Zwischen Popper und östlicher Weisheit


Henry Corbin (1903-1978)
Henry Corbin (1903-1978)

Die Philosophie in Iran sucht eigene Wege

Das philosophische Denken in Iran ist seit langem vom direkten Austausch mit westlichen Kollegen mitgeprägt. Daneben versucht man auch das Erbe der eigenen geistigen Tradition zu pflegen.

Alessandro Topa- NZZ

Von iranischer Philosophie ist – auch in Iran – oft in westlichen Kategorien die Rede. Der Diskurs der Gegenwart etwa wird als ein solcher zwischen antimodernistischen Heideggerianern und säkularen Popperianern konzipiert. Im renommierten Teheraner Iranian Institute of Philosophy hält man indessen wenig von Moden und viel von klassischen Modi des Philosophierens.

Corbin ist einer der wenigen westlichen Namen, die sich nach der Islamischen Revolution noch auf einem Teheraner Strassenschild finden. Folgt man der Strasse, so gelangt man bald zum Eingang des Iranian Institute of Philosophy (IRIP), wo der grosse französische Philosoph Henry Corbin (1903–1978) lehrte. Am Pförtnerhäuschen vorbei fällt der Blick auf einen Park mit Birken, Springbrunnen und zwei Villen aus dem 19. Jahrhundert. In diesem Paradies nach altpersischem Geschmack hält es der Geist gewiss gut bei sich selbst aus.

Asymmetrisches Interesse

Während der Präsidentschaft des Reformers Khatami trafen oft philosophische Gesandtschaften in Teheran ein, um über Demokratie und Menschenrechte zu diskutieren. Dass sich im Rahmen solcher Veranstaltungen auch das fundamentalistische Establishment im sanften Licht kultivierter Weltoffenheit präsentieren konnte, während Zeitungen verboten, Dissidenten inhaftiert und Schriftsteller ermordet wurden, produzierte unüberhörbare Störgeräusche in einem «Dialog der Zivilisationen», der kaum je seine Voraussetzungen reflektierte. Angesichts der Bildung seiner Gesprächspartner musste Jürgen Habermas 2002 immerhin eine «Asymmetrie der Verständigungsverhältnisse» diagnostizieren, insofern als die Iraner den Diskursen westlicher Philosophen wesentlich mehr Interesse entgegenzubringen schienen als diese den iranischen.

weiterlesen

2 Comments

  1. … vielleicht geht dieser Dialog der Kulturen sogar ein wenig auf den west-östlichen Diwan zurück. So mag der Anlass des NZZ-Artikels vielleicht auch in Goethes Geburtstag liegen.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.