Österreichs verrottete Wissenschaft?


(c) Bilderbox (Erwin Wodicka)
(c) Bilderbox (Erwin Wodicka)

Ein ausländischer Kommentar sorgt für Aufregung. Rektor Sorg abgesetzt. – Minister Hahn peilt vier Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung an.

ERICH WITZMANN UND VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

ALPBACH. Die Wissenschaft des Landes in Misskredit? „Ich lasse mir den Wissenschaftsstandort Österreichs nicht kaputt machen“, donnerte Johannes Hahn bei der Eröffnung der Alpbacher Technologiegespräche in den Saal. Der Wissenschaftsminister bezieht sich damit auf die Feststellung des renommierten Forschungsmagazins „Nature“, das in seiner jüngsten Ausgabe konstatiert habe, dass „die Wissenschaft in Österreich verrottet ist“ („Die Presse“ berichtete in der Donnerstagausgabe). „Nature“ bezieht sich auf eine wissenschaftlich nicht anerkannte Stammzellen-Therapie gegen Harninkontinenz von der Innsbrucker Medizin-Uni. Hahn sieht in einer Äußerung des Medizin-Rektors Clemens Sorg die Urheberschaft für den „Nature“-Artikel.

Rektor Sorg abgesetzt

Ebenfalls am Donnerstag behandelte der Uni-Rat der Innsbrucker Medizin-Uni einen Antrag auf Abberufung des Rektors – ein in Österreichs Uni-Geschichte einmaliger Vorgang. Der Grund liegt nicht im umstrittenen Forschungsbericht, es ging vielmehr um einen umfassenden Vertrauensverlust zwischen Rektor und Rat. Sorg wurde schließlich ohne Gegenstimme abberufen.

Dabei ging es Minister Hahn um die Profilierung der Forschung in Österreich und den Anschluss an die europäische Spitze. Auf der einen Seite will er das bottom-up-Prinzip stärken, wenn es um die Freiheit der Wissenschaftler geht; auf der anderen Seite bekennt er sich zum top down durch die Politik, die Förderungen verteile und wichtige Forschungsziele wie die Fragen des Klimawandels, des Alterns, der Migration und die Energieversorgung vorgibt. Und immer wieder betonte Hahn, dass die Forschungs- und Entwicklungs-Quote bis 1010 drei Prozent des BIP (derzeit 2,63) und bis 2020 vier Prozent betragen müsse.

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