Mensch-Tier-Kreuzung für Forschung erlaubt


Entnahme von Erbgut aus einer Stammzelle
Foto: dpa

Um Krankheiten zu heilen, ist es in Großbritannien möglich, menschliches und tierisches Erbgut zu mischen. Kritiker sprechen von «monströsen Auswüchsen» der Stammzellenforschung.
In Großbritannien können Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren für die Forschung geschaffen werden. Das Unterhaus in London stimmte am Montagabend mit 336 zu 176 Stimmen gegen einen Antrag, generell die Produktion von solchen Chimären zu verbieten, wie der britische Sender BBC berichtete.
Dem Votum war eine heftige Kontroverse vorausgegangen. Kritiker sprachen von «monströsen» Auswüchsen der Stammzellenforschung und einem Herumpfuschen an der Natur. Befürworter hoffen, damit Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson besser behandeln und vielfach Leben retten zu können. (dpa)

Wikipedia: Unter Chimäre versteht man definitionsgemäß einen Organismus, dessen Zellen sich von mindestens zwei genetisch verschiedenen Zygotenlinien herleiten. Im Gegensatz hierzu gehen mitotische Mosaike auf nur eine Zygotenlinie zurück.[1] Beim Menschen besteht der Verdacht auf Chimärismus immer dann, wenn die Chromosomenanalyse das Vorhandensein einer normalen männlichen und einer normalen weiblichen Stammlinie ergeben hat, was bisher etwa 20 mal beschrieben wurde.[2] Eine postzygotische Entstehung infolge mehrmaligem non-disjunction der Geschlechtschromosomen konnte in ungefähr der Hälfte der Fälle durch den Nachweis genetisch verschiedener Zellinien in bezug auf bestimmte Blutgruppen– und serologische Merkmale ausgeschlossen werden. Inzwischen besteht die Möglichkeit, auch durch zytogenetische Untersuchungen den Nachweis unterschiedlicher Herkunft zu erbringen, seitdem beim Menschen mit Hilfe der Fluoreszenzmikroskopie und der Giemsa-Bandentechnik zahlreiche chromosomale Polymorphismen festgestellt wurden.[3]

Ebenso werden durch die Verschmelzung von Embryonen erzeugte Individuen als Chimären bezeichnet (genetischer Chimärismus). Technisch gut etabliert ist hierbei die Erzeugung von Chimären aus verschiedenen Inzuchtstämmen (Rassen) von Labormäusen mit jeweils unterschiedlicher Fellfarbe, die dann zum Beispiel an einem schwarz-weiß gefleckten Fell erkenntlich sind. Aufsehen erregte unter anderem eine Forschergruppe, die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Fusion eines Schafembryos mit einem Ziegenembryo eine Schiege erschuf.

  1. Ford, 1969
  2. Zusammenstellung bei Jackson, 1970; Hamerton, 1971
  3. Craig-Holmes u. Shaw, 1971; Evans et al., 1971

3 Comments

  1. Die Frage ist immer wieder, ob man einen Haufen gleicher Zellen ohne Hirn schützt, aus dem sich ein Mensch entwickeln kann (Stammzellen).

    Ist man hier bereits der Auffasssung, dass dies nicht der Fall ist, ist ansich die Verwendung von Mischstammzellen unproblematisch, so lange gewährleistet ist, dass sich dies nicht weiter entwickelt. In dem Fall könnten nämlich tatsächlich unauflösbare Probleme entstehen, so dass mich interessieren würde, welche Maßnahmen hier ergriffen wurden.

    Gerade die Katholiken könnten jetzt auf die Idee kommen, dass eine solche Chimäre nicht getötet werden dürfe. Immerhin wäre es wohl theoretisch denkbar, dass zwei Chimären wieder einen Menschen zeugen (die Biologen mögen mich korrigieren).

    Mensch-Schwein-Mischungen gab es ja bereits:
    http://science.orf.at/science/news/101278

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  2. Warum sollte der leichte Weg misstrauisch machen?

    Wenn eine Methode derzeit ausgereifter, billiger und verfügbarer ist als eine andere, warum sie dann nicht nutzen?

    Die gezüchteten Embryos sind genetisch gesehen 99,99% menschlich, nur die Eihülle wird Kühen entnommen. Darin sollten keine Genreste verblieben sein, und wenn sie es sind so kommt es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht zur Exprimierung.
    Ansonsten wären die gewonnenen Stammzellen auch nutzlos, will man doch menschliche Zellen zu Therapiezwecken gewinnen.

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  3. „In Großbritannien können Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren für die Forschung geschaffen werden.“ – der leichte Weg sollte misstrauisch machen, besonders wenn es Alternativen gibt. Der Preis für so etwas kann mindestens ein fehlender Konsens in der Gesellschaft sein. Sobald derartige Forschung Ergebnisse zeitigt die für alle nutzbar würden, kann soetwas in der Zukunft tiefe Gräben öffnen. Kontroverser noch erscheinen mir „Helfergeschwister“, die wohl ebenfalls Bestandteil des Votums sind.

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