Große Gehirne fördern die Evolution


Größenvergleich der Gehirne verschiedener Säugetiere Quelle: University of Wisconsin and Michigan State Comparative Mammalian Brain Collections and the National Museum of Health and Medicine.

Prof. Axel Meyer, Ph.,D.,Evolutionsbiologe und Zoologe, Universität Konstanz

Offensichtlich sind einige Tiergruppen evolutionär erfolgreicher als andere – obwohl es umstritten ist, wie man „Erfolg“ in der Evolution überhaupt definieren soll. Der Biologe J.B.S. Haldane unterstellte Gott mit einem Augenzwinkern eine Vorliebe für Käfer, denn keine andere Gruppe von Organismen sei so artenreich.
Eine andere Messlatte für Erfolg ist aber nicht Artenreichtum, sondern das Ausmaß und die Geschwindigkeit äußerlicher Evolution, also die Frage, wie sehr sich Arten in einer Gruppe voneinander unterscheiden.

Schon vor genau 25 Jahren schlug mein Professor in Berkeley, der Biochemiker Allan C. Wilson, vor, dass bei „höheren“ Wirbeltieren die Verhaltensflexibilität eine entscheidende Rolle für evolutionären Erfolg spielt. Diese Idee wurde „Behavioral drive“-Hypothese genannt. Der „Verhaltensantrieb“ sollte etwa erklären, warum Vögel evolutionär erfolgreicher sind als Amphibien. Die Theorie war jedoch sehr umstritten und wurde wieder vergessen.
In den 25 Jahren nach Wilsons Studien konnten Vergleiche zwischen vielen Arten zeigen, dass Gehirngröße und Verhaltenskomplexität eng gekoppelt sind. Nun haben Daniel Sol von der Autonomen Universität Barcelona und Trevor Price von der Universität von Chicago in der Fachzeitschrift „American Naturalist“ einen Artikel veröffentlicht, in dem sie den Verhaltensantrieb als starke evolutionäre Kraft wiederauferstehen lassen.

Im Vergleich von 120 verschiedenen Vogelfamilien mit über 7 000 Arten von Vögeln konnten sie nachweisen, dass die Gehirngröße der Tiere einen großen Teil der Unterschiede zwischen den Arten innerhalb einer Familie erklärt. Soll heißen, klügere Vögel mit überdurchschnittlichen großen Gehirnen haben sich mehr und schneller verändert als solche mit kleineren Gehirnen. Die Gewinner waren Spechte, Hornvögel, Eulen, Papageien und Krähen.

Nebenbei bemerkt, auch wenn der Titel der Zeitschrift – „American Naturalist“ – eher wie das Fachblatt der Nudistenbewegung Amerikas klingt, so ist sie doch eine der renommiertesten Zeitschriften der Evolutionsbiologie, und diese Daten sind statistisch solide.


Ausgezeichnet

Axel Meyer wird mit dem Kommunikationspreis der „European Molecular Biology Organization“ ausgezeichnet.
EMBO, eine von 27 Staaten finanzierte Forschungsförderungsorganisation, würdigt damit, dass Meyer „komplexe Wissenschaftsthemen auf verständliche und anregende Weise vermittele“.

1 Comment

  1. Ja Krähen… hab neulich irgendwo was drüber gelesen. Eiune Studie soll gezeigt haben das Krähen sich verdammt gut menschliche Gesichter einprägen können.

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