Gegen Konkordats-Lehrstühle an Universitäten


An der Uni Erlangen-Nürnberg läuft derzeit ein Berufungsverfahren für einen sogenannten Konkordats-Lehrstuhl. Diese dürfen nur mit Zustimmung der katholischen Kirche besetzt werden. Sieben nicht-katholische Professoren erklären das Verfahren als verfassungswidrig und gehen vor Gericht.Bayrischer Rundfunk – Studio Franken
Weil die sieben Professoren nicht katholisch sind, seien sie von vorneherein von der Bewerbung ausgeschlossen. Das verstößt ihrer Ansicht nach gegen die Bayerische Verfassung, nach der niemand wegen seiner Religion oder Weltanschauung benachteiligt werden darf. Die Professoren wollen gerichtlich klären lassen, ob das Verfahren zur Besetzung der Konkordats-Lehrstühle verfassungswidrig ist. So lange soll nach ihrem Willen der Lehrstuhl unbesetzt bleiben. Die Klage wird nach Angaben der Professoren von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Humanistischen Union und der Giordano-Bruno-Stiftung unterstützt.

Mitspracherecht der katholischen Kirche

Konkordats-Lehrstühle sind eine spezielle Einrichtung von erziehungs-, sozialwissenschaftlichen und philosophischen Fakultäten an mehreren bayerischen Hochschulen. Durch die Regelung soll die katholische Kirche vor allem bei der pädagogischen Lehre an Universitäten ein Mitspracherecht bekommen, so Philosophie-Dozent Alexander von Pechmann, einer der Kläger. Bei der aktuellen Stellenbesetzung an der Universität Erlangen-Nürnberg geht es um einen Philosophie-Lehrstuhl. Konkordats-Lehrstühle gebe es unter anderem auch an Universitäten in München, Augsburg und Passau, erklärt Pechmann. Die Kläger wollen erreichen, dass die Regelung grundsätzlich für verfassungswidrig erklärt wird.

6 Comments

  1. @Ari: Zumindest haben wir einen guten Hauch der Säkularität erreicht. In anderen Ländern wäre ein solcher Blog entweder staatlich verboten oder zumindest ungeschützt gegenüber „andersdenkende“, also (teilw. fundamentalistisch-) gläubige Mitmenschen.

    Allerdings kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass Herr Benedikt bzw. Ratzinger – oder einer seiner Untergebenen – „ein Wort mitreden“ möchte. Vorstellbar, dass das Wörtchen „Toleranz“ dann möglicherweise besonders hochgehalten wird. Über die Öffnung der Vatikan-Archive gegenüber Wissenschaftlern aus aller Welt, nicht nur einer handverlesener Schar, oder gar die freie wissenschaftliche Untersuchung der Reliquien, auf der teilw. gar abstruse Handlungen gerechtfertigt werden, wird dann kein Wort verloren. Einmischung der „Organisation Kirche“ in den Staat, der vom Volke regiert wird … Ja. Schließlich will sie ja nur unser bestes (Geld ? Macht ? Zutreffendes bitte unterstreichen).
    Einmischung der Wissenschaft, zum Wohle des Volkes, in den Angelegenheiten des Vatikans… Nein. Die Kirche ist heilig und darf nicht entweiht werden. Schon gar nicht von einem gottlosen und möglicherweise vom Teufel verführten „Atheisten“. Gott bewahre !

    Leider eine ziemlich einseitige Sicht. Aber zum Glück nur ein Gedankenspiel, denn wie wir alle wissen, hat die Kirche ihrerseits keinerlei Absichten, ihr Volk bzw. ihre Gemeinschaft mit irgendwelchen – gar unwissenschaftlichen – Gedanken in einer Richtung zu lenken, die mancher Erkenntnis gegengesetzt ist. Nein. Natürlich nicht. Unsere Kirche, die mit unserem Papst an der Spitze, will nur das beste. Und das ist eben in diesem speziellen Falle den Freibrief auf Lehrstellen, auch wenn sie ihrem Zweck (der Theologie) nicht vollständig entspricht. Ein Elektrotechniker, der sich mit Starkstromleitungen in den Häuserfassaden von Bürokomplexen auskennt würde ja auch nicht gerade traurig sein, jederzeit einen garantierten Posten in einer Chipwerkstatt zu bekommen, auch wenn der Strom, der durch einen Mikroprozessor fließt, nur sehr sehr entfernt an einer Starkstromleitung erinnert. Aber zumindest kann er seine „Stromkenntnisse“ dort einfließen lassen und mögliche Chiptechniker dazu bewegen, die Starkstromleitungen in ihren Berechnungen zu berücksichtigen. Zwar klappt ein Mikrochip ganz gut auch ohne Starkstrom, was die unzähligen „Schwachstrom“-Geräte wie Handys oder Armbanduhren beweisen, aber dank des Stromvertrages ist dies eben nicht nur erlaubt oder geduldet, sondern vertraglich geregelt. Ein Armbanduhren-Entwickler muss in seinem Betrieb einen Starkstrom-Elektriker aufnehmen. Ganz egal ob nun 1, 2 oder gar sieben Armbanduhren-Professoren an der Tür klopfen.

