten-Buddhismus, der atheistisch ist und friedlich. Aber der wird eben nur von einer Minderheit vertreten.

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  5. Solange man sich auf den Dalai Lama und den friedliebenden tibetischen Buddihsmus konzentriert, kann man die Tibet-Problematik natürlich nicht vernüntig behandeln. Letztendlich sind das aber irrelevante Fragen.

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  6. Nicht unbedingt dämlich. Auch wenn die Aggressionen von Tibet ausgehen – was sicherlich oft der Fall war – kann es China doch dran gelegen sein, die Medien zu behindern, weil eben auch die Mittel die gegen die gewaltätigen Tibeter eingesetzt wurden eben nicht „ganz sauber“ waren.

    Wie gesagt glaube ich, dass auf beiden Seiten versucht wird, die Medien gezielt für die eigenen Zwecke einzusetzen. Tibet hat dabei zugegebenermaßen den Vorteil des „ewig lächelnden“ und Sympathie erzeugenden Dalai Lamas. China dagegen ist als Menschenrechtsverletzer gebrandmarkt und hat daher einen schweren Stand fair und objektiv bewertet zu werden. Deswegen wird momentan wohl auch in vielen Medien eher pro Tibet argumentiert.

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  7. „Das aber die Informationen aus Tibet so spärlich und teilweise verfälscht in die westlichen Medien gelangen, liegt aber doch zu einem Großteil an China“

    Das wäre allerdings ziemlich dämlich von ihnen, angesichts dessen, dass die Aggressionen von Tibet ausgehen… So wie ich die Sache sehe, gibt es viele Bilder von Beteiligten im Netz, die alles sehr schön dokumentieren, die waren ja schon verlinkt in einem vorherigen Artikel auf dem Blog.

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  8. So weit würde ich gar nicht gehen. Ob der Dalai Lama nun wirklich friedfertig ist oder nicht ist aber auch nicht wichtig finde ich. Ich glaube einfach, selbst wenn er von ganzem Herzen friedliebend ist, fehlen ihm einfach die Möglichkeiten die Gewalttätigkeiten zu stoppen. Und ob hinter der „gütigen Fassade“ nicht wirklich ein „böser Teufel“ steckt, werden die wenigsten Personen wirklich wissen. Möglich wäre es.

    Und zur Exilregierung würde ich sagen, dass ich glaube, dass sie sicherlich versucht die Medien – evtl. auch mit Falschinformationen – gezielt zu beeinflussen. Aber ich denke auch China bedient sich solcher Methoden. Die Wahrheit über die Situation in Tibet liegt wie bei so vielen Dingen zwischen den Extremen – in diesem Fall den tibetischen und chinesischen Informationen.

    Das aber die Informationen aus Tibet so spärlich und teilweise verfälscht in die westlichen Medien gelangen, liegt aber doch zu einem Großteil an China, dass die Informationsbeschaffung erschwert und die Medien so zwingt, sich anderer – teilweise nicht so zuverlässiger Quellen – zu bedienen. Vielleicht würde China ohne diese Blockade der Medien sogar besser wegkommen in der westlichen Berichterstattung.

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  9. Viele zur Meinungsbildung notwendigen Informationen befinden sich in diesem und früheren Artikeln zum Thema auf diesem Blog. Ich finde es schockierend, bis zu welchem fantastischen Grade alle Informationen ignoriert werden, welche der, aufgrund von Emotionen vorbeeinflussten, Haltung der meisten Leser widersprechen. Offenbar genügt es ihnen vollkommen, wenn ein exotisch gekleideter alter Herr sich zum Gottkönig erklärt, die ganze Zeit lächelt und Alltagsweisheiten von sich gibt, um ihren Verstand fast vollkommen auszuschalten.

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  10. Ich denke den Redaktionen fehlt einfach teilweise das Wissen, die „gefälschten“ Videos als solche erkennen zu können. Das muss ja nicht immer böse Absicht sein. Ist natürlich ein gefundenes Fressen für diejenigen, die die komplette Tibet-Berichterstattung diskreditieren wollen.

    Zu der Gewalt der Tibeter würde ich sagen, dass bestimmt in einigen Fällen aktiv die Gewalt von den Tibetern ausging, weil ein Punkt erreicht war, bei welchem gerade die jüngere Bevölkerung nicht mehr stillhalten konnte. Das muss ja nicht heißen, dass die Exilregierung oder der Dalai Lama dies unterstützt oder billigend in Kauf nimmt. Auch seine Aufrufe, die Gewalt zu beenden, können die Bevölkerung nur in begrenztem Umfang beeinflussen.

    Interessant wird sicherlich der für die nächsten Tage angekündigte Dialog zwischen China und Tibet.

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