Raus aus dem Dschungel, Gringos!


©AP (Alberto Cesar)

Die Regierung will die zahllosen teils obskuren NGOs strenger kontrollieren, die in der Amazonasregion aktiv sind.
CARL D. GOERDELER (Die Presse)

RIO DE JANEIRO. Brasiliens Regierung will im Regenwald „aufräumen: Bald soll ein Gesetz vor den Kongress kommen, das den Aufenthalt von Ausländern in Amazonien erschwert und die Tätigkeit nationaler und internationaler Hilfsorganisationen strenger Kontrolle unterwirft. Es dürfte Zustimmung finden, denn in Brasilien ist das Gefühl verbreitet, dass vor allem fremde Missionare, Entwicklungshelfer und andere „Experten“ im Dschungel ihr eigenes Süppchen kochen: Vor allem, dass diese „Gringos“ die Indios aufwiegeln, und dass Amazonien am Ende „internationalisiert“ werden könnte.

Seltsame Christen-Missionare

Was diese NGOs eigentlich tun, weiß kaum jemand. In Brasilien soll es 500.000 „Bürgerinitiativen“ geben – darunter sind sicher Tausende, die nur verkappte Lobby-Klubs sind. Wer kontrolliert schon die Legitimität all dieser Gruppen und Grüppchen? Die NGO-Industrie treibt in der Tat in Amazonien bizarre Blüten, etwa, wenn dort obskure Missionsgesellschaften aus Nordamerika den knapp beschürzten Kindern Gottes erst einmal Scham einimpfen, um sie von der Sünde erlösen zu können.

Die Absicht der Bundesregierung, darüber zu wachen, wer sich in Amazonien herumtreibt, ist gerechtfertigt. Sie wäre es aber noch mehr, würden sie und die Regierungen der Amazonas-Bundesstaaten eine anständige Integrationspolitik für die Indios und echten Umweltschutz betreiben.

Den Stein ins Rollen brachte jüngst General Augusto Pereira, Militärchef Amazoniens: Er geißelte die Indio-Politik der Regierung als „Chaos“, da sie dem bunten Ausländerhaufen in Amazonien freie Hand ließe, mit den Ureinwohnern nach Lust und Laune zu verfahren. Man drohe die Kontrolle über das Land zu verlieren.

Diese Töne sind nicht neu: Oft zitieren Nationalisten ausländische Stimmen, die angeblich fordern, Amazonien unter internationale Kuratel zu stellen, da Brasilien es nicht schaffe, den für das Klima wichtigen Regenwald zu schützen.