Die Natur der Seele


Charles Darwin, Naturkundemuseum Berlin
Charles Darwin, Naturkundemuseum Berlin, Quelle:BrightsBlog

150 Jahre nach Darwin: Sobald es um den Kern unseres Ichs geht, ist uns die Theorie des britischen Biologen noch immer fremd.

Als Charles Darwin am 2. Oktober 1836 nach fast fünfjähriger Weltreise mit der „Beagle“ erstmals wieder Fuß auf englisches Festland setzte, stand er auch in seinem Kopf kurz davor, neuen Boden zu betreten. Er, der ehemalige Theologiestudent, er, der noch zum Zeitpunkt seiner Abreise mit dem Schiff geplant hatte, bei seiner Rückkehr eine Laufbahn als Landpfarrer einzuschlagen, er war nicht mehr der Gleiche. Zu viel hatte er unterwegs gesehen, zu viel eingesehen. In Darwin hatte sich etwas verwandelt. In ihm reifte und entfaltete sich bereits jener Gedanke, der sich wie kein anderer als korrosiv für unser herkömmliches Bild von Gott und der Welt erweisen würde.

Und von uns selbst: Darwins Denk-Revolution betrifft nicht nur die Entstehung der Natur und der Arten, die wir um uns herum sehen. Nein, sie betrifft uns, und zwar im Innersten: den Kern unseres Ichs. Unsere Seele.

Vor Darwin war es selbstverständlich, die Entstehung der Arten, Mensch inklusive, als Schöpfung eines Gottes, eines „intelligenten Designers“, zu sehen. Man wusste es nicht besser. Man konnte sich die Komplexität, die uns die Natur an allen Ecken und Enden präsentiert, nicht anders erklären.

Und der Erklärungsansatz, zu dem man in der Not griff, hatte ja auch Sinn! Alles Komplexe, das man aus der Kultur kannte, vom Schuh bis zur Kathedrale, war das Werk eines Schöpfers (Schuhmacher, Architekt), der weitaus intelligenter war als sein „Geschöpf“. So musste es auch mit der Natur und nicht zuletzt mit uns selbst sein: Auch der Mensch musste von etwas geschaffen worden sein, das noch viel cleverer als der Mensch selber war – Gott.

Darwin stellte diese Erklärung auf den Kopf. Er sah, dass es auch anders, ja sogar umgekehrt ging: Ein stupider Vorgang namens Evolution konnte so etwas wie Intelligenz hervorbringen. Die Evolution machte möglich, was die meisten für unmöglich gehalten hatten: Design ohne Designer, Geschöpfe ohne Schöpfer, Intelligenz ohne höhere Intelligenz.

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