Auf Haeckels Spuren


Dr. Uwe Hoßfeld (r.) und Dr. Lennart Olsson. (Foto: Scheere)

Jenaer Evolutionsforscher wollen Biologielehrer für Fach Evo-Devo rüsten
Jena (OTZ/Richter).
Zwischen einer Taufliege und einem Menschen gibt es wahrlich mehr als einen Unterschied. Und dennoch verfügen beide Lebewesen über eine nahezu identische Ausstattung mit Genen. Warum jedoch aus einer befruchteten Eizelle eine Taufliege, aus einer anderen aber ein Mensch entsteht, diese Frage treibt auch Dr. Uwe Hoßfeld und Dr. Lennart Olsson in Jena um.

Mit einem neuen Forschungsprojekt an der Friedrich-Schiller-Universität begeben sich der Privatdozent Hoßfeld und der Professor Olsson dafür unter anderem auf die Spuren von Ernst Haeckel und seiner Forschungstradition. Im Jahr 1872 formulierte Ernst Haeckel (1834-1919) die „Biogenetische Grundregel , wonach jedes Individuum als Embryo die Stadien der gesamten Stammesentwicklung durchläuft. Um seine Theorie zu untermauern, illustrierte er die Veröffentlichungen mit Zeichnungen von Embryonen, die – obgleich von Huhn, Hund und Mensch stammend – verblüffende Ähnlichkeiten aufwiesen.

Einige der Darstellungen waren stark schematisiert, um die Aussagen zu unterstreichen, andere wurden von ihm selbst ergänzt. Dabei versäumte er eine exakte Kennzeichnung, was ihm von seinen Gegnern den Vorwurf der Fälschung wissenschaftlicher Ergebnisse einbrachte.

Die „Biogenetische Grundregel“ Haeckels dient den beiden Jenaer Forschern als Ausgangspunkt für ihr Vorhaben, bei dem sie der Geschichte der Evolutionären Entwicklungsbiologie nachgehen werden.

Erst seit Anfang der 90er Jahre hat sich dieses, Evo-Devo (von evolution-developement) genannte Wissenschaftsfach etabliert. Auch an der Universität Jena wird es gelehrt.

„Aktuelle Fragen über Stammzellen, Gentechnik, aber auch ethische Aspekte beschäftigen sich alle mit diesen Theorien. Dennoch fehlt dieses Fach bislang in den Lehrbüchern der Schule“, weiß Hoßfeld. Diesen Zustand möchten die beiden Wissenschaftler unter anderem ändern.

In ihrem Projekt wollen sie verschiedene Theorien vergleichen, die Antworten auf die Fragen suchten, woher eine befruchtete Eizelle die Information bekommt, dass sie zum Beispiel Augen, Nase und Ohren bilden muss. Dafür untersuchen sie Konzepte und Methoden von Evolutionstheoretikern aus Skandinavien und Russland wie zum Beispiel die des Zoologen Aleksej N. Severcov. „Wir analysieren dann, wer was gemacht hat und wo es Schwierigkeiten gab. Anhand dieser Betrachtungen schauen wir dann, wie das Fach in der Zukunft in Schulen und an Universitäten umgesetzt werden kann“, erklären Hoßfeld und Olsson ihr Vorgehen.

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