Paracelsus, Pauling und das Vitamin C


Linus Pauling
Linus Pauling

Prof. Axel Meyer,Ph.,D., Zoologe, Evolutionsbiologe, Universität Konstanz

Linus Pauling (1901-1994) erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie und 1962 den Friedensnobelpreis. Er ist einer meiner akademischen Helden und einer der beeindruckendsten Wissenschaftler, die ich je getroffen habe.

So freute es mich dann auch, in der letzten Woche die Überschriften in der Presse zu lesen:“Vitamin-C-Injektion tötet Krebszellen ab.“ In einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde berichtet, dass direkt in den Körper injiziertes Vitamin C zur Produktion von Wasserstoffperoxid führt und dadurch Krebszellen abtöten könnte, ohne gesunde Zellen zu schädigen. Vitamin C wirkt also in sehr hohen Dosen als Gift.

Pauling hatte schon seit Mitte der siebziger Jahre die positive Wirkung des Vitamins propagiert – nicht nur bei Krebs, sondern auch bei Grippe, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen. Diese Ideen wurden sehr kontrovers diskutiert, aber auch immer wieder untersucht und oft bestätigt.

Unsere Art gehört zu den wenigen Säugetieren, die Vitamin C nicht selber produzieren können. Deshalb müssen wir es mit der Nahrung aufnehmen. Etwa 70-90 Milligramm insgesamt pro Tag scheinen zu genügen, um Skorbut zu verhindern, sprich: Etwa ein Tausendstel eines Gramms Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht ist täglich absolut notwendig. In der neuen Krebsstudie wurden den Mäusen vier Gramm Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht injiziert – also etwa 4.000 mal so viel.

Linus Pauling wurde 93 Jahre alt und nahm etwa 18 Gramm Vitamin C pro Tag ein. Das ist mehr als das 300-Fache der empfohlenen Dosis. Pauling letztes Buch „How to live longer and feel better“ beschreibt nicht nur seine Ideen zum Vitamin C, sondern auch seine anderen Theorien zur orthomolekularen Medizin, wie er es nannte.

Nicht nur wegen der freundlichen Inschrift in meiner Kopie seines Buches nehme ich bis zu einem Gramm Vitamin C pro Tag. Auch wenn es vielleicht nicht helfen sollte, schaden wird es sicher nicht. Denn niemand bestreitet die positiven gesundheitlichen Effekte des Vitamins, und tägliche Dosen von 500 Milligramm scheinen auch das Immunsystem zu stimulieren. Wie Paracelsus (1493-1541) schon gesagt haben soll:“All Ding sind Gift, und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.“

12 Comments

  1. Wer hat denn hier irgendwas unkritisch veröffentlicht? In den Kommentaren wurde schon vor deinem Beitrag auf richtigstellende Beiträge hingewiesen.

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  2. noch eine schoene Seite ueber Vitamin-Megadosen-Opfern:

    whatstheharm.net/vitaminmegadoses.html

    also echt, liebe Brights, wie koennt ihr so einen
    autoritaetsglaeubigen
    (Professor sagt: „Linus hats gesagt, und Linus ist toll!,
    und im Reagenzglas funktionierts es auch ganz toll !))
    unkritisches Quark schreiben ?!?

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  3. ich find es schon sehr bedenklich,
    wenn ein Herr mit Professorentitel sich zu
    so einem Beitrag hinreissen laesst !

    auch wenn manche Menschen Grossartiges auf
    ihrem Gebiet geleistet haben, koennen sie doch
    auf anderen Gebieten ganz schoen danebenliegen !

