Schlachthöfe und Schlachtfelder


Isländischer Schlachthof , Foto Greenpeace
Isländischer Schlachthof , Foto Greenpeace

… und darüber der gestirnte Himmel
Schlachthöfe, Schlachtfelder und der »vernünftige Grund«

von Ingolf Bossenz

»Mehr als die Hälfte des Praktikums ist vorüber, als ich endlich in die Tötungshalle gehe, um sagen zu können: ›Ich habe gesehen.‹ Hier schließt sich der Weg, der vorn an der Laderampe beginnt. Der kahle Gang, in den alle Pferche münden, verjüngt sich und führt durch eine Tür in einen kleinen Wartepferch für jeweils vier oder fünf Schweine. Sollte ich je den Begriff ›Angst‹ bildlich darstellen, ich würde die Schweine zeichnen, die sich hier gegen die hinter ihnen geschlossene Tür zusammendrängen, ich würde ihre Augen zeichnen. Augen, die ich niemals mehr vergessen kann. Augen, in die jeder sehen sollte, den es nach Fleisch verlangt.« (Aus dem Erfahrungsbericht einer Veterinärstudentin, den die österreichische Psychologin Astrid Kaplan in der Studie »Die Mensch-Tier-Beziehung. Eine irrationale Angelegenheit« dokumentiert.)

[..]

»Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.« Dieser gern von Tierschützern zitierte Satz des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi wird oft als simplifizierende Weltsicht naiver Romantiker abgetan. Doch das unterstellte Deutungsmuster, das Ende der Massentötung von Tieren zöge das Ende des Massenmordens in Kriegen sozusagen automatisch nach sich, ist eben nicht das mit dieser Sentenz Gemeinte.
……………………………………………………
Schopenhauer hatte wahrscheinlich den Verdacht, dass die Etablierung der totalen Vernunft als des obersten objektiven Prinzips der Menschheit eben damit jene blinde Herrschaft über die Natur fortsetzen könnte, die in der Tradition der Ausbeutung und der Quälerei an Tieren ihren allersinnfälligsten und fasslichsten Ausdruck hat.

Theodor W. Adorno, Probleme der Moralphilosophie

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25 Comments

  1. seit ich vor Jahrzehnten während meiner Ausbildung einen modernen Schlachthof besichtigen musste, bin ich gegen Schlachthöfe – und für Hausschlachtungen. (ich kenne einige sehr gute Schlachter).
    Für die Jagd war ich immer, weil ich mich noch nicht aus meiner unterentwickelten Jäger (und Sammler) Mentalität heraus entwickelt habe.
    Was mir nicht passt, ist der Umweg über den Supermarkt und die Arbeit (es sei denn, sie macht Spass und ist sinnvoll).
    ich war also immer gegen Schlachthöfe … und dachte drüber nach …. jetzt bin ich auch gegen industrielle Produktionsmethoden. Denn, ich denke, die stecken hinter den Schlachthöfen – und den Schlachtfeldern, den anonymen. Es ist etwas anderes, auf einen Knopf zu drücken und das verursachte Leiden nicht anzuschauen, oder von Angesicht zu Angesicht mit einem Gegner und dann noch der Heerführer auch gleichzeitig der Staatslenker. Aber das ist ja aus der Mode.
    übrigens bin ich – obwohl ich auf die Jagd gehe – dafür, die Hobbyjägerei in dichtbesiedelten Ländern zu unterlassen und stattdessen einige wenige Berufsjäger einzustellen.

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  2. Zum Fleischbatzen da in der Blutlache: das was da auch mit drauf ist (hinter dem ‚Fleisch‘) ist ein Arbeiter (nur so zur Größenordnung). Das ist ’n Walschlachthof/Zerlegeanlage auf Island.

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  3. @ schweizerkrieger
    …jetzt kommt etwas Neid auf…Mit dem Bike ins Gebirge…sehr geil!! 🙂

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  4. Ha,ha danke für den Typ mit Yoga. Da schlafe ich ein. Mit dem Bik allein ins Gebirge das ist Sport pur für mich.

