Die Ideologen der Gegenaufklärung


Papst Johannes Paul II und Kardinal Schönborn (© APA/Schneider)
Papst Johannes Paul II und Kardinal Schönborn (© APA/Schneider)

Dummer Sozialdarwinismus – aus Sankt Pölten

Im Gutshof Fratres bei Waldkirchen, nahe der tschechischen Grenze diskutierten am 16. August beim Verein Kuturbruecke, einer Plattform zur Überwindung von Grenzen, Christoph Kardinal Schönborn und Wirtschafts- und Evolutionsforscher Ewald Walterskirchen über Zusammenhänge und Widersprüche der christlichen Schöpfungstheorie und der wissenschaftlichen Evolutionstheorie.

Wirtschafts- und Evolutionsforscher Ewald Walterskirchen unterstrich die Problematik dieser Grenzüberschreitung. Er wies hin, dass dies auch wirtschaftspolitische Auswirkungen habe: Der Neoliberalismus leite sich direkt vom Darwinismus ab: Wie im Darwinismus werde von der natürlichen Selektion und der Anpassung der Lebewesen an die die Umweltbedingungen – in disem Fall Wirtschaft und Marktmechanismus – ausgegangen. Oberste Priorität habe – wie im Darwinismus – der Blickwinkel der Mikroebene, also der maximale Profit der Unternehmen.


Es sei klar, dass dabei ethisch-politische Probleme entstehen, weist Walterskirchen hin. Ein schrankenlos globalisierter Markt im Sinne des Neoliberalismus könne daher auch keine Orientierung für eine menschengerechte Wirtschaft sein.

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Weder sei die Schöpfungsgeschichte in der Bibel wörtlich zu interpretieren, noch könne die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie eine alles erklärende Weltanschauung sein, in der kein Raum für den Glauben an den Sinn der Schöpfung und des menschlichen Lebens sei, betonte Kardinal Schönborn. Auch Walterskirchen hält an der grundsätzlichen Vereinbarkeit von der Theorie der Evolution und der Religion fest, wenn die Grenzen der Wissenschaft eingehalten werden.

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4 Comments

  1. Darwin spricht von natürlicher Selektion. Der Konkurrenzkampf der Individuen im Rahmen der natürlichen Selektion ist nur ein Bestandteil derselben.
    Selbst Popper und Hayek haben erkannt, dass der Markt eben nicht natürlich wächst und von Zeit zu Zeit regulierendes Eingreifen von Seiten des Staates erforderlich ist. In dem Sinne kann man eben nicht die ET auf die Marktsituation anwenden. Der Markt ist kein natürliches Produkt.

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  2. Für mich klingt das fast so, als müßte man Darwin vorwerfen, daß er den Darwinismus erfunden hätte – und somit die Schuld daran übernehmen soll…
    Und in der Folge so auch noch Schuld hat an Marktwirtschaft und Gier…

    Nweton hat ja auch das Fallgesetz „erfunden“. Ist Newton nun also auch Schuld an jedem Dachziegel, der jemandem auf den Kopf fällt?

    tss…

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  3. „Der Neoliberalismus leite sich direkt vom Darwinismus ab“

    Der Vergleich ist unzulänglich, weil der Neoliberalismus von einem Grundsätzlichem „Gleichgewicht“ in der Wirtschaft ausgeht (Allgemeine Gleichgewichtstheorie; kurz AGT).

    Diese Theorie ist die Grundlage dafür das die Privatwitschaft immmer und in allen Berreichen besser sein sollte als Staatsunternehmen o.ä..

    Die AGT beruht allerdings auf vollständig der Realität wiedersprechenden Grunannahmen (z.B. alles Geschieht gleichzeitig, alle Marktakteure sind vollkommen egoitisch, jeder weiss ALLES, etc.)
    (Richard Werner 2007), (Walhörner, Das AGT in Ökonomie, Physik, Mathematik)

    Es konnte auch niemals ein überzeugender empirischer Nachweiss über die Richtigkeit der Neoliberalen Prognossen erzielt werden (siehe Werner und Walhörner).

    Insofern besteht der wessentliche unterschied zwischen der Evolutionrtheorie und dem Neoliberalismus darin das die Evo-Theorie auf realistischen Grundannahmen und und rational immer wieder überprüften Ergebnissen besteht während der Neoliberalismus dies nicht ist/tut.

    Insofern ist der Neoliberalismus-Evolutionstheorie Vergleich nicht nur uznzutreffend sondern auch ziemlich bösartig…

    Danke für diesen tollen Tiefschlag kreuz.net

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  4. „Ein schrankenlos globalisierter Markt im Sinne des Neoliberalismus könne“

    Das nennt sich Neoliberalismus, sondern freie Marktwirtschaft. eine neoliberale Marktwirtscahft toleriert eingreifen vom Staat, wenn es dem Erhalt und dem Herstellen der Bedingungen eines Marktes (Konkurenzsitutation vieler Unternehmen, z.B.) dient.

    Das was von linken und rechten heute als neoliberal bezeichnet wird ist eine schiefbeinige Karikatur dessen was Erhardt aufbaute. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen.

    Das gesagt, sind die Mechanismen die in der Natur zur Selektion führen dem eines idealen Marktes sehr ähnlich. Jede Firma die sich nicht an Veränderungen anpassen kann, nicht effizient arbeitet, geht irgendwann den Bach runter, da die Kunden die Dinge kaufen wo sie am meisten für ihr Geld kriegen (in der Regel zumindest). Leider haben wir nirgendwo einen idealen Markt und es werden Verhaltensweisen von Firmen begünstigt, die gesellschaftlich nicht erwünscht sind und/oder zum Nachteil anderer Unternehmen ist.

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