    Das diese „Logik“ in der heutigen Zeit, in der der Mensch theoretisch Glaubensfreiheit geniesst, keinen Platz mehr finden sollte, dürfte jeden von uns hier klar sein. Ich kann nur hoffen, dass sich intelligente Köpfe dieses Problems gerichtlich annehmen. Ansonsten dauert es nicht mehr lange, dann kommen gar die ersten Kreationisten bzw. IDler in die Schulklassen und „erhellen“ unsere Kinder mit ihrer Einsicht über die Welt und ihre Geschichte der Entstehung. An dem Tage konvertiere ich endgültig zum Jedi-Glauben und eröffne meine eigene Kirche des heiligen Lichtschwertes. Dann kann ich, beschützt vom Staat, Joda anbeten, sooft und solange ich möchte 😉

    @Nickpol: Er hätte ansonsten wohl mehr als nur seine Stimme erhoben 🙂

    PS: In der Buchliste rechts fehlt IMHO ein lustiges Werk, welches ich heute entdeckt gabe:
    Achim Szymanski: Jenseitsreisen – Wir bringen Sie über den Jordan. Ein Routeplaner für über 50 Religionen.
    Einfach nur zum schmunzeln. Musste in der Bücherei aufpassen, nicht zu laut zu lachen 🙂

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  2. Ja, was eine Schande ist und zeigt das die Trennung von Staat und Religion noch lange nicht erreicht ist. Da soll mal wieder jemadn behauptet, die Christen, gerade die katholiken hätten es in Deutschland so schwer.

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  3. Jep. Und deshalb meinte ich ja auch, dass im 21stem Jahrhundert manch einer wohl noch tief und innig vor sich hinschlummert. Mich würde es nicht wundern, wenn die sieben Professoren abgeschmettert werden, jegliche (1933 nicht dokumentierten) Studiengebühren aber als legitim angesehen wird.

    Ich wünsche mir eine Erfrischung des Konkordats. Es sollten eben wie gesagt auch andere „Glaubensgemeinschaften“ wie Scientologen und Bagwahn-Sektenanhänger mit berücksichtigt werden. Irgendwo sitzt sicherlich ein Scientologe, der über „seine“ Religion positiv schwadronieren würde. Und weshalb sollten Muslime, deren Glaube ja qualitativ nicht minderwertiger als der der Christen oder Evangelisten ist, nicht ebenfalls den einen oder anderen Passus in unserer Gesetzgebung bekommen ? Schließlich leben und werken sie alltäglich in unserem Lande und bauen aktiv an unserer Gesellschaft mit.

    Ob es dann öffentliche Interventionen geben würde ? Schließlich ist doch, soweit ich mich erinnern kann, eine „Unterdrückung“ einer Glaubensgemeinschaft laut dem Recht der Religionsfreiheit nicht gestattet. Ob man dann aus diesem Albtraum langsam aufwachen sollte ? Ich würde es mir ja nur zu gerne gerne wünschen 😉

    Doch wenn man sich die … äh… Geschwindigkeit ansieht, in der Gesetzesänderungen vollzogen werden, wird in den nächsten Jahren die Machtverhältnisse der Kirche keine Veränderung seitens des Staates erfahren. Ist ja auch bei einer (C)ristlich-(D)emokratisch geführten (U)nion nicht verwunderlich. Ob in Amerika der Präsident 25 mal pro Minute „God“ in seinem Satz einbau, oder ob unsere Kanzlerin einen Bogen um die Modernisierung eines christlich-staatlichen Vertrages macht, können wir leider Gottes nicht beeinflussen. Lasst uns beten, dass wir keine Kirchensteuer auf unsere Ökosteuern aufgebrummt bekommen, weil die Millionen (zwecks Biosprit) getöteten Rapsfelder uns ansonsten seelisch zur Last gehen würde. Vielleicht als Geister, die von unseren Autos besitz nehmen ? 😉

    Da ist es wohl das „kleinere“ Übel, wenn sieben Professoren auf ihrem Weg der Lehre behindert werden, damit *eine* Glaubensgemeinschaft ihr staatliches Recht wahrnehmen kann. Traurig für uns als modernes Exportland #1, aber leider wahr. Gott, was würde ich dafür geben, Richard Dawkins als Minister für Forschung und Lehre begrüßen zu dürfen 🙂

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  4. Merkwürdig… anstatt dass sich christliche/geistliche zusammen mit nichtgeistlichen Professoren um einen Philosophie-Lehrstuhl bewerben, soll hier die kath. Kirche einen „Freibrief“ bekommen ? Ist die katholische Kirche denn so sehr unterdrückt worden, dass sie „vor allem bei der pädagogischen Lehre“ ein Mitspracherecht nötig hat ? Insbesondere bei Fächern, die mit dem Glauben an einer Gottheit nicht unbedingt sehr viel gemeinsam hat ?

    Wer möchte, kann sich hier ebenfalls einige Zeilen dazu durchlesen. Insbesondere der Passus zum Grundgesetz gefällt mir 😉

    http://www.laizisten.de/index.php?option=com_content&task=view&id=98

    Ob mein Philosphie-Lehrer Deutscher oder Engländer ist, kann den Inhalt des Kurses nicht unbedingt beeinflussen. Auch ob der Lehrer Christ oder Atheist ist, ändert an den , schon seit Jahrtausenden diskutierten philosophischen Fragen, kaum was. Die Tatsache aber, dass eine besondere Gruppe von Menschen – anscheinend aufgrund ihrer „höheren Macht“ – das Privileg geniesst, Lehrstellen ausserhalb der theologischen Fakultät ohne Wettbewerb zu besetzen, finde ich – dezent gesagt – unoptimal. Würde mir beinahe ernsthaft ein Szenario ausdenken, in der man einer Sekte (Scientology/ZJ/Wunschsekte bitte einfügen) ebenfalls sowas zugestehen würde. Zwei Lehrstühle in der biologischen Fakultät *dürfen* nicht von Evolutionsbiologen belegt werden, weil sie schon für IDler „reserviert“ sind. Oder gar für Scientologen, nach denen irgendwer vor über 90 Millionen Jahren aus dem All vorbeikam und uns per Gentechnik erschuf.

    Willkommen im 21stem Jahrhundert. Zeit aufzuwachen 🙂

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