Notwendigkeit oder Zufall?


pondababaProf. Axel Meyer, Ph.,D., Evolutionsbiologe und Zoologe Universität Konstanz
Sie werden sich vielleicht noch an die merkwürdigen Gestalten in der Mos Eisley Cantina in der Piratenstadt auf dem Planeten Tantooine im Film „Krieg der Sterne“ erinnern. In dieser Bar fing ein Alien mit dem Namen Ponda Baba einen Streit mit Luke Skywalker an, woraufhin Obi-Wan Kenobi den Arm mit dem Lichtschwert abschlug.
Obwohl der aggressive Alien und die anderen Besucher in der intergalaktischen Bar von ganz verschiedenen Universen stammten, sahen sie doch alle ziemlich menschenähnlich aus. Sie waren etwa menschengroß und bilateralsymmetrisch – ihre linke und rechte Seite waren also gleichgebaut.
Was saht uns das darüber, wie man sich Leben in anderen Welten vorzustellen hat? Wahrscheinlich gar nichts, außer, dass schließlich Schauspieler in die Kostüme passen mussten und dass die Kostümbildner von George Lucas auch nur endlich viel Fantasie haben.
Aber der Paläontologe Simon Conway Morris, dessen Buch jetzt unter dem Titel „Jenseits des Zufalls – wir Menschen im einsamen Universum“ auf Deutsch erschien, vertritt die These, dass Lebensformen auf anderen Planeten notwendigerweise so ähnlich aussehen müssen wie die auf der Erde – ja, dass intelligente, menschenähnliche Lebensformen das unausweichliche Ziel der Evolution seien.
Er argumentiert, dass nicht alles Denkbare und Zufällige von der Evolution umgesetzt wurde, sondern dass sich Regelmäßigkeiten in der Bauweise aller Lebewesen zeigen und dass dies wahrscheinlich auf anderen Planeten mit Leben auch so wäre. Er geht sogar soweit zu sagen, dass der Mensch im Bakterium angelegt sei. Mit solchen Hypothesen lehnt er sich sehr weit aus dem Fenster; die vorherrschende Meinung lautet, dass sich die Evolution nicht wiederholt und der Zufall eine große Rolle spielt.
Man kann diese Armstuhlbiologie als intellektuelle Gymnastik abtun, aber sie beeinflusst zum Beispiel millionenschwere Forschungsprogramme der Nasa. Mit ihrem Astrobiologie-Programm hält sie, ähnlich wie Conway Morris, an dem fest, was wir als Lebensformen kennen und geht – vielleicht sogar zu Recht – davon aus, dass Wasser und Kohlenstoff notwendig sind, damit Leben überhaupt entstehen kann. Deshalb ist die Nasa so erfreut darüber, dass der „Phoenix Mars Lander“ soeben Eis auf unserem Nachbarplaneten gefunden haben soll. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dort auch Leben zu finden ist. Aber dass eso aussehen muss wie unseres, bezweifle ich sehr; dafür ist der Zufall in der Evolution zu mächtig – und Conway Morris‘ Thesen sind nur eine merkwürdig anmutende Mischung aus Teleologie und Theologie.

9 Comments

  1. Grachus hat recht. Man stelle sich mal vor, das Militärbudget würde auf die Raumfahrt umgelegt werden. Schon allein die Mittel der USA würden reichen, um den Neubau von fünf (!) Raumstationen des Typs ISS zu finanzieren – und zwar jedes Jahr fünf neue! Entwicklung, Aufbau und die ersten zehn Jahre der Nutzung pro Station sind darin bereits berücksichtigt…ist also nur eine Frage der Prioritäten.

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  2. @wortman

    Es kommt schlichtweg auf den Aufwand an den man betreiben will um schnell auf dem Mars zu sein.
    Mit aussreichend viel Geld und einer entwicklungsphase könnte der Mensch durchaus schnell auf dem Mond/Mars sein…

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  3. und bei allem wird immer vorausgesetzt, dass leben auf anderen planeten ebenso kohlenstoffeinheiten sind…

    der mensch ist nicht mal in der lage, den mond, geschweige denn den mars schnell und effizient zu erreichen, ganz zu schweigen davon, ihn zu besiedeln. aber sich anmaßen, andere (mögliche) lebensformen zu beschreiben/kategorisieren…