    ;)Vegetarier essen keine Tiere, aber sie fressen ihnen das Futter weg.
    Robert Lembke

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  5. …oh, und dieser Fleischbatzen da oben mit Blutlache…also mir vergehts. Will ich nicht haben!

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  6. @ schweizerkrieger
    ah ja, sport is eh klar. tanz noch dazu und yoga…es gibt soviel sinnvolles und erhellendes zu tun, der Tag bräuchte mindestens 28 Stunden! 😉

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  7. @ cosmicpoetryclub aber auf den Alk auch noch verzichten!!
    sport, das ist ein Geheimrezept.

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  8. Kommt auf die Art des Fleisches an. Salami (und andere fettige Fleischprodukte) vom Ernährungsplan zu streichen wird sich in der Regel schon positiv (oder zumindest nicht negativ) auswirken, mageres Fleisch und Fisch sind aber nützliche Eiweißlieferanten und fetter Fisch enthält für den Körper wichtige Fette.

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  9. @schweizerkrieger

    probiers mal aus…nach einem halben Jahr spürst Du´s schon…
    Lass am besten auch gleich noch den Alkohol weg, dann gehts dir noch besser 😉 hehe

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  10. Eben jedem das seine. Ich brauche Fleisch und ich esse es auch gerne. Aber ob man sich besser oder schlechter fühlt wenn man es weglässt, bezweifle ich.

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  11. Ich war schon mehrere Jahre Vegetarier, als mich bei einer Vesper ein gemeines Salamibrötchen mit seinem verlockenden Duft überlistete, und verfiel wieder der Sucht des Fleischessens.

    Nun bin ich seit einem Jahr aber wieder auf die vegetarische Lebensweise umgestiegen und fühle mich damit besser.

    Eine der wenigen rein vegetarischen Kulturen auf der Erde ist/war die vedische Kultur in Indien. Abgesehen von den sehr leckeren vegetarischen Gerichten, die diese Kultur hervorgebracht hat, gibt es ein ganzes System von Argumenten und Erläuterungen, warum eine vegetarische Lebensweise für Mensch und Natur Vorteile bringt.

    „Vegetarismus beginnt mit dem Wissen, dass andere Lebewesen Gefühle haben und dass ihre Empfindungen den unseren ähnlich sind. Dieses Wissen hilft uns, unser persönliches Bewusstsein dahingehend zu erweitern, auch das Leiden anderer zu berücksichtigen.“

    Wer möchte, kann weiterlesen unter:
    http://www.harekrischna.de/home/content/view/62/1/

    Wünsche allen eine guten Appetit!
    COSMIC:)

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  12. @Falk:
    „FALLS Fleischkonsum moralisch verwerflich ist, dann ist es definitiv keine Entscheidung, die jeder für sich so oder so treffen kann. Das umgeht man auch nicht dadurch, dass man “wahrlich” schreibt.“

    Tja… FALLS eben. Und falls nicht ? Ob Du es willst oder nicht, es wird immer irgendwo einige Jäger geben, die mit Waffen auf der Lauer liegen. Solange wir die „Freiheit“ haben, unsere Nahrungsmittel selbst zusammenzustellen, solange wird man mit der Verwertung der Stoffe leben müssen. Seit sehr sehr langer Zeit haben wir uns auf Obst-, Gemüse- und Fleischverwertung eingestellt. Und ich denke, dass auch jeder selbst seine Balance finden kann. Aus diesem Grunde ist es für mich kein Problem zu sagen, dass es jeder für sich entscheiden sollte. Ich kenne eben diese zweibeinige Spezies nicht anders. Und blicke ich mal auf die Tiere, dann entdecke ich dort ebnfalls Wesen, die mal so und mal so sind. Und einige, die verwerten beides. Wir Menschen haben mit Hilfe der Werkzeuge und der Technik die Möglichkeit, die Erzeugung dieser Nahrungsmitteln „unnatürlich“ zu regeln. Wir gehen nicht selbst auf die Jagd, sondern besorgen uns schon verarbeitetes Fleisch. Ob Fleisch alleine zu einem „tendenziell ungesünderem Leben“ führt, konnte ich noch nicht eindeutig feststellen. Meines Erachtens aber besteht kein grundlegendes Problem bei der Nutzung aller Arten von Nahrungsmitteln. Es gibt sogar Leute, die ziehen Insekten als Speise vor. Ich gebe zu, da würde selbst ich in Rekordzeit aus dem Restaurant flüchten, womöglich mit einer neuen Weltzeitmarke im Sprinten 😉

