Die Sklaverei des Geistes


Bondage of Mind_Cover

von Tim Callahan

Die meisten von uns, die kritisches Denken gewohnt sind, sind vertraut mit dem, was wir unter dem Komplex des Fundamentalismus verstehen, der ausdrücklich den christlichen Fundamentalismus einschließt.

Die Sklaverei des Geistes beschäftigt sich speziell mit dem jüdischen Fundamentalismus. Genau wie der Protestantismus ist vor allem der evangelikale Fundamentalismus eine potente Kraft in der Christenheit. Gleiches gilt für das orthodoxe Judentum unter den heutigen Juden. Das orthodoxe Judentum beansprucht die einzig gültige Form des Judentums zu sein, ähnlich dem der Fundamentalisten unter den Christen.

Im Prozess der Evangelisierung der Juden, vor allem der jüdischen Jugend, wird auf jene verwiesen, die ihre Loyalität vom reformierten Judentum zum orthodoxen überleiteten. Der Ursprung für die Teilung des Judentums in die ideologischen Bereiche orthodox, reformiert und konservativ, liegt in der jüdischen Aufklärung des 19. Jahrhunderts. Die meisten europäischen Denker betrachteten die Juden bis zur jüdischen Aufklärung kulturell und intellektuell als hoffnungslos rückständig. Die intellektuelle Isolation der Juden resultierte aus der Trennung von der sie umgebenden christlichen Gesellschaft und der damit über Jahrhunderte verbundenen Verfolgung.

Während die europäische Gesellschaft im 17. Jahrhundert als eine teilweise Reaktion auf die schrecklichen, religiösen Kriege (vor allem des 30-jährigen Krieges) effektiv säkularisiert wurde,, verblieben die Juden weitestgehend im Mittelalter.

Die Verbreitung der demokratischen Ideologien im 19. Jahrhundert führte zu einer Ablehnung des Antisemitismus, insbesondere unter den Intellektuellen jener Zeit und zur Reduzierung der gesetzlichen Isolation der Juden. Im Ergebnis dieser Reformen reagierten die jüdischen Intellektuellen mit der jüdischen Aufklärung.

Es wurden nicht nur die in ihrer Wirkung übertriebene Bekleidung hinterfragt, sondern auch die extreme Bedeutung der Ernährungsgesetze. Die Ablehnung dieser Eigenartigkeiten war das Ergebnis, es entstanden die reformierten Juden. Reformierte Juden wurden in der sie umgebenden Gesellschaft beteiligt und integriert. Der Ursprung des jüdischen Intellektualismus und die Wirkungen der jüdischen Philosophen, Mathematiker, Wissenschaftler, Künstler, klassischer Musiker und anderer – findet sich im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert ihrer Aufklärung.

Einigen Juden ging die Reformbewegung zu weit, insbesondere der Grad der Assimilation. Sie betonten daher ihre Rückkehr zur Praxis und zur Pflege der Ernährungsvorschriften, sie studierten die hebräische Sprache, kehrten aber nicht zu den Eigentümlichkeiten der Bekleidung zurück. Aus ihnen entwickelten sich die konservativen Juden. Wir dürfen diese Bewegung mit der katholischen Gegen-Reformation vergleichen, die eine Reaktion auf den Protestantismus darstellte.

Ein geschickter Vergleich zwischen jüdischen Fundamentalisten und amerikanischen Protestanten ist die Position der Akzeptanz einer modernen, wissenschaftlichen Sicht, vor allem der Evolutionstheorie. Über viele Jahrzehnte beteiligten sich die christlichen Fundamentalisten nicht an der allgemeinen Gemeinschaft der Protestanten und pflegten ihre Trennung von dieser. Für sie war es der Erhalt der Reinheit ihres Glaubenssystems. In den Turbulenzen der sozialen Unruhen begannen sie in den 60-ziger Jahren jedoch aktiv unter der Jugend zu missionieren. Bis 1980 wurden sie nicht nur in den verschiedenen Glaubensgemeinschaften – wie die Southern Baptists, wo die Fundamentalisten sogar liberale Kräfte von der geistigen „Führerschaft“ vertrieben haben, eine aktive Kraft, sondern auch in der Politik.
„Bondage of the Mind“ handelt von den aktiv missionierenden Rabbis , die speziell auf die Jugend der reformierten Juden abzielen. Gold konzentriert sich auf drei Bereiche, die von den Orthodoxen üblicherweise benutzt werden. In seiner Überprüfung der Gedanken, Ziele und Taktiken des wiederauflebenden jüdischen Fundamentalismus nutzt er: „On Judaism„, von Rabbi Emanuel Feldmann , „Choose Life“ von Rabbi Ezriel Tauber und „Living Up … to the Truth“ von Rabbi David Gottlieb .

