Evolution ist überall


Evolution ist überall
Gesammelte Kolumne „Quantensprung“ des Handelsblattes

von Prof. Axel Meyer, Ph.D., Zoologe und Evolutionsbiologe, Universität Konstanz

Mit dem Titel „Kleine Schritte für die Wissenschaft“ startete am 24. November 2005 die Quantensprung-Kolumne. Damals schon – irgendwie kommt es mir gar nicht vor, als sei es schon so lange her – habe ich versucht, Ihnen, verehrter Leser, meine Motivation als Kolumnen-Autor und meine Denkweise als Naturwissenschaftler vorzustellen. Ich freue mich, dass sich der „Quantensprung“ anscheinend einer gewissen Beliebtheit erfreut.

122 Kolumnen nach der ersten gibt es nun einen Anlass, den Begriff Quantensprung nochmals anzusprechen: Gestern vor 150 Jahren wurde der Physiker Max Planck geboren. In meiner ersten Kolumne erklärte ich, dass der auf ihn zurückgehende Begriff Quantensprung umgangssprachlich falsch benutzt wird. In der von Planck begründeten Quantenmechanik versteht man unter einem Quantensprung nicht einen großen Sprung oder Fortschritt, sondern genau das Gegenteil, die kleinste mögliche Zustandsveränderung, von einem Quantenzustand zu einem anderen.

Beispielsweise könnte man sich vorstellen, dass Elektronen von einer (imaginären) „Umlaufbahn“ um den Atomkern auf eine andere springen. Das 1900 formulierte Strahlungsgesetz mit dem „Planckschen Wirkungsquantum“ als Naturkonstante markiert den Anfang der Quantenphysik: Demnach kann jede elektromagnetische Strahlung nur in diskreten „Paketen“ (Quanten) vorkommen. Fünf Jahre später verstand Einstein, was das wirklich bedeutete: nämlich, dass nach der Lichtquantenhypothese die Energie des Lichtes weniger mit dessen Intensität zu tun hat als mit seiner Frequenz. Dies war das Ende der klassischen Physik.

Prof. Dr. Axel Meyer (Foto: Frank van Bebber)

Das Ende meiner Kolumne ist dagegen noch lange nicht in Sicht, denn mir macht diese zusätzliche Aufgabe immer noch viel Spaß. Mein täglicher Job besteht darin, ein Labor zu leiten und meinen professoralen Pflichten nachzukommen. Und es ist wirklich nicht so, dass ich damit nicht genug zu tun hätte. Dennoch ist mir die Vermittlung von Einblicken in die Welt und das Weltbild eines Naturwissenschaftlers ein Bedürfnis. Die Themen gehen mir jedenfalls nicht aus. Allerdings bin ich offenbar sehr gealtert in diesen letzten beiden Jahren – wie auf dem hier gezeigten Bild sehe ich schon lange nicht mehr aus.

Gelernt habe ich als Kolumnen- Autor so einiges. Beispielsweise, dass der Anlass für einen Leserbrief fast immer negativer Natur ist. Auch bin ich mir jetzt sicher, dass eine Kolumne kein Weg zu größerer Beliebtheit ist – zumindest nicht, wenn man das Kind beim Namen nennt. Wenn ich, in eigener Sache, jetzt auch noch schamlos darauf hinweisen darf, dass die ersten 100 Kolumnen gerade in einem Buch mit dem Namen „Evolution ist überall“ erschienen sind – dann ist die Quantensprung- Kolumne Nummer 123 auch schon wieder fertig.