    „Aber der wichtige Punkt ist: Egal, ob es natürlich ist oder nicht – für die Ethik ist das komplett irrelevant => naturalistischer Fehlschluss.“

    Nun kriege ich selbst gleich einen Kurzschluss… nach dem Fehlschluss. Geht es um das Nahrungsmittel „Fleisch“ oder nur um die Herstellung ? Ich pers. komme gut mit dem Nahrungsmittel an sich klar. Ich muss allerdings gewisse Punkte – eben die Produktion – auf den Fleischereibetrieb abwälzen, da ich in meinem Leben schon genug Punkte zum Abhaken habe. Würde ich mich noch pers. um ein Hof kümmern, und mein Fleisch selbst züchten, dann müsste ich mir auch ein anderes Leben und einen anderen Beruf suchen. So muss ich eben etwas Vertrauen in die Produktion meiner Bratwurst legen. Herrscht dann ein Vertrauensbruch, dann muss ich mir eine andere Fleischerei suchen. Aber hier hört dann mein ethisches Verständnis auch auf. Bin vielleicht in meiner Kindheit zu sehr mit rohem Hackfleisch gefüttert worden, sorry 😉

    „Wenn es uns dereinst mal gelingt, den Geschmack zu “klonen” oder Fleisch am besten gleich künstlich herzustellen, und das preislich erschwinglich ist, dann sehe ich eine Zukunft für eine vernünftige Tierethik.“

    Ich kann nur hoffen, dass wir hier große Fortschritte machen werden und realtiv schnell zu Ergebnissen kommen. Geschmack auf künstlichem Wege zu gewinnen, haben wir in vielen Fällen schon perfektioniert. Es gibt ja auch diese Chips mit Schinkengeschmack. Ob da echter Schinken verarbeitet wird, weiss ich aber nicht 🙂 Doch zumindest kann man vieles per Gewürze erreichen. Die künstliche Fleischproduktion ist ein schweres unterfangen, aber kein unmögliches. Wenn ich mich nicht irre, stand da mal was vor einiger Zeit in der PM oder ähnlichen Magazinen. Die Kostenfrage ist klar ein Problem, als auch die „Perfektion“ des Fleisches. Zusätzliche „Extras“ wie Sehnen und Muskelstränge müssten allesammt einzeln geklont und in das im Reagenzlas gewachsene Fleischstück integriert werden, aber für den Burger-Fan kommt es ja überhaupt nicht auf die Perfektion an, sondern zu allererst auf die Konsistenz und den Geschmack vor allen dingen. Und genau für solche Massenburger wäre „Retortenfleisch“ für mich *die* Lösung. Steckt ja eh‘ zusammen mit Salat und einer Soße zwischen zwei Brötchenscheiben. Bis dies allerdings Alltag wird, müssen wir weiterhin mit Religionskriege, Massentierhaltung und Kinderschändung leben.

