Recht auf Dummheit


Er durfte die Wahrheit sagen.
Schneider gibt den Narren: "Er durfte die Wahrheit sagen."

Über die Irrtümer der Esoterik – OÖNachrichten.at

Das ist neu: Ein überzeugter Esoteriker, der der Szene die Leviten liest. Der deutsche Naturwissenschafter und Esoterik-Insider Wolf Schneider war einst buddhistischer Mönch und gibt seit 23 Jahren ein Esoterik-Magazin heraus. Jetzt hat er ein Buch über die esoterischen Irrtümer geschrieben.

OÖN: Beginnen wir bei A wie Astrologie. Wissen Sie, was heute in Ihrem Horoskop steht?

Schneider: Nein.

OÖN: Als Esoteriker lesen Sie Ihr Horoskop nicht?

Schneider: Nein. Es interessiert mich auch nicht. Ich bin früher frisch und frei an die Astrologie herangegangen und habe mir ein Geburtshoroskop machen lassen, was ich toll fand, weil ich mich darin wiedergefunden habe. Einen Monat später ist mein Astrologe draufgekommen, dass ihm ein Fehler unterlaufen ist, und er hat das Horoskop noch einmal gemacht. Ich war wieder begeistert. Zudem war ich damals Schüler eines spirituellen Meisters. Wir dachten, die Initiation in diese Lehre sei wie eine Neugeburt, weshalb es wieder ein neues Geburtshoroskop geben müsse. Ich habe mir das machen lassen und habe mich wieder darin gefunden. Fazit war: Man kann mir alles hinlegen – wenn ich mich nur tief genug da hineinbegebe, finde ich mich selbst wieder.

OÖN: Warum sind ausgerechnet Sie – als Herausgeber eines Esoterik-Magazins – zum Kritiker der Esoterik geworden?

Schneider: Ich bin seit 32 Jahren in der Esoterik-Szene drin, seit 23 Jahren Herausgeber dieses Magazins. Täglich kommen mir Texte auf den Tisch, Leute durch die Tür. Das muss eigentlich bei jedem intelligenten Menschen in einer Ernüchterung enden.

OÖN: Wie lässt sich Esoterik definieren?

Schneider: Esoterik wird gängig verstanden als etwas, das mit Geheimnissen und Magie zu tun haben soll, als religiöser Mischmasch mit Egozentrik und Wahrsagerei. Aber die Esoterik-Szene ist breit. Da gibt es Leute, die das sehr ernst nehmen und tief gehen. Vor denen habe ich großen Respekt. Die gehören allerdings nicht zur großen Grundströmung der Pop-Esoterik, in der es einen Jargon gibt mit einer gewissen unkritischen Gläubigkeit. Da wird gesagt: „Es gibt keine Zufälle“ oder „Alles ist Energie“ etc.

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5 Comments

  1. Ich bin bei meinem ersten Posting irrtümlich davon ausgegangen, der Osho-Jünger Sugata hätte sich endlich von diesem Eso-Geschwurbel distanziert. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Dieser Schneider erinnert an diese Berufs-Astrologen, die die Zeitungs- und Zuckerwürfelhoroskopie madig machen, um selber als umso seriöser dazustehen. Igitt!

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  2. Sehr interessant und befreiend.

    Zu was animieren uns diese Nachrichten?

    Werden wir wieder sozialer und hören auf mit den Egotrips der alleinigen Erlösung?

    Herr Schneider beschreibt sehr schön, wie es einer reinen Seele geht. Sie kann sich eben mit allem identifizieren. Ist damit dann eine Weile beschäftigt und kann es in aller Ruhe und mit Humor beiseite legen.
    „Um sein Nichtwissen wissen ist eben das Höchste.
    Um sein Wissen nicht wissen ist krankhaft“

    Oder wie eine Kollegin bei geistig behinderten Kindern oft rief: „Gott ist mit die Doofen“
    Wir werden eben wie Lämmer unter die Wölfe geschickt. Da kann man nichts machen ce la vie!

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  3. Wolf „Sugata“ Schneider in der Headline als Naturwissenschaftler zu bezeichnen halte ich für ziemlich übertrieben.

    Vieles was er im Interview aber von sich gibt hat er wohl richtig erkannt, dennoch bleibt zunächst der Geruch von Halbherzigkeit, die viele Aussteiger dieser Szene befällt.
    –>Zitat:“Aber die Esoterik-Szene ist breit. Da gibt es Leute, die das sehr ernst nehmen und tief gehen. Vor denen habe ich großen Respekt.“

    Vielleicht gibt sich das aber noch mit der Zeit, immerhin war er recht lange dabei…

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