Somalia – abseits vom mainstream


Seit 17 Jahren herrscht in Somalia Bürgerkrieg. Eine Million Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land.

Amnesty-Bericht über Menschenrechtsverletzungen in Somalia
Nach 17 Jahren Bürgerkrieg in Somalia steht die Zivilbevölkerung schutzlos zwischen den Konfliktparteien, heißt es in einem Bericht von amnesty international. Die Menschenrechts – Organisation spricht von Mord, Vergewaltigung und Folter und wirft allen Kriegsparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Von der somalischen und der äthiopischen Regierung fordert amnesty eine Untersuchung der Vorfälle.

Von Wim Dohrenbusch, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Die humanitäre Krise in Somalia hat sich laut amnesty international dramatisch zugespitzt. Menschenrechtsverletzungen würden von allen Kriegsparteien begangen, heißt es in dem im kenianischen Nairobi vorgelegten Bericht.

Die Vorwürfe richten sich gegen die somalische Übergangsregierung und ihre äthiopischen Verbündeten sowie an die islamistischen Aufständischen und andere bewaffnete Gruppen. „Die somalische Bevölkerung ist Opfer von Mord, Vergewaltigung und Folter“, beklagt Michelle Kagari, die stellvertretende Afrika-Direktorin von amnesty. Systematische Plünderungen und die Zerstörung ganzer Wohngebiete seien an der Tagesordnung.

Zivilbevölkerung steht zwischen den Konfliktparteien

Besonders die äthiopischen Besatzungstruppen würden Bewohnern der Hauptstadt Mogadischu bei Razzien Zungen abschneiden. Unter den Soldaten würde das als „Ziegenschlachten“ bezeichnet, da die Opfer anschließend verbluteten. In einem anderen Fall sei ein siebzehnjähriges Mädchen vergewaltigt worden. Als zwei jüngere Brüder ihre Schwester verteidigen wollten, hätten die Soldaten ihnen die Augen ausgestochen, heißt es in dem amnesty-Bericht.

Die Zivilbevölkerung stehe schutzlos zwischen den Konfliktparteien, erklärt Kagari: „Nach Aussagen der Opfer führen vor allem die Äthiopier Vergeltungsaktionen unter der Bevölkerung durch, wenn sie zuvor von irgendwelchen Milizen angegriffen wurden.“

amnesty international will den Bericht der somalischen und der äthiopischen Regierung vorlegen. Vor allem aber fordert die Organisation von der Internationale Gemeinschaft, Druck auf die Konfliktparteien auszuüben. „Das Töten muss unbedingt aufhören“, verlangt Kagari. „Dafür ist vor allem die somalische Übergangsregierung verantwortlich. Von der äthiopischen Führung fordern wir eine Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen, die ihre Truppen begangen haben.“

In Somalia herrscht seit 17 Jahren Bürgerkrieg. Allein in den letzten zwölf Monaten kamen 6.000 Zivilisten ums Leben. Eine Million Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land. Bisher sei jedoch noch nie irgend jemand wegen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen worden, beklagt amnesty international.