Paranormales im Labor der GWUP


Paranormales im Test der GWUP
Paranormales im Test der GWUP

ROSSDORF. (gwup) Immer wieder hört man von Menschen, die angeblich übersinnliche Fähigkeiten haben: Sie meinen, mit Wünschelruten verborgene Dinge wie Wasser oder Edelsteine zu finden. Oder sie behaupten, Gegenstände beeinflussen zu können, ohne sie zu berühren. Oder sie glauben, Sachen zu wissen, die sie unmöglich auf natürlichem Wege wissen können.

Berichte von solchen Menschen machen uns neugierig. Wir wollen wissen, was hinter diesen scheinbar paranormalen Fähigkeiten steckt: Unbewusste Selbsttäuschung? Absichtlicher Betrug? Oder neue, bisher unbekannte Naturgesetze, die unser Weltbild umstürzen und unser Leben revolutionieren würden? Letztere wäre von allen auf jeden Fall die spannendste Variante – und es würde Nobelpreise hageln!

Und daher lädt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) regelmäßig Menschen ein, die ihre paranormale Begabung oder Technik unter Laborbedingungen auf die Probe stellen wollen. Diese Psi-Tests der GWUP, der größten und ältesten Skeptiker-Organisation im deutschsprachigen Raum, fanden vor wenigen Tagen wieder am Biozentrum der Universität Würzburg statt. Geleitet wurden sie wie immer von Dr. Rainer Wolf, Biologe und Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP. Von fünf zuerst angemeldeten sind dann leider nur drei Kandidaten zum Psi-Test erschienen.

Muscheltiere „muten“

Zuerst trat Walter K. an (alle Namen von Psi-Test-Teilnehmern sind der GWUP bekannt). Er behauptete, er könne Schnecken- bzw. Muschelschalen, die sich in einem Nebenraum befinden, mithilfe einer Metallrute „muten“, also aufspüren. Der Versuchsaufbau war zu kompliziert, um ihn hier langatmig zu beschreiben. Fest steht aber, dass Walter K. noch bei den Proben – also vor dem eigentlichen Versuch – entnervt aufgab: Seine Trefferquote lag nicht über der Zufallsrate. Trotzdem zweifelte K. nicht an seiner Kunst und schob sein Scheitern schließlich auf die „Gesamtsituation“, die sehr anfällig für Störungen sei … Nun, einen Nobelpreis gibt es dafür sicher nicht.

Elektrosensibilität

Der nächste Kandidat war Jacek S.. Er behauptete nicht nur, Gegenstände mit dem Pendel orten zu können, sondern meinte auch, mit der Hand zu spüren, ob ein Stromkabel unter Spannung steht – natürlich ohne es zu berühren, sondern in drei bis fünf Zentimetern Abstand. Sowohl beim Pendel-Test als auch beim Strom-Test (Elektrosensibilität) gab es jeweils zehn Möglichkeiten: zehn umgedrehte Plastikbecher und zehn Stromkabel. Jacek S. wusste nicht, unter welchem Becher der zu findende Gegenstand lag, und er wusste auch nicht, durch welches Kabel der Strom floss (1:10-Test). Der Kandidat machte jeweils 13 Durchgänge. Jeweils sieben Mal hätte er den richtigen Becher bzw. das richtige Kabel finden müssen, um eine außergewöhnlich hohe Trefferquote zu haben. Hatte er aber nicht: Mit nur zwei Treffern beim Pendel-Test und einem Treffer beim Strom-Test hätte er auch einfach eine Münze werfen können … die Zufallserwartung lag bei 1,3 Treffern, und die hatte er damit kaum übertroffen.

Stoffe unterscheiden

Als dritter und letzter Kandidat wagte Walther S. den Psi-Test der GWUP: Er behauptete, mit einem selbstgebauten Apparat „beliebige Stoffe“ von anderen unterscheiden zu können. Wir entschieden uns – in Absprache mit dem Kandidaten – für das preiswerte Homöopathikum Arnica C200. Ein Fläschchen davon war von neun mit Sand gefüllten Phiolen zu unterscheiden, die alle in kleinen Pappkartons versteckt waren (also ebenfalls ein 1:10-Versuch). Vor dem Versuch „eichte“ Walther S. seinen Apparat auf das zu findende Arnica C200, doch die Funktionstüchtigkeit der Bastelarbeit war nicht überzeugend: Der Kandidat produzierte ebenfalls lediglich zwei Treffer und lag damit auch nur in der Zufallserwartung.

Unbewusste Selbsttäuschung? Sicher ist nur, dass die Wissenschaftler der GWUP auch bei diesen Psi-Tests, die alle mit Zustimmung der Kandidaten geplant wurden, keine paranormalen Effekte und keine noch unbekannten Naturgesetze aufspüren konnten. Es scheint, als sei unser Weltbild doch relativ stabil …

GWUP sucht neue Kandidaten

Trotzdem: Die GWUP sucht neue Kandidaten! Wenn Sie sich bewerben möchten, klicken Sie hier und informieren sich im Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken.

Wer die Psi-Tests der GWUP besteht, erhält nicht nur 10.000 Euro … nein, sein Name findet vermutlich auch Einzug in die Physik-, Biologie- und Geschichtsbücher der nächsten Generationen! – Ihre Chance?!
Erstveröffentlichung im Weblog gwup / die skeptiker von Stefan Kirsch

3 Comments

  1. Achtung, kleiner Buchstabendreher in der Quellenangabe zum Artikel: „Erstveröffentlichung im Weblog gwup / die sPEKtiker“ –> gwup | die skeptiker

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