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  4. Das Herz ist links, die Leber rechts, und den Hirnhälften fällt – je nach Geschlecht (haha) – mehr oder weniger „Gewicht“ zu 🙂
    So wirklich symmetrisch funktionieren die Menschen (bzw. die meisten anderen Arten auf der Erde) selbst auch nicht. Eine „gewisse“ Symmetrie in Körper und Masse hat jedoch zumindest unter FAST allen Umständen, die den irdischen Bedingen entfernt ähnlich sind, deutliche Vorteile.
    Mit „entfernt“ ähnlich meine ich aber schon das Vorhandensein einer Gravitation und/oder eines Mediums (wie bspw. Wasser), in dem sich das Wesen bewegt. In beiden Fällen wären vollkommen asymmetrische Körper zwar durchaus denkbar, jedoch würden sie hinsichtlich ihrers Gleichgewichts bzw. ihrer Dynamik im klaren Nachteil gegenüber symmetrischeren „Figuren“ sein und sich demnach bzgl. des heutigen Verständnisses der Evolution SEHR glücklich schätzen müssen, dass der Zufall(?) der Evolution ihrer Welt jegliche Versuche von Symmetrie von vornherein ausgelassen zu haben scheint, bis sich Wesen mit menschenähnlich oder -übertreffenden kognitiven Fähigkeiten entwickeln konnten.
    EIn weiterer Vorteil der Symmetrie könnte darüberhinaus die Einsparung genetischer Information sein, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ich bin weder Biologe noch Gentechniker, aber sollte ein symmetrisch angeordneter, biologischer Körper über für beide Körperhälften KOMPLETT seperate Gene verfügen, fress ich nen Besen. Dann könnten ja gleich für jede einzelne zelle eine nur einzig und alleine ihr zugeordnete Information vorliegen. Dem ist ja auch nicht so, sonst hätten wir einen DNA-Strang, der in keine Zelle passt.
    Entsprechend hätte ein symmetrisches Wesen einen deutlich kürzeren DNA-Strang als ein völlig asymmertisches, und das wiedrum trägt zur Stabilität der Informationserhaltung bei der Zellteilung bei. Ein kurzer DNA-Strang ist robuster gegen mutierende bzw. entartende Einflüsse. Das ist sozusagen das ausgleichende Gegengewicht zum Mutationsprinzip der darwinschen Evolutionslehre und sorgt dafür, dass Arten über eine gewisse Zeit erhalten bleiben.
    Naja, zum Schluss bleibt eigentlich nur die Frage, weswegen man sich bei all den Möglichkeiten, die theoretisch für die Entwicklung diverser Lebensformen im Universum gegeben sind, ausgerechnet ein asymmetrisches Monster wünscht. Mal Klartext: MIR ist das egal. Wenn wir irgendwann mal anderen Arten begegnen sollten, bin ich mir sicher, dass die Yellow-Press sie verteufeln wird, egal, wie sie geformt ist.

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  5. Der Theologe Karl Rahner SJ ging bereits im Jahre 1981 positiv (!) auf die Möglichkeit extraterrestrischer Intelligenz ein und formulierte jenseits einer rein naturalistisch modellierten kosmischen Evolution, „daß diesen anderen leibhaftigen geistigen Wesen sinnvollerweise doch auch eine übernatürliche Bestimmung in Unmittelbarkeit zu Gott zugeschrieben werde müsse“, und man „wird wohl nicht beweisen können, daß eine mehrfache Inkarnation in verschiedenen Heilsgeschichten schlechterdings undenkbar sei“ (in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, Bd. III, Freiburg 1981, p. 72). Dies korrespondiert durchaus insbesondere mit der Aussage des Kolosserbriefes, daß alles „auf Christus (!) hin geschaffen“ sei – und nicht auf den Menschen als solchen in der vermeintlichen Funktion eines Normgebers des gesamten Kosmos.

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  6. Der polnische Autor Stanislaw Lem hat sich in seinem Werk immer gegen diesen Anthropozentrismus in der SciFi- bzw. visionären Literatur gestemmt.
    Am beispielhaftesten ist sein Roman Solaris, in dem die Menschen auf eine völlig andersartige Lebensform treffen, die so garnichts mit bekannten Verhältnissen gemein hat.
    Weshalb stellen wir uns Ausserirdische „menschlich“ vor?

    Ein Zitat dazu:

    „… Menschen suchen wir, niemanden sonst.
    Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel …“

    (Solaris)

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  7. … Mit solchen Hypothesen lehnt er sich sehr weit aus dem Fenster; die vorherrschende Meinung lautet, dass sich die Evolution nicht wiederholt und der Zufall eine große Rolle spielt. …

    Er sprach auch nicht von gleich, sondern von ähnlich. Und da auf einem Planeten auf dem Leben möglich ist auch gewissen ‚Rahmenbedingungen‘ erfüllt sein müssen und dieselben Naturgesetze gelten müssen auch die Entwicklungen in dieselbe _Richtung_ gehen. Immerhin sind auch auf der Erde sehr ähnliche Merkmale bei nicht verwandten Arten entstanden. zB. Stromlinienform bei ans Leben im Wasser angepassten Lebewesen: Fisch – Vogel – Säugetier.

    Stichwort: konvergente Evolution

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