Dodo des Monats Juli 2008


Dodo uli 2008
Dodo Juli 2008
Gerhard Ludwig Müller
Gerhard Ludwig Müller (Foto:ddp)

Die Wahl war eindeutig. Herr Gerhard Ludwig Müller hat 37,5% aller abgegebenen Stimmen auf sich vereint. Es war ja auch immerhin starker Tobak, Michael Schmidt-Salomon als geistigen Amokläufer, der Gläubige als Schweine einstuft und Kindesmord befürwortet zu bezeichnen. Eine solche Interpretation geben die Texte aber nicht her. Also hat Herr Müller, in guter katholischer Tradition, etwas an der Realität gedreht.
Rechtsanwaltlicher Einspruch, von seiten Schmidt-Salomons half. Herr Müller hat seine gehaltenen Predigt verändert und online gestellt. Das Produkt liest sich jetzt so:

Michael Schmidt-Salomon, ein weiterer Autor und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Gesellschaft hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleineFerkel“. Darin lässt er ein Schwein auftreten, das einen jüdischen Rabbi, einen katholischen Bischof und einen muslimischen Geistlichen über Gott befragt. Die Gottesfrage der großen Philosophen, Religionen und monotheistischer Theologen wird in das Maul eines sprechenden Schweins gelegt und somit verspottet. Schmidt-Salomon verzerrt die drei großen monotheistischen Weltreligionen samt ihrer Vertreter zu gewaltbereiten, rücksichtslosen Karikaturen ihrer selbst.

Die Christen beispielsweise mutieren zu „Trauerklösen“, der heilige Leib Christi als „Plätzchen“ wird wieder ausgespuckt und die Gläubigen aufgrund des katholischen Eucharistieverständnisses als „Menschenfresser“ verhöhnt, die „den Sohn vom Herrn Gott verspeisen“. Schließlich versteigt sich Schmidt-Salomon zum abschließenden Resümee, das er seinen Figuren in den Mund legt: „’Wer Gott kennt, dem fehlt etwas!’ Nämlich hier oben… Das Ferkel tippte sich lachend an die Stirn. Der kleine Igel nickte: Die Leute vom Tempelberg sind wirklich verrückt!“ In diesem Buch werden letztlich alle, die an Gott glauben, unter dem geistigen Niveau eines Schweins angesiedelt. Man gefällt sich in dem Spruch „Glaubst du noch, oder denkst du schon?“ und spricht damit allen Gläubigen das Denken ab.
Vor diesem Hintergrund ist es nur folgerichtig, dem christlichen Gottesglauben jegliche ethische und humanistische Auswirkung abzusprechen. Der Mensch sei doch verfügbar für den anderen Menschen. Warum sollten Kindstötung, Abtreibung und therapeutisches Klonen verboten sein?

Nebenbei bemerkt, in seiner Predigt, äussert er sich noch zu den Wurzeln europäischer, insbesondere deutscher Kultur, zweihundert Jahre Aufklärung werden verschwiegen. Immerhin ist es dieser Aufklärung. insbesondere dem sich entwickelnden Humanismus, zu verdanken gewesen, dass eben keine Scheiterhaufen mehr brannten, oder hochnotpeinliche Befragungen, im Namen Gottes, durchgeführt wurden. Feudalismus und Religion, ein schlimmes Gemisch, auf dem sich die Kultur gründete. Zu jener Zeit hätte man Schmidt-Salomon ja mal die Instrumente zeigen können, wie einst Galilei, das Buch auf den Index und fertig. Dafür ist all jenen zu danken, die sich um die Aufklärung verdient gemacht haben, wie zum Beipiel Francis Bacon, Voltaire oder Lessing, um nur einige zu nennen.
Oder stellen Sie sich vor, der Autor des Kinderbuches hätte statt des Schweins(Ferkel) eine Ratte genommen, oder gar ein Pferd, so einen richtig alten Zossen. In anderen Kulturen genießen diese Tiere ein hohes Ansehen.
Es bleibt, wem die Jacke passt, der zieht sie sich an.

6 Comments

  1. Das Problem ist doch eigentlich, dass dieser Herr Müller mit der Änderung seiner Predigt zwar eingesteht nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Dies ändert jedoch nichts an dem, was die Besucher seines Gottesdienstes gehört haben und sehr wahrscheinlich in Teilen auch heute noch denken werden (,falls sie nicht durch Zufall von der Reaktion MSSs gehört haben sollten).
    Von daher müßte man diesen Kirchenanführer per Gerichtsurteil dazu zwingen in der Messe eine Richtigstellung zu verlesen(, was wohl leider nicht passieren wird).

    Nichtsdestotrotz ist die Verleihung des Dodo natürlich hoch verdient.

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  2. 97 abgegeben Stimmen. Das Wahlvolk war Klasse 🙂 , keinerlei Probleme, von hier aus mein Dank an Alle.
    Ach ja Herr Müller, Herzlichen Glückwunsch zur Wahl.

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  3. Wahnsinn! Gerhard Ludwig Müller hat doppelt so viele Stimmen, wie der zweitplazierte. Welch glorreicher Sieg! 😀

    Wie sieht eigentlich die Wahlbeteiligung aus?

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  4. Im wesentlichen sagt der MAnn, der da hat mich beleidigt, wäääääähäh…., und nun seit betroffen entsetzt und auch ein klein wenig traurig, oder der Teufel hohlt euch!!!

    Besonders krass ist die Behauptung MSS stehe für Kindstötung, das ist blödsinn, und wird in D. weil es Mord/totschalg ist mit Gefängnis bestraft.

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  5. Zitat Gerhard Ludwig Müller:
    „Der Mensch sei doch verfügbar für den anderen Menschen. Warum sollten Kindstötung, Abtreibung und therapeutisches Klonen verboten sein?“

    Wer von einem überheblichen „Der Mensch ist die Krone der Schöpfung Gottes“-Bild ausgeht, muss scheinbar zwangsläufig in Schwarz-weiß-, alles-oder-nichts-Kategorien denken und ebenso argumentieren.

    Also: Wer für das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren eigenen Körper ist, was in bestimmten Situationen auch das Recht auf Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft einschließt, und wer darüber hinaus für die massenhafte Erzeugung von Menschenklonen ist, obwohl das nicht der eigentliche Streitpunkt ist, der kann doch auch nichts gegen Kindstötungen haben.

    Wie perfide, wie hinterhältig, unsachlich und unseriös!

    Statt sich auf eine differenzierende, sachliche Diskussion über das einzulassen, was wir Menschen in Zukunft als gemeinsame Ethik unserer Entscheidungen zugrunde legen wollen, wird der Nichtgläubige in seiner Motivation verunglimpft und wird ihm ob seines fehlenden Gottesbezuges jede Abscheulichkeit zugetraut.

    Folgerichtig hatte Michael Schmidt-Salomon gegen die ursprüngliche Fassung Rechtsmittel eingelegt.
    Die jetzige Fassung ist aber qualitativ keineswegs besser.

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  6. Gratulation Herr Müller, den Dodo haben Sie sich wohl verdient. Muß doch schön sein für Sie zu hören, dass Sie sich auf dem richtigen, traditionsreichen Weg Ihrer Institution befinden. Es wäre mal ganz interessant zu wissen, wie dereinst die „himmlische Belohnung“ dafür ausschaut ? Sicher haben Sie sich bereits eine diplomatische Erklärung und Rechtfertigung Ihrer Realitätsverdrehungen zurechtgelegt. (Ob die der Teufel allerdings akzeptiert erscheint fraglich). 😉

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