Intelligente Verschwörung


Charles Darwin 1854
Das Feindbild der Kreationisten: Charles Darwin. Das Foto zeigt ihn im Jahre 1854, noch ohne seinem berühmten Bart. Darwin online

Kreationistischer Dokumentarfilm in US-amerikanischen Kinos

Deutschlandfunk-Forschung

Wissenschaftstheorie. – Als „Intelligent Design“ ist einer der jüngeren Versuche bekannt, mit denen Anhänger der Schöpfungslehre ihren Glauben zur Wissenschaft erheben wollen. In der seriösen Forschungswelt wird die neokreationistische Pseudowissenschaft nicht ernst genommen, wohl aber in einem gerade in den USA angelaufenen Film. Er stellt die These auf, dass Verfechter des „Intelligent Design“ systematisch aus ihren Jobs gedrängt würden. Der Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning hat den Film gesehen und berichtet darüber im Gespräch mit Gerd Pasch.

Gerd Pasch: Ben Stein ist ein Phänomen – zumindest in den USA. Ein Hans Dampf in allen Gassen. Ein Wirtschaftswissenschaftler und Jurist, der in den Sechzigern in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung aktiv war und in den Siebzigern Reden für Präsident Nixon geschrieben hat. Danach ist er als Drehbuchautor nach Hollywood gegangen und hat außerdem eine Gameshow moderiert. Jetzt hat Ben Stein den Film „Expelled: No Intelligence Allowed“ produziert, ein Streifen, der laut New York Times ein übles Propaganda-Werk darstellt. Unser Wissenschaftsreporter in Washington hat sich den Film angesehen. Herr Reuning, worum geht es denn bei Expelled?

Arndt Reuning: Das ist ein Film, der sich selbst als Dokumentation versteht. Ben Stein macht sich da auf den Weg, führt Interviews, um zu beweisen, dass die akademische Freiheit in den USA in Gefahr sei. „Expelled“ bedeutet: „ausgegrenzt“. Dieser Film versucht glaubhaft zu machen, dass in den USA Forscher tatsächlich vom etablierten Wissenschaftsbetrieb ausgegrenzt, ausgestoßen werden,, wenn sie Zweifel äußern an der Evolutionstheorie oder wenn sie sich selbst outen als Vertreter des „Intelligent Design“. „Intelligent Design“ ist die Vorstellung, die vor allem bei evangelikalen Christen in USA sehr populär ist, dass im Laufe der Erdgeschichte immer wieder ein göttlicher Uhrmachermeister in die Entwicklung des Lebens und der Arten steuernd eingegriffen hat.

Der Film formuliert nun so eine Art Verschwörungstheorie, nach der die Forscher, welche die Vorstellungen des „Intelligent Designs“ vertreten, von Kollegen angefeindet werden, dass viele von ihnen ihre Stelle verlieren oder keine Fördergelder mehr erhalten. Ben Stein trifft zu Beginn des Filmes verschiedene Forscher, denen so etwas nach eigenen Aussagen passiert ist. Die Idee dahinter ist zu sagen: Die etablierten Evolutionsbiologen haben offenbar Angst vor „Intelligent Design“, und deshalb müssen sie nun die Wahrheit unterdrücken. Es soll also der Anschein erweckt werden, als gäbe es in der Welt der Wissenschaft eine ernstzunehmende Kontroverse um „Intelligent Design“. Diese Kontroverse gibt es zwar, aber bloß in der amerikanischen Gesellschaft, wenn es zum Beispiel darum geht, ob „Intelligent Design“ in öffentlichen Schulen im Fach Biologie unterrichtet werden soll. Die Evolutionsbiologen aber sind sich einig, dass „Intelligent Design“ eigentlich keine Wissenschaft ist.

Pasch: Welche Mittel verwendet der Film, um diese These zu transportieren?

Reuning: Ach, an sich ist der Film sehr professionell gemacht, ein wenig im Stil von Michael Moore. Teilweise werden die Interviewpartner mit einer Handkamera aufgenommen, die sich bewegt, die ein bisschen wackelt. Man sieht, der Film appelliert sehr stark an Emotionen. Er bringt nicht so sehr viele Argumente. Der Film „Expelled“ vereinfacht sehr stark, er versucht zum Beispiel die Gleichung aufzustellen: Evolutionstheorie ist gleichbedeutend mit Atheismus. Die atheistischen, die sogenannten darwinistischen Wissenschaftler bedrohen die akademische Freiheit. Ben Stein konstruiert da zum Beispiel auch einen Zusammenhang zwischen Charles Darwin und Adolf Hitler. Die Evolutionstheorie als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Naziherrschaft. Das versucht der Film zu belegen wieder auch mit historischem Filmmaterial aus der Zeit des Dritten Reichs und mit gekürzten Zitaten aus den Werken von Charles Darwin. Das Fazit der New York Times zu diesem Film „Expelled“: „Ein gewissenloses Stück Propaganda, das gläubige und ungläubige Menschen gleichermaßen beleidigt.“

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