In den letzten zwei Titeln sehen wir die bedingungslose Annahme der moralischen Überlegenheit durch die orthodoxen Rabbis: Wenn du meine religiöse Sicht akzeptierst und deinen Säkularismus fallen lässt, wählst du die Wahrheit und das Leben. Wenn du dem nicht zustimmst, wählst du absichtlich und offenkundig die Lüge und den Tod. Wie im christlichen Fundamentalismus zielen die orthodoxen Missionare auf die Jugend unter den säkularen und reformierten Juden.

Bart Ehrmann spricht in seinem Buch „Misquoting Jesus“ über seine eigene Verwicklung in der evangelikalen Christenheit als Teenager. Er betont, dass die Missionierung der Jugend durch den protestantischen Fundamentalismus die Unsicherheiten und Ungewissheiten dieser Altersgruppe besonders ausnutzt. Die Orthodoxen tun dasselbe. Die Person, welche nach den Kandidaten für eine Bekehrung fischt, erscheint sehr positiv und sehr sicher in ihrem Auftreten. Sie wirkt in väterlichen Wohlwollen auf den potentiellen Konvertiten ein und siehe da, sie scheint etwas vom jugendlichen Denken zu verstehen. „Du bist verwirrt, nicht wahr?“ Der Jugendlich denkt, „Wie kann er das wissen?“ Ehrmann betont, dass er natürlich verwirrt war, schließlich war er noch ein Teenager.

Am Anfang seines Buches stellt Gold eine Reihe von einzelnen Kapiteln mit Details aus dem Alten Testament und deren Scheitern in der Praxis dar, die von den Orthodoxen jedoch als das Wort Gottes dargestellt werden, das den Schriften der Menschen gerecht wird. Der Anspruch, eine Paßfähigkeit zwischen der Bibel und der Archäologie zu erlangen, scheitert schon im Ansatz. Zahllose Versuche diesbezüglich verliefen ergebnislos. Es gibt jedoch eine Reihe von Archäologen der Bibel, die aus ihrer Verpflichtung heraus Indizien und Beweise finden wollen, mit denen sich eine große Zahl von Hebräern in der späten Bronzezeit Ägyptens(z.B. ägyptische Gefangenschaft) belegen lassen. Genauso suchen sie Beweise über den Exodus oder die Erorberung von Kanaan und das vereinigte Königreich unter David und Salomon .

Während die Bibel behauptet, dass die Armee Sennacheribs, König von Assyrien, in der Zeit der Belagerung Jerusalems wunderbarer Weise von den Engeln des Herrn in einer einzigen Nacht vernichtet wurde und König Hezekiah über die Assyrer triumphierte (2 Könige 19:35-37); liefern die Geschichte und die Archäologie eine andere Version des Ereignisses. König Sennacherib plünderte und verwüstete jede Stadt in Judäa außer Jerusalem, Hezekiah bezahlte einen riesigen Tribut an die Assyrer, bevor sich diese in Jerusalem und seiner Umgebung festsetzten. Detaiillert zeigt Gold die Fehler der biblischen Behauptungen über die göttliche Vergeltung und das Scheitern der biblischen Prophezeiungen.