    (vgl auch die unglaublich dummen, rassistischen
    Ansichten des DNA-Helix Mitentdeckers James Dewey Watson)

    Nebenwirkungen von Vitamin C Megadosen:

    erhoehte Harnsaeure im Urin,
    niedrigerer pH-Wert des Urins,
    erhoehte Oxalsaeure(Hauptabbauprodukt von Vit C)
    zusammen erhoehtes Risiko von Nierensteinen,
    Haemolyse von roten Blutkoerperchen,
    verminderte Abwehr von Bakterien durch weisse Blutkoerperchen,
    Beeintraechtigung der Vitamin B12 aufnahme…
    und und und……

    nachzulesen mit Quellenangaben der Studien hier:

    http://www.unu.edu/unupress/food/8F102e/8F102E04.htm
    Risks and abuses of megadoses of vitamins

    Vitamin C

    The daily consumption of a few grams of vitamin C has been proposed as a therapeutic and preventative measure for a variety of pathological conditions, such as colds [27], cancer [28], schizophrenia [29], hyper-cholesterolaemia and arteriosclerosis [30]. In recent years, many additional studies have been published relating to vitamin C and the common cold. Efforts to confirm the supposed benefits of high doses of ascorbic acid through controlled experiments have had negative or inconclusive results [31-35].

    In some cases, ascorbic acid in high doses seems to have a pharmacological effect unrelated to its nutritional role as a vitamin. It must be recognized that continual high intake in the range of several grams daily can produce adverse effects.

    Urinary uric acid increases with high intakes of vitamin C. Even a single dose of 4 g results in about a 200 g elevation in uric acid excretion [36]. Doses of 0.5-2 g have no observable effect. Ascorbic acid also lowers urine pH, which can lead to kidney stones due to the precipitation of uric acid.

    Another adverse effect of megadoses of vitamin C is an increase in urinary oxalic acid, because this is a major catabolite of acorbic acid. When the pH of the urine declines, oxate is precipitated. The result is the formation of oxalate kidney stones.

    There is also an increased tendency to haemolysis of erythrocytes that is especially serious in individuals who suffer from glucose-6-phosphate dehydrogenase deficiency [38]. Supplements of 2 g vitamin C daily for two weeks reduce the bacterial capacity of the leukocytes. When doses are stopped, however, this returns to normal [39].

    It is important to mention the phenomenon of dependence [31]. Chronic high-level intakes of ascorbic acid induce catabolic mechanisms of ascorbic acid, which may precipitate acute deficiency on return to normal doses. There are reports of acute scurvy developing in two infants breast-fed by mothers who had been consuming more than 400 mg vitamin C daily during pregnancy [31, 40].

    There is some evidence that a high intake of vitamin C may interfere with the absorption of vitamin B12, and to indicate this, but the epidemiologic significance of this is doubtful [41]. There has also been speculation that haemochromatosis might result from the increased absorption of iron in individuals already having a high reserve of iron [42]. However, there is no evidence that this occurs.

    In conclusion, since the many supposed beneficial effects of high doses of vitamin C have not satisfactorily confirmed, and since excessive intake could be harmful, the consumption of megadoses without medical supervision is not recommended.

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  4. @Johannes
    Nächstes Mal einfach etwas geduldiger sein, deine vier Kommentare landeten alle im Spamfilter. 😉

    Hab jetzt den Dritten freigeschaltet.

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  5. Mit 93 auch nicht wirklich überraschend.

    Stirbt man in hohem Alter, so entweder an seinem Krebs oder mit seinem Krebs…

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  6. > ”Vitamin-C-Injektion tötet Krebszellen ab.”

    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Linus Pauling an Krebs (Prostata) starb.

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  7. Naja, angesichts der absurden Verfahrensfehler und Paulings irrationalem Verhalten, halte ich nach der Lektüre des Artikels jetzt auch nicht mehr so viel davon.

    So kanns gehen.

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  8. Ich habe den Verdacht das Koryphäen Pauling einfach nicht so sehr daneben greifen können. Es erschien mir immer etwas seltsam: Warum sollte er, auch wenn das hohe Alter gewiss nicht geholfen hat, einfach so Irre werden? Er hatte wohl eine Intuition die ihn in die richtige Richtung geführt hat…sein Fachwissen und sein Verständnis für Biochemische Vorgänge war beispiellos.

    Mag natürlich auch nur zufall sein :>

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  9. Ist Pauling 93 geworden weil oder obwohl er hohe Dosen Vitamin C geschluckt hat? Oder hat das eine mit dem anderen am Ende gar nichts zu tun?

    BTW, danke für den Link, JLT. 😉

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