    @nickpol:
    Kann Dir sehr gut folgen. Auch ich kenne noch die alte Zeit vor dem Privatfernsehen und der Fast-Food Fresspaläste. Naja, die Bratwurstbuden waren aber schon bei meiner Geburt vorhanden, sooo lange ist es wohl doch nicht her 😉
    Die zwei Punkte sind klar. Wie wir zur „alten Esskultur“ kommen, haben wir IMO selbst im Griff – und zwar über die Erziehung unserer Kinder. Leider ist der Zehner und der schnelle Wink zur Fressbude für viele einfacher, als die simple Banane oder ein Butterbrot bzw. Baguette (für mich mit Salami bitte ;)). Was die Tofu-Schnitte angeht… mit genügend Gewürzen kann auch so ein „Ding“ so richtig Satt machen ! Koppelt man das mit einem Dessert wie eine Banane oder einer Birne, liegt selbst ein Tofu-Ziegelstein relativ gut im Magen. Habe es schon einige male probiert. Und dennoch bin ich immer wieder zur gebratenen Fleischware zurückgekehrt 😛

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  13. @Chemiker
    „Ob jetzt das Leben von Tieren oder Pflanzen ausgelöscht wird ist im Prinzip gleich. Nur weil uns Pflanzen nicht vermeintlich anklagend anschauen können? Oder sind Pflanzen einfach weniger lebenswert wie Tiere? Darauf kann man keine Ethik begründen.“
    Und wo sind Menschen in deinem System? Kann man die auch einfach „auslöschen“? Oder sind wenigstens Menschen davon ausgenommen? Wenn ja, wie begründest du das?

    Dass du weißt, dass Menschen ebenfalls Tiere sind habe ich jetzt einfach mal zu deinen Gunsten angenommen. Mit solchen Formulierungen wäre ich aber vorsichtig. Darüber freut sich jeder Kreationist, der hier mitliest. 😉

    @nickpol
    „Jetzt bleibt noch eins, ein gutes Steak schmeckt eben besser als eine Tofu-Schnitte.“
    Das ist natürlich moralisch irrelevant, aber in der Tat ein wichtiger Punkt. Wenn es uns dereinst mal gelingt, den Geschmack zu „klonen“ oder Fleisch am besten gleich künstlich herzustellen, und das preislich erschwinglich ist, dann sehe ich eine Zukunft für eine vernünftige Tierethik.

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  14. @metazorn: das trifft es ziemlich genau!
    wie bereits angesprochen muss da jeder selber den Anfang machen und auf Billigfleisch verzichten. Lieber etwas teurer und dafür nicht jeden Tag.

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  15. Also ich war eine ganze Zeit Veganer und habe mich genug mit der Materie befasst…
    Aber der Punkt ist ja, Fleischkonsum ist eben nicht verwerflich.
    Warum sollte er?
    Verwerflich ist die Art und Weise, wie damit umgegangen wird, die Haltung, Schlachtung etc…
    Da müsste politisch was passieren, was aus finanziellen Gründen zwar eher unrealistisch ist…
    Wäre auf diesem Wege Fleischkonsum im Allgemeinen verwerflich, wäre Autofahren nach dieser Argumentation gleichermaßen verwerflich…wenn nicht noch mehr.
    Nicht richtig ist diese unnötige, dauernde Tortur.
    Aber normales jagen, töten ist absolut im Rahmen.
    „Natürliches“ Leid wird moralisch oft überbewertet.
    Wenn ich mir durch einen Unfall einen Finger abreiße, passiert das eben.Wenn ich mir ein Bein breche, passiert das eben.Und ich muss damit klarkommen.Aber der Schmerz hört irgendwann auch wieder auf.Auch wenn das keine besonders humanen Argumente sind. Schmerz bedingt die Existenz.Und ist nicht irgendeine übernatürliche Grausamkeit.
    Folter ist natürlich was anderes.
    Und da diese…naja, eben etwas indirekt mitdranhängt, muss man irgendwie schon selbst wissen, ob man das in Kauf nimmt, oder in entsprechender Weise eben lieber das Fahrrad nimmt(ja, übrigens das mit dem Ledersattel…).
    Übrigens ist es verantwortlicher, als Gemischtköstler sein Fleisch vom Biobauern zu holen, als als Vegetarier seine Milch aus dem Supermarkt.

