Zu gut fürs Max-Planck-Institut?


Einstein und seine Zunge
Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Tübingen, Magnetresonanzzentrum(MTRZ)

Prof. Axel Meyer,Ph.D., Evolutionsbiologe Universität Konstanz
Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beruft ihre Direktoren nach dem sogenannten Harnack- Prinzip. Die Gründung von Instituten oder die Nachberufung von Direktoren orientiert sich nicht an einer Forschungsrichtung, sondern ausschließlich an der Exzellenz eines Forschers. Das ist zumindest der Anspruch der MPG.
Außergewöhnlichen Talenten sollen bei der MPG die besten Forschungsmöglichkeiten der Welt geboten werden. Das Budget eines MPG-Direktors liegt bei fast sechs Millionen Euro pro Jahr. Selbstverständlich werden bei den Berufungen bei aller Umsicht auch Fehler gemacht. Manchmal sind die Direktoren nicht so gut wie erwartet, manchmal sind sie sich selbst vielleicht sogar zu gut für die MPG. Ein besonders eklatanter Fall von Geldverschwendung passierte in Tübingen. Dort wurde 2003 ein Forscher aus den USA berufen. Ein Superstar, der heute über 400 Publikationen vorweist, die fast 15 000-mal zitiert wurden. Er wurde im fortgeschrittenen Alter von 54 Jahren berufen.
An deutschen Universitäten dürfen wegen der hohen Investitionen und Pensionen meist keine Professoren über 52 Jahre mehr berufen werden, doch am Tübinger MPI ging man das Risiko ein. Die Erstausstattung des Labors kostete unglaubliche 39 Millionen (!) Euro. Der Forscher war auch weiterhin erfolgreich, allerdings publizierte erseit 2003 auch nicht häufiger als in den Jahren, in denen er in den USA war und noch keine teure MPG-Ausstattung hatte.
Doch der eigentliche Skandal liegt woanders: Der Herr hat seinen Posten in den USA nie aufgegeben. Obwohl er alle Vorzüge eines Max- Planck-Direktors genoss, schien es ihm in Tübingen nicht so gut zu gefallen. Ja, er schien in den fünf Jahren kaum dort gewesen zu sein. Nur etwa fünf seiner etwa 100 Publikationen aus der „Tübinger Zeit“ (die unlängst endete) nennen das Max- Planck-Institut in Tübingen! Und zwar immer nur als Zweitadresse nach seinem Posten in den USA. Was aus Sicht des Steuerzahlers noch bitterer sein dürfte: Die Tübinger Publikationen waren wohl nicht einmal der wissenschaftliche Hit. Sie wurden bisher insgesamt in nur 15 anderen Publikationen zitiert. Sie kosteten also mehrere Millionen Euro pro Zitat – das ist wohl wirklich Weltspitze. Hoffentlich kriegt er nicht auch noch eine Pension.

1 Comment

  1. Ein interessanter Beitrag von Dr. Meyer der zeigt, dass man auch vor lauter „Spitzenforschung“ und jagt nach den grossen Wissenschaftlern genau darauf schauen sollte was abläuft. Mir ist diese zweit und dritttätigkeitssache eh ungeheuer.

    Mir drängt sich bei solchen Tausensassern der Eindruck auf, dass hier jemand Lorbeeren auf Kosten seiner wissenschaftluchen Mitarbeiter macht. Das sicher nicht die wissenschaftliche Welt die ich mir wünsche….

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