Drei Reden über Religion und Humanismus


Friedrich Wilhelm Graf

(idw) Kulturwissenschaftliches Institut

Mit Friedrich Wilhelm Graf liest einer der renommiertesten Vertreter der deutschen Theologie in der zweiten Vorlesungsreihe „Reden über den Humanismus. Menschlichkeit in den Konflikten der Gegenwart“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen. In der jährlichen Vortragsreihe präsentiert das von der Stiftung Mercator geförderte KWI-Projekt „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ der Öffentlichkeit zentrale Aspekte seiner Arbeit. In der Vortragsreihe „Menschenbilderstreit. Drei Reden über Religion und Humanismus“ nimmt Friedrich Wilhelm Graf die uralten Kontroversen über das Bilderverbot der Hebräischen Bibel und des Alten Testaments der Christen zum Anlass, die gängige Rede von den „Menschenbildern“ zu durchleuchten. Die zivilisierenden Wirkungen von Religionen nimmt er dabei ebenso in den Blick wie ihre zerstörerischen Seiten. Graf weist darauf hin, dass die Frage über die Wirkung von Religionen aktueller ist denn je: „Die religiösen Akteure im globalen Welttheater sind verstärkt auch auf politische Bühnen zurückgekehrt“.

Zentrale Fragen der drei Essener Vorträge sind: Lässt sich vom Menschen, seiner Würde, seinen Rechten angemessen sprechen, ohne sich die symbolischen Ressourcen der großen Religionen anzueignen? Muss man von Gott reden, um sinnvoll vom Menschen reden zu können? Wie erklärt sich die neue konfliktreiche Vielfalt ganz unterschiedlicher Götter, aber auch moralisierender Wertegötzen?

Friedrich Wilhelm Graf, 1948 in Wuppertal geboren, hat Evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte studiert. Seit 1999 ist Graf Ordinarius für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München. Zuvor lehrte er an verschiedenen deutschen Universitäten Systematische Theologie und Ethik und war Gastprofessor in Tokyo und Pretoria. Graf ist als erster Theologe mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet worden.

Ganz in der Tradition eines „public intellectual“ begann Friedrich Wilhelm Graf schon früh, für Feuilletons in Frankfurt, München und Zürich zu schreiben. Mit seinem vielbeachteten Buch „Die Wiederkehr der Götter“ hat er einen der Klassiker des neuen Religionsdiskurses vorgelegt. Auch Grafs Essay „Moses Vermächtnis. Über göttliche und menschliche Gesetze“ erreichte in wenigen Wochen mehrere Auflagen. Sein derzeitiger Arbeitsschwerpunkt liegt in der Erforschung religiöser Wandlungsprozesse der Gegenwartsmoderne sowie in der Analyse all jener normativen Konflikte, die sich mit der Konkurrenz der Religionen im Horizont der medialen Globalisierung verbinden.

Vorlesung I – Du sollst dir kein Bildnis machen
Montag, 28. April 2008

In den religiösen Traditionen der Menschheit war immer viel von Frieden, Heil und Erlösung die Rede. Religionen haben aber stets auch Konflikte verstärkt, gegeneinander Heilige Kriege geführt und die Begründungsmuster für blutige Konflikte geliefert. Bekanntlich tun sie dies auch heute noch. In der ersten Essener Rede über Religion und Humanismus widmet sich Friedrich Wilhelm Graf deshalb den religiösen Wandlungsprozessen in der Gegenwart. Warum wächst in vielen Teilen der Welt religiöse Verschiedenheit? Warum fördert Religion so oft schroffe Abgrenzung? Auch wenn es traurig klingt: Religionen sind sehr häufig partikularistische, humanismusfeindliche Kräfte. Und diese harte Wirklichkeit muss man nüchtern zur Kenntnis nehmen.

Vorlesung II – Kein Menschenbild im Mittelpunkt
Montag, 5. Mai 2008

In Religionen werden Bilder guten Lebens ebenso wie Deutungen radikal falscher Lebensführung transportiert und mit Gottesvorstellungen verknüpft. Ganz unterschiedliche Götter werden derzeit wieder empfohlen, Unterwerfung fordernde Kampfgötter sind darunter, aber auch weiche Kuschelgötter. Im Bilde Gottes porträtiert der Mensch allerdings immer auch sich selbst. Doch die beliebte Rede vom „Menschenbild“ ist alles andere als hilfreich. In der zweiten Essener Rede steht ein hart geführter Streit im Zentrum: der Konflikt um die Frage, wie der Mensch sich angemessen deuten soll. Die Kontroversen über den Personenbegriff werden ebenso behandelt wie aktuelle religiöse Bilderkämpfe.

Vorlesung III – Gegen die Inflation der Menschenwürde
Dienstag, 6. Mai 2008

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, lautet Artikel eins Absatz eins des Grundgesetzes. Doch ist um diese Würde bei den Rechtsgelehrten ein Streit entbrannt. Auch in den Religionen werden höchst unterschiedliche Vorstellungen von der Würde des Menschen kommuniziert. Es überrascht daher nicht, dass sich in der Öffentlichkeit längst ein inflationärer Gebrauch der Menschenwürde-Semantik beobachten lässt. Wem gar nichts mehr einfällt, der beschwört gern die Würde. Und das tut weder dem Begriff noch gar dem Menschen gut. So kritisiert Graf in seiner dritten Rede über Religion und Humanismus die inflationäre Entwertung der Würde und ruft zu einem schonenden Umgang mit diesem höchst fragilen Glaubenssymbol auf.

Ziel des von der Stiftung Mercator geförderten Projekts „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ ist es, ein Verständnis vom Menschen zu entwickeln, das alle Kulturen übergreift und zugleich die Eigenarten und Vielfalt der Kulturen zur Geltung kommen lässt.
Weitere Informationen zum Humanismus-Projekt unter http://www.kwi-humanismus.de.

Veranstaltungsort: Aalto-Theater (Foyer), Opernplatz 10, 45128 Essen
Beginn: 19:00 Uhr
Die Vortragsreihe ist öffentlich.

Hinweis für Journalisten: Am 28. April 2008 steht Friedrich Wilhelm Graf von 16.30 bis 18 Uhr
für Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung wird gebeten bei
Magdalena Schaeffer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kulturwissenschaftliches Institut (KWI)
Tel. 0201/7204 -152, magdalena.schaeffer@kwi-nrw.de.

1 Comment

  1. Please, send your 3 papers to my confidential address.
    Thank you indeed.
    M.B.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.