Tuskegee-Syphilis-Studie


Wikipedia
Untersuchung im Rahmen der Tuskegee-Syphilis-Studie, Quelle:Wikipedia

Schockierende Fälle wie der Tod der 49 Kinder nach Medikamententests in einem indischen Krankenhaus sind in der Geschichte der Medizin nichts Neues: In den USA wurde Farbigen zu Studienzwecken von 1932 bis 1972 die Syphilis-Therapie verweigert. Von Werner Bartens – sz

Die schwarzen Baumwollpflücker aus Alabama erhielten freie Verpflegung, 100 Dollar und die Zusicherung, dass im Todesfall die Kosten ihrer Bestattung übernommen würden. Als Gegenleistung nahmen sie an einer Studie teil. Ärzte des US Public Health Service sagten ihnen, dass sie gegen „bad blood“ (schlechtes Blut) behandelt würden.

Die Erntehelfer wurden jedoch systematisch belogen, denn es gab keine Therapie für sie. Im Gegenteil, den Kranken wurde die Behandlung der Syphilis absichtlich verwehrt.

Die Syphilisstudie von Tuskegee – benannt nach der Kleinstadt in Alabama, in der die Farbigen lebten – ist ein besonders skrupelloses Beispiel medizinischer Forschung. Das Langzeitexperiment der US-Regierung wurde 1932 begonnen und erst 1972 beendet. 399 Männer, die an Syphilis erkrankt waren und 201 gesunde Männer, die als Kontrollgruppe dienten, wurden 40 Jahre lang beobachtet, um den „natürlichen“ Krankheitsverlauf der Syphilis zu studieren.

Neben der Diagnose wurde den Kranken deshalb jede Therapie vorenthalten – sogar dann noch, als von 1947 an Penicillin zur nebenwirkungsarmen Standardbehandlung wurde. Außerdem verhinderten die Ärzte, dass sich die ahnungslosen Probanden anderswo medizinische Hilfe holen konnten. Das perfide Experiment wurde jahrzehntelang mit Bundesmitteln gefördert und staatlich gedeckt. Vermutlich starben mehr als 100 Personen an den Folgen der Untersuchung.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.