Frauen im biologischen Zwiespalt


dpa-Zentralbild
Foto: dpa-Zentralbild

Prof. Axel Meyer, Ph.,D., Evolutionsbiologe, Universität Konstanz

Meine Universität bemüht sich „um die Beseitigung von Nachteilen, die für Wissenschaftlerinnen im Bereich der Hochschule bestehen. Sie strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an“. So heißt es wörtlich in allen Ausschreibungstexten. Dieser Passus ist obligatorisch.

Es wird also unterstellt, dass Nachteile für Frauen an Hochschulen bestehen. Doch diese pauschale Aussage ist sicherlich falsch. In Berufungskommissionen zumindest haben Frauen einen klaren Vorteil gegenüber ihren männlichen Mitbewerbern. Es werden fast immer überproportional mehr Frauen zum Vortrag eingeladen, als im Verhältnis im Bewerberfeld vertreten sind. Dies könnte natürlich auch damit zu tun haben, dass sie überdurchschnittlich gut qualifiziert sind. Außerdem gibt es in fast allen Disziplinen mittlerweile mehr weibliche Studenten und auch oft noch Doktoranden als männliche. Doch dann nimmt ihre Zahl in der akademischen Hierarchie immer mehr ab.

Dafür gibt es sehr viele Gründe, aber ich glaube nicht, dass Frauen durch institutionelle Mechanismen systematisch diskriminiert werden. Es scheint eher so zu sein, dass sie selber die Wahl treffen, diesen Karriereweg nicht zu gehen – weil er unvereinbar zu sein scheint mit anderen Lebensplänen. Mein Eindruck ist, dass Frauen eher oft nicht so weit kommen wollen, als dass sie aktiv daran gehindert werden. Übrigens glaubt dies auch die überwiegende Anzahl aller Studentinnen, mit denen ich gesprochen habe.

Wenn dem so wäre, muss man sich als nächstes fragen, warum viele vielleicht nicht so weit kommen wollen, trotz aller Frauenstipendien und Förderprogramme, die es für sie gibt. Es liegt sicher nicht an einem weiblichen Mangel an intellektuellen Qualitäten, sondern eher daran, dass sie andere Prioritäten setzen als die Männer. Ohne Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit oder genügend große Stichprobenzahl ist mein Eindruck, dass für Frauen die Familiengründung eine größere Konkurrenz zur Karriere darstellt als für Männer.

Denen ist dieser Aspekt des Lebens nicht so wichtig, sie können ihn später angehen oder sie finden leichter Partner, mit denen sie trotz 80-Stunden Woche eine Familie gründen können. Männer bleiben deshalb länger am Ball in den wichtigen Jahren nach der Promotion. Also sind es weniger gesellschaftlich oder institutionell gemachte Unterschiede, die zu dieser Situation beitragen, sondern eher biologische Unterschiede. Es ist vielleicht nicht politisch korrekt, das zu sagen, aber dafür kann die Universität doch nichts.

6 Comments

  1. @cptchaos: Dass Sexualität anerzogen ist, glaube ich nicht, aber das spielt eigentlich auch gar keine Rolle. Was ich meine ist, dass bei Frauen die Entscheidung, ob sie Kinder bekommen oder nicht, weit mehr von der beruflichen Situation abhängt, als beim Mann. Aus rein biologischen Gründen bedeutet ein Kind eine berufliche Auszeit, die sich mal länger, mal kürzer hinzieht. Das hängt wiederum davon ab, wie die Betreuungsmöglichkeiten beschaffen sind. Wenn das Kind erst ab vier Jahre und dann nur von 8 bis 12 in den Kindergarten kann, ist das doch schlicht lächerlich und mit der Schule wird es ja nicht besser. Mit den Zuständen vor Augen hat frau die Wahl: Entweder – Oder. Würden die Betreuungszeiten an die heute üblichen Arbeitszeiten angepasst, fiele die Entscheidung, Kinder zu bekommen und Karriere zu machen, sicherlich leichter.

    Gefällt mir

  2. @cptchaos: Wie bei so vielen Problemen gibt es hier wohl keine monokausale Erklärung. Dein Punkt ist sicher richtig, aber ich kenne trotzdem genug Führungskräfte mit Familie, männliche und weibliche. Die weiblichen schaffen das mit Familie aber nur, wenn sie halbwegs planbare Arbeitsbedingungen haben (oder eben einen Hausmann, und das ist selten).

    Gefällt mir

  3. „weil die Führung ausschließlich aus Männern mit Hausfrauen besteht, dann ist klar, dass sich da nichts ändert, trotz Frauenstipendien & Co…“

    Das ist sicher nicht der Fall. Meines wissen haben viele Führungspersonen überhaupt keine Familie. Das ist für die Männer nicht viel anders als für die Frauen. Nur ihre Chancen trotz der Arbeitsbelastung eine Familie gründen zu können sind deutlich besser. Denn ein hoher beruflicher Status macht Männer sexuell Interessanter für Frauen. Umgekehrt gilt das bei weitem nicht in dem Maße.
    Allein schon das lässt mich daran Zweifeln, dass sich das Problem durch begrüssenswerte Dinge die Ganztags-Kitas oder ähnlichem lösen lässt. Mann muss schon meinen dass sexuelle Prägungen lernen/anerziehen kann, wenn man glaubt, man könnte da völligen ausgleich schaffen. Ich frage mich manchmal woher die andauernd gemachte Annahme kommt das Sexualität bei solchen Lebensentscheidungen keine signifikante Rolle spielt.

    herzliche Grüße,
    Eike

    Gefällt mir

  4. Um an widerspenst anzuknüpfen:

    Ich kenne einige Leute (Männer und Frauen), die selber sagen, dass sie keine Karriere machen wollen, weil dazu eben auch eine Menge Stress und Überstunden gehören.

    Ich vermute, dass gerade in den Unternehmen häufiger Frauen (auch mit Kindern) in Führungspositionen zu finden sind, in denen man mit 40 Stunden Anwesenheit sein Soll erfüllt hat. Und ich glaube schon, dass das in vielen Fällen durchaus möglich ist, wenn man die Arbeit sinnvoll organisiert. Wenn dies aber natürlich keine Priorität im Unternehmen hat, weil die Führung ausschließlich aus Männern mit Hausfrauen besteht, dann ist klar, dass sich da nichts ändert, trotz Frauenstipendien & Co…

    Gefällt mir

  5. Auch ich würde zustimmen: Nicht die Universitäten sind verantwortlich für die Benachteiligung von Frauen, sondern die Familie, bzw. das Fehlen einer Person, die den Rücken freihält, wie so viele Frauen es für ihre Männer tun. Doch wie viele Männer tun das für ihre Frauen?
    Das bedeutet doch, weitergedacht, dass die Frauenstipendien und -förderprogramme an der falschen Stelle ansetzen. Sie sollten Frauen ermöglichen, sowohl Karriere zu machen als auch eine Familie zu gründen, unabhängig von der Tätigkeit ihres Mannes. Ein „Frauenstipendium“ könnte da eine Haushaltshilfe sein, die auch die Kinder pflegt, wenn sie einmal krank sind. Ein wirklich sinnvolles Förderprogramm wären flexible Ganztagskindergärten und -krippen an den Universitäten.
    Es geht nicht um Fördergelder oder Prioritäten, sondern um Strukturen, die der Realität angepasst werden müssen.
    Denn man kann nicht einerseits Akademikerinnen kritisieren, dass sie zu wenig Kinder in die Welt setzen und andererseits von ihnen erwarten, einen Männerjob zusätzlich zum Frauenjob zu erledigen.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.