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  16. Obwohl auch an mir der Aasgeruch des Fleischfressers klebt, kann ich die Argumentation von Falk nachvollziehen. Ich sehe zwei wesentliche Aspekte.
    1. Politische Aussagen wie, in jeden Topf ein Hühnchen und in jede Garage ein Auto, haben uns dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da war Fleisch zum Essen etwas besonderes, es war ein Höhepunkt, kulinarisch und in der Kultur der Familie. Wir sollten wieder zu so einer Haltung kommen. Auch bin ich mir im Klaren darüber, dass sich als proteingesättigter Europäer trefflich darüber reden lässt, andere Gegenden und schon wird ein Problem daraus.
    2. Der Mensch muss nicht zwingend den Umweg über Fleisch gehen, um sich ausgewogen zu ernähren. Energien, die der menschliche Körper braucht, können rein pflanzlich zugeführt werden. Nehme ich noch die Kosten für Lagerhaltung und Transport von tierischem Eiweiß, Kühlung, geringe Haltbarkeit, kann ich der Argumentation von Falk völlig rational folgen. Jetzt bleibt noch eins, ein gutes Steak schmeckt eben besser als eine Tofu-Schnitte. Ich gönne mir den Luxus eines ordentlichen Bratens, ab und an, wohl wissend, es ist Luxus.

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  17. Die ganze Biosphäre beruht doch auf „Entstehen und Vergehen“. Ob jetzt das Leben von Tieren oder Pflanzen ausgelöscht wird ist im Prinzip gleich. Nur weil uns Pflanzen nicht vermeintlich anklagend anschauen können? Oder sind Pflanzen einfach weniger lebenswert wie Tiere? Darauf kann man keine Ethik begründen.

    Ich werde nicht aufhören Fleisch zu essen. Aber für die Einstellung zur „Ware Fleisch“ wäre es wirklich besser wenn die Leute selber schlachten müssten.

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  18. @Max
    „Dies muss wahrlich jeder für sich entscheiden.“
    Falsch. Das ist der wunde Punkt deines ganzen, langen Posts. FALLS Fleischkonsum moralisch verwerflich ist, dann ist es definitiv keine Entscheidung, die jeder für sich so oder so treffen kann. Das umgeht man auch nicht dadurch, dass man „wahrlich“ schreibt.

    Diskussionen mit Nicht-Vegetariern finde ich immer äußerst anstrengend, weil diese sich fast nie mit der Materie befasst haben, sprich: die Argumente nicht kennen und nicht kennen wollen. Ich war vor ein paar Jahren ja genauso. 😀
    Deshalb kann ich gegen die substanzlosen Fleischesserkomik nicht wirklich etwas sagen. Aber falls sich irgendjemand WIRKLICH für die Argumente zum fraglichen Thema interessiert, dann empfehle ich eine Auseinandersetzung mit denselben. Das ist sehr spannend. Singers „Praktische Ethik“ ist ein ganz guter Ansatzpunkt. Auch interessant sind Mylan Engels Gedanken zum Thema.

    Wenn man sich darauf einlässt, dann kann ich es auch respektieren, wenn man danach der Meinung ist, Fleischkonsum lasse sich argumentatorisch rechtfertigen. Aber auf die üblichen Stammtischfloskeln mag ich nicht eingehen.

    Zur Natürlichkeit: Kommt drauf an, worauf man sich bezieht – ich sagte ja, dass Fleischkonsum wohl seine Vorteile hatte, das schlug sich freilich auch auf unsere Evolution nieder. Insofern ist es natürlich. Aber wenn ein Blick zurück erlaubt ist, dann sehen wir, wo wir herkommen.
    Aber der wichtige Punkt ist: Egal, ob es natürlich ist oder nicht – für die Ethik ist das komplett irrelevant => naturalistischer Fehlschluss.