Ein spektakuläres Beispiel, wie die Guten bestraft werden, die Schlechten und Bösen jedoch so davon kommen, finden wir am Ende des zweiten Buches der Könige. Manasse, der schlechte König von Judäa, der andere Götter anbetet, Wahrsager und Zauberer befragt, erfreute sich einer langen und friedvollen Herrschaft (692-639 v.u.Z, 53 Jahre), während König Josiah, der Größte unter den jüdischen Reformern im Kampf fiel, gerade 37 Jahre alt. Bei seiner Thronbesteigung war er 8 Jahre alt. Er regierte von 638-609 v.u.Z, also insgesamt 29 Jahre, viele Jahre davon war er minderjährig. Warum also gedieh der böse Könige Manasse in aller Herrlichkeit, während der gute König Josiah in der Blüte seines Lebens sterben musste? Die Bibel erklärt dass in dieser Art: (2 Könige 23:25-26)

Und vor ihm ist seinesgleichen kein König gewesen, der zur Jahwe umgekehrt wäre mit seinem ganzen Herzen, und mit seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Kraft, nach den Gesetzen Moses; und nach ihm ist seinesgleichen nicht auferstanden.
Doch kehrte Jahwe nicht um vor der großen Glut seines Zornes, womit sein Zorn wider Judäa entbrannt war, wegen all der Reizungen, mit welchen Manasse ihn gereizt hatte
.

So ist es also. Entsprechend der Bibel tötet Gott die Guten für die Sünden der Bösen und bestraft die Menschen für die Fehler ihrer Könige. Das erinnert mich an eine alte Varité-Nummer: „Der Akt vor mir war so schlecht, dass das Publikum immer noch buhte, als ich die Bühne verließ“. Sowohl die christlichen, als auch die jüdischen Apologeten haben mit dem eben Zitierten gerungen. Oft in den bizarren Verschachtelungen ihrer Logik schwelgend, erklären sie uns, warum es wirklich Sinn macht, dass Gott gut ist, obwohl er Josiah tötete, während er Manasse nicht bestrafte.

Als nächstes bringt uns Gold das Dogma des einzigartigen Überlebens des jüdischen Volkes nahe. Das ist eins ihrer Hauptargumente, Gottes auserwähltes Volk zu sein. Die Argumentation folgt diesem Weg: Kein Volk der Geschichte hat einen Leidensweg zurücklegen müssen, wie es den Juden widerfahren ist. Bei allem was Recht ist, das jüdische Volk könnte heute ausgestorben sein. Bis heute haben sie nicht nur wunderbarerweise den Holocaust überlebt, sondern sind auch gegen alle Wahrscheinlichkeiten nach Israel zurückgekehrt und haben ihre uralte Nation wiederhergestellt. Gold betont, dass die Juden nicht das einzige Volk mit einem antiken Stammbaum sind, welches bis in die moderne Zeit überlebt hat. Das Überleben des jüdischen Volkes ist nicht das einzigartige Phänomen, welches die Orthodoxen für sich beanspruchen. So existieren die Basken zum Beispiel wesentlich länger als die Juden. Fakt ist, die Anwesenheit der Basken in den Pyrenäen geht den Geschichtsaufzeichnungen zeitlich voraus. Auf der Grundlage der jüngsten genetischen Untersuchungen ist feststellbar, dass sie über 40.000 Jahre in ihrem angestammten Gebiet siedeln. Das ist zehnmal mehr als die Dauer der identifizierbaren jüdischen Kultur. In dieser Zeit überstanden sie die Gewalt der Karthager, Römer, Mauren , Franken und Nazis. Anhand dieses Beispiels und anderer detaillierter Argumente betont Gold, das Überleben der Juden im Angesicht der Diaspora und der Pogrome ist bemerkenswert, aber es ist ohne göttliches Eingreifen erklärbar.