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  19. Ich habe selten größeren Schwachsinn gelesen. Es mag ja stimmen dass wir die Menge und Art unseres Fleischkonsums überdenken sollten (und zwar unseres eigenen Wohlbefindens wegen, nicht dem der Tiere), aber da draus al linke Propaganda zu schlagen ist wieder mal typisch. Gibt es eigentlich irgendeinen Aspekt unseres westlichen Lebens und Lebensstils den diese Fanatiker nicht für ihre Propaganda missbrauchen?
    Die wir-haben-uns-alle-Lieb-Welt gibt es nicht und wird es nicht geben. Und dass man mit Waffen die Tiere erlegen können auch Menschen umbringen kann ist zwar richtig, allerdings kein ursächlicher Grund für Kriege. Die Menschen haben immer damit aufeinander eingeschlagen was sie grad bei der Hand hatte, und wenn manches eben schon an Tieren ‚erprobt‘ war dann hat man eben das genommen.
    Und warum man Jagd-Erfahrung im Krieg einsetzte? Weil die Menschen wohl trotzdem öfter auf die Jagd als in den Krieg zogen.

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  20. Whow ! Hier kommen Gefühle zum Vorschein. Respekt 🙂

    In mir allerdings regt sich z.Zt. absolut gar nichts. Ich bin nur ein künstliches Wesen im inneren einer CPU. Und deshalb kann ich furztrocken die Quelle durchlesen und mich auf meine Bratwurst am Abend freuen… Entschuldigung, aber zu diesem Thema kann ich nicht zu „ernst“ rangehen 😉

    „In den Schlachthäusern verweilt man nicht, ohne dass Spuren zurückbleiben. Hat man in ihnen gearbeitet, so wird man entweder Vegetarier oder man tötet kaltblütig Menschen, wenn man es satt hat, sich im Kino zu amüsieren. Nicht umsonst ist Chicago der Ort der sensationellen Morde, der Ort der legendären Gangster.“ (Revolutionsdichter Wladimir Majakowski 1925 in »Meine Entdeckung Amerikas«)

    Wie wir alle wissen, werden ein überwiegend großer Teil der Morde von Schlächter und Metzgern ausgeübt. Auch ist der Beruf des Rausschmeissers nur dann erhältlich, wenn auf der Bewerbung „Tierschlächter“ auftaucht. Aber so weit braucht man nun nicht wirklich zu gehen. Und das USA mit seinen riesigen Schlachhöfen die Quelle allen Übels darstellt, dass wissen wir ja seid den Religionskriegen ganz genau. Die sind ja auch nur deshalb möglich, weil Jesus das Wunder mit den Fischen und dem Brot ermöglichte. Mohammed hatte da seine Schwierigkeiten damit. Wäre er in Chicago aufgewachsen, würde er da locker mit einer .45er Paroli bieten können. Die sind bekanntlichermaßen in den unzähligen Schlachthäuser rund um Chicago gefertigt worden 😉

    „Konkret auf bewaffnete Auseinandersetzungen bezogen spricht beispielsweise Vieles dafür, dass die Entwicklung der Kriegstechnik ihre Wurzeln in der Auseinandersetzung der Menschheit mit den Tieren hat, wie die US-amerikanische Publizistin Barbara Ehrenreich nachwies.(..)“

    Hätte man kürzer verfassen können: „Um Mammuts besser erlegen zu können, erfand der Mensch immer bessere Waffen“.
    Das sie später „effizienter“ wurden, ist ein Prozess den wir mit Neuerungen immer durchmachen. Auch unsere Sprache und die Schrift hat sich im Laufe der Zeit „verbessert“. Und sehr viel andere Gegner hatte der Ur-Mensch nun auch nicht, dass er die Atombombe benötigte, oder ? Das er aber die Keule und den Speer *nicht* auch bei seinesgleichen genutzt hat, kann *nicht* ausgeschlossen werden. Früher sicherte man mit der Tötung des Nachbarns, des Mammuts wegen, die eigenen Vorräte. Heute kommt man vor dem Richter damit.

    „Nicht zu vergessen, dass neue Vernichtungswaffen nach wie vor zuerst an Tieren erprobt werden.“

    Kann mir kaum vorstellen, dass heutige Waffenhersteller ihre Maschinengewehre an einer Horde Pferden auf einer Kuppel „erproben“. Da man weiss, dass ein Metallgeschoss mit Überschallgeschwindigkeit gewissen „Resultate“ liefert, muss nur noch die Geschwindigkeit und die Masse bekannt sein, dann kann man die Durschlagskraft für „besondere Materialien“ ausrechnen. Heutige Waffen sind meines Erachtens weniger an Tieren erprobt, sondern werden am Computer designed. Ist natürlich nicht pauschal für den gesammten Planeten gültig. Kann sehr gut möglich sein, dass irgendein Umbugtu-Land im Süden Afrikas seine Waffen an Menschen und Tieren erprobt, ist aber dann dennoch keine allgemeingültige Aussage. Oder sind Priester pauschal als Kinderschänder zu betiteln, weil *einige* von ihnen ihren „Mojo-Faktor“ an Kindern austesten ? 😉

    Zwar freue ich mich schon auf mein Auschwitz-erprobtes Abendessen, aber folgendes fand ich noch kommentierungswert:

    „Ist es vernünftig, Millionen und Milliarden Tiere zu massakrieren, nur um den exzessiven Fleischkonsum in den Industriestaaten zu bedienen?“

    Dies muss wahrlich jeder für sich entscheiden. Ob man als Einzelgänger, als Jäger und bewaffnet mit Speeren auf die Jagt nach Wild geht, oder ob man ein Gewehr dazu benutzt… oder in unserer Gesellschaft in den Supermarkt geht, muss jeder für sich entscheiden.
    Ich habe absolut kein Gewissensproblem, mir die Kinder eines Huhns in Form eines Frühstücksei vor mir zu haben. Genausowenig scheue ich vor einer Currywurst zurück. Allerdings klammere ich im Geiste auch gewisse Sachen aus. Zum Beispiel, dass die Wurst vorher keine Mutter mit 4 Kinder gewesen ist, die in freier Wildbahn nur nach Nahrung für ihre Kinder suchend, durch die Wälder streifte. Es waren (bitte entschuldigt mich) „Fleischlieferanten aus dem Käfig“. Gezüchtet zum futtern. Und ich hoffe wirklich, eines Tages werden wir nur noch gewisse fleischartige Produkte aus den Laboren auf den Tisch bekommen. Sozusagen das perfekte Schnitzel aus dem Reagenzglas. Doch solange wir nicht von Krebs geheilt sind, solange wir keine fliegende Autos in den Garagen haben und solange wir keine Nahrungsreplikatoren wie in Star Trek unser eigen Nennen, solange müssen wir auf die industrialisierte Form der „alten Praxis“ zurückgreiffen. Selbst die „Berufe“ sind nichts anderes als Spezialisierungen, weil der Mensch „keine Lust“ (?) hatte, alles und jedes zu können. So gibt es etwa KFZ-Mechaniker, die ihr Hackfleisch beim Metzger kaufen. Zwei spezialisierte Berufe, gegründet in unserer Gesellschaft. Der darauffolgende Absatz über die Vernunft kann ich dagegen kommentarlos lassen, der ist wahrlich und ernsthaft sehr vernünftig.

    So… nun ist mir der Appetit auf ein Blumenkohl vergangen. Ich will meine Leberwurst… aus echten Säuglingslebern 🙂 (SCNR)

    @Falk: Und ob es für uns natürlich ist, Fleisch zu essen, ist ohnehin mindestens fraglich.