All das führt uns hin zum Kapitel 10, „Der Irrtum einer überlegenen, fundamentalistischen Moral.“ In vielerlei Hinsicht könnte man denken, dass dieses Kapitel der große Höhepunkt des Buches ist. Ich nenne es das Mörder-Kapitel des Buches, und ein wenig Mörderhaftes haben die 44 Seiten, die man durchstehen muss, an sich, aber die Mühe ist es Wert. Am Anfang des Kapitels zitiert Gold zahlreiche Passagen aus Rabbi Feldmanns „On Judaism„, das unsere heutige Gesellschaft angreift, sie als tiefgreifend materialistisch, miserabel, hedonistisch und ohne Bedeutung charakterisiert. Nur durch Rückkehr zu den felsenfesten Werten der Orthodoxie können junge Juden ihren Weg aus dem säkularen Morast herausfinden. Gold betont, dass Feldmann darauf achtet emotional geladene Wörter zu verwenden, um seine Kritik auf alle Teile der Gesellschaft anwenden zu können, die nicht Bestandteil des orthodoxen Judentums sind. Er legt haargenau die orthodoxe Strategie fest und seine logischen Fehler sind sehr hübsch auf Seite 128 des Buches zu lesen. Was Feldmann und Gottlieb tun ist ganz offensichtlich. Sie versuchen das Allgemeine ganz groß zu schreiben, undeutlicher Glaube führt zum Verlust der religiösen Standards, das wiederum führt unvermeidlich zum Verlust des moralischen Standards. In dieser Taktik stecken zwei ernsthafte Fehler. Erstens, ein starkes Argument und ich benutze es, strikte religiöse Standards führen sehr oft zu Praktiken, die vielen von uns unmoralisch erscheinen. ich verweise nicht auf fromme Gläubige die auf Abwege geraten sind. Ich spreche über den Glauben und seine Praktiken die in den religiösen Doktrinen selbst eingebettet sind.

Nachdem betont wurde, dass die westliche Gesellschaft, trotz ihrer Probleme immer noch die ist, in welcher sich Männer und Frauen der größten persönlichen Freiheit erfreuen können, wendet Gold die Aufmerksamkeit auf die Problematik des Ersatzes der säkularen Freiheit durch die Werte des orthodoxen Judentums. Das Oberste Gericht Israels bestimmte im Jahr 2001, dass israelische Bürger die zum Judentum durch nicht-orthodoxe Rabbis konvertiert sind, als anerkannte Juden gelten. Diese Entscheidung muss hart gewesen sein. Für die Orthodoxen ist diese Entscheidung skandalös und disaströs.

Danach kommt Gold zur Stellung der Frau im orthodoxen Judentum. Die Frauen sind nicht nur von der Teilnahme an den Gottesdiensten ausgeschlossen, im religiösen Kontext werden sie schlichtweg als nicht-menschliche Wesen behandelt. Gold berichtet über die Art und Weise eines Interviews, welches Rabbi Menacham Mendel Taub im Jahr 2000 der Journalistin Deborah Sontag gewährte. Fragen und Antworten wurden durch einen Sekretär übermittelt, da der Rabbi keine Fragen von einer Frau entgegennehmen wollte. Assistenten stellten eine Sichtblende zwischen Sontag und den Rabbi, so dass er sie nicht sehen musste. Orthodoxe Männer danken jeden Morgen Gott in einem Gebet, dass er sie nicht zur Frau werden lassen hat. Eine der großen Reformen der jüdischen Aufklärung war die Tatsache, Frauen ein Recht auf Bildung zu zugestehen.

Gold betont, dass die orthodoxen Rabbis noch nicht einmal aus Versehen Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen haben, nicht gegenüber den Menschen und schon gar nicht der Regierung gegenüber. Erinnern wir uns daran was Rabbi Ovadia Yosef, der geistige Führer der Shas-Partei in Israel über den Bildungsminister Yossi Sarid zu sagen hatte. Sarid hatte mehr Übersicht und Kontrolle über die Shas-Schulen verlangt, insbesondere über etwas, was man höflich ausgedrückt, Unregelmäßigkeiten nennen könnte. Darüber hinaus resultiert die Verärgerung Yosefs aus der Tatsache heraus, dass der politische Führer der Shas-Partei, Aryeh Deri, wegen Hehlerei und Korruption verurteilt wurde. In einer Synagoge in Jerusalem nannte der Rabbi Sarid „einen Satan“ und sagte anschließend, dass Gott Amalek ausrottete, vielleicht würde er ja mit Sarid ähnlich verfahren. So wie er uns gezeigt hat, in dem er Haman tötete und die Rache vollzogen wurde, so wird die Rache auch an Sarid vollstreckt werden. „Verflucht sei Haman. Verflucht sei Sarid“. Kurz nach diesem Vorfall erfolgte die Ermordung Yitzak Rabbins durch einen bekannten orthodoxen Juden. Der Generalstaatsanwalt von Israel hatte alles vorbereitet, um Yosef wegen Anstiftung zur Gewalt anzuklagen. Auf Grund der enormen politischen und religiösen Macht des Rabbis kam es jedoch nicht dazu. Im Buch werden weitere Beispiele starker, religiöser Raserei aufgezeigt. Gold macht einen exzellenten Vergleich der Rabbis mit den muslimischen Theokraten. Beiden Gruppen ist eine implizite, manchmal auch explizite Feindschaft in Richtung Demokratie zu eigen. Wenn jemand behauptet, dass Israel sich in eine Theokratie verwandeln könnte, ähnlich der im Iran unter Ayatollah Khomenei, braucht er sich nicht all zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Auf die oben genannte Anklageerhebung gegen Aryeh Deri, wegen Hehlerei und Korruption verweisend, beschreibt Gold nun, wie dieser langwierige Prozess mit vielen Einsprüchen, von überzeugten, orthodoxen Juden begleitet wurde. „Das Märtyrium in der Hand der säkularen Elite. „Offensichtlich ist die viel gepriesene überlegene Moral der Orthodoxen nur eine Frage der entsprechenden Definition. Ein solche Erklärung ist auf anderem Wege in die Verurteilung von Jack Abramoff, wegen Steuerhinterziehung und Betruges eingeflossen(Seite 159ff.). Eine faszinierende Frage ist, wie Abramoff und seine vier chassidischen Gefolgsleute für ihre konspirative Steuerhinterziehung verurteilt wurden, während andere fortfuhren, die gleichen Mittel und Wege zu benutzen, dieselben Ziele und Zwecke verfolgten, dabei aber brave, orthodoxe Juden waren, die den Shabbat einhielten, sich koscher ernährten, die vorgeschriebenen Gebete vollzogen und alles taten, um ihren orthodoxen Glauben zu leben und auf der anderen Seite ein unmoralisches und kriminelles Verhalten zeigten. Die orthodoxe Antwort? „Solche Personen sind per definitionem einfach keine religiösen Personen“, so Emanuel Feldmann. Ist das nicht der alte, rhetorische Trick, die Wahrheit zu definieren, wie wir schon vorher gesehen haben? So, im Falle Aryeh Deris, er ist eine religiöse Person, die nicht schuldig sein kann, für was sie schuldig ist und im Falle Jack Abramoffs, da er schuldig ist, kann er keine religiöse Person gewesen sein. Das ist eine klassische nichtfalsifizierbare Position. Nichtfalsifizierbare Positionen sind im Rahmen der Wissenschaften irrational und unehrlich. Ethische Angelegenheiten betreffend sind sie völlig verwerflich.

Gold führt noch andere Beispiele verwerflichen Verhaltens als Bestandteil der Orthodoxie an. Insbesondere die Tatsache, wie orthodoxe Autoritäten Rabbis schützen, bei denen sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen bekannt wurde, bis hin zur Strafvereitelung. Dafür, dass die römisch-katholischen Autoritäten in ähnlicher Weise pädophile Priester respektierten, sehen wir dieses Problem als endemisch an. Religiöse, autoritäre Strukturen begünstigen unmoralisches, unethisches Verhalten bei einem Teil ihrer Funktionäre. Das ist natürlich nicht nur ein Problem religiöser Machtstrukturen allein. Zu tage tritt, wie immer, dass alle Machtstrukturen Kontrolle benötigen, dass sie für ihr Tun gegenüber den Menschen, verantwortlich sind. Das Problem mit den religiösen Machtstrukturen ist oftmals und im besonderen vor allem wahr. Wenn man bedenkt, was Gott durch den jüdisch-orthodoxen Glauben zu sagen hat, so verweigern sich die orthodoxen Autoritäten, oftmals mit Selbstgerechtigkeit, jedweder Kontrolle von Außen. Diese Strukturen sind nicht durchschaubar. Das hebt den totalen Bankrott der moralischen Überlegenheit des orthodoxen Judentums hervor.

Das Buch ist sorgfältig recherchiert, gut geschrieben und leicht lesbar. Bondage of the Mind ist R.D. Golds erstes Buch, ein viel versprechender Anfang.