    Haben wir gewisse Anzeichen, dass gewisse Körperteile für den Verzehr von Pflanzen und Tieren „geeignet“ sind ? Gewisse Enzyme für bestimmte pflanzliche und tierische Bestandteile ? Ja ? Gut, dann hat sich die Frage erledigt. Wir können nämlich beides verarbeiten, zweifelslos. Manch einer kommt sehr gut mit beidem zurecht, der andere ist nur Fast Food gewöhnt und verschlingt Fleisch im Überfluss. Der andere setzt dagegen auf Gemüse und Obst und blebt der grünen Bewegung treu. Wie man sieht, ist keine der drei „Religionen“ bis heute ausgestorben. Gut, sieht man sich den Körperumfang der Fast-Food Anhänger an, wird wohl eine gewisse Gruppe allerdings auf längere Sicht hin verschwinden 😉

    Fleischesser leben tendentiell ungesünder, sei es aus fleischinhärenten Gründen oder weil Vegetarier/Veganer mehr auf ihre Ernährung achten.

    Es kommt immer auf die Menge und die Ausgewogenheit an. Beide „Quellen“ bieten Elemente zur Verwertung an, keine der beiden bietet aber alles an. Jedenfalls nicht in ihrer natürlichen Form. Es werden sich immer Menschen finden, die sich zwar bis ins hohe Alter mir veganer Ernährung durchschlagen, aber an der einen oder anderen Ecke mit irgendwelchen Mangelerscheinungen zu kämpfen haben. Lebensgefährlich oder Bedrohlich sind sie aber nicht, nur können sie eben nicht den „100% alles intus“ Aufkleber auf ihr Leben pappen. Da sind aber die Vollfleisch-Anhänger keinesfalls besser dran. Ich behaupte, dass die sogar ungesünder leben, insbesondere wenn sie gar auf Obst & Co. komplett verzichten ! Mit Tiefkühlnahrung kommt man höchstens in der Frühphase des Studentenlebens über die Runden. Nach einiger Zeit merkt man aber die Mängel bestimmt selbst. Ob es der Körperumfang ist oder die ausfallenden Haaren, irgendwas haben alle extreme Gruppen gemeinsam 🙂

    Im übrigen denke ich, dass längst ein gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass zumindest Massentierhaltung und Fabrikschlachtungen wie die oben skizzierte moralisch verwerflich sind. Es mangelt zumindest in dieser Hinsicht “nur” an der nötigen Konsequenz der “Verbraucher”.

    Jep !! Gut finde ich die Tatsache, dass die Verbraucher sesibilisiert werden. Sachen wie die Vogelgrippe oder Skandale wie „Gammelfleisch“ halten den Leuten den Spiegel vor und zeigen, dass nicht alles im Supermarkt eine „lächelnde lila Kuh“ auf dem Cover trägt. Man macht sich mehr Mühe und kauft (teureres) Fleisch vom Bio-Hof mit besserer Tierhaltung und natürlich besser kontrollierte „Ware“ vom Fleischer des Vertrauens.

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  21. Doch nicht alle sind Vegetarier. Ich habe nur bedenken wen das Tier Gequellt wird. Oder Schächten das Religiöse Schlachten.

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  22. Selbst wenn: Was hat das mit der moralischen Frage nach dem Fleischkonsum zu tun?

    Und ob es für uns natürlich ist, Fleisch zu essen, ist ohnehin mindestens fraglich. Vermutlich ist das nicht der Fall, und der Fleischverzehr kam erst etwas später auf, weil er uns diverse Vorteile brachte. Die sind heute aber nicht mehr relevant, eher im Gegenteil – Fleischesser leben tendentiell ungesünder, sei es aus fleischinhärenten Gründen oder weil Vegetarier/Veganer mehr auf ihre Ernährung achten. Vegetarische und sogar vegane Ernährung ist heute jedenfalls überhaupt kein Problem mehr.

    Im übrigen denke ich, dass längst ein gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass zumindest Massentierhaltung und Fabrikschlachtungen wie die oben skizzierte moralisch verwerflich sind. Es mangelt zumindest in dieser Hinsicht „nur“ an der nötigen Konsequenz der „Verbraucher“.

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  23. ohne groß nachzudenken geht mir direkt durch den Kopf, ob wir denn überhaupt so drastisch von unserer Natur Abstand nehmen könnten? Damit mein ich das Dasein als „Allesfresser“. Ist Fressen und gefressen werden nicht normal?

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