Beruf „Islamkritiker“


Ein Sympathisant. (Getty Images)

VON HILAL SEZGIN – Frankfurter Rundschau

Im Nachhinein haben natürlich alle die Gefahr schon immer gesehen. NACH diesem Wochenende war bereits VOR diesem Wochenende die ganze bürgerliche Öffentlichkeit geschlossen gegen „pro Köln“. Und nicht nur das: Sie findet auch entschiedene Worte für diese Bewegung – fast sind es Schimpfworte, die man sonst eher im autonomen oder sehr linken Spektrum vernimmt: In den Radiosendungen und Zeitungen vom Montag hießen die Anhänger von pro köln jetzt nicht nur „Rechte“, sondern auch „Faschisten“, nicht nur „Nazis“, sondern „braune Soße“, „ewig Gestrige“ und „Halunken“. Die Gesichter von Nachrichtensprechern und Politikern verziehen sich vor Ekel bei der Vorstellung, dass so etwas Braunes auf geheimnisvollen Schleichwegen wieder ins schwarz-rot-goldene Land gefunden hat.

Dabei mussten die doch gar nicht auf Schleichwegen einwandern, jedenfalls nicht, bevor sie diesen Rheindampfer bestiegen – die Bewegung wuchs und wächst vor aller Augen in diesem Land! Dieselben Bürger, die jetzt missbilligen und erschaudern, denken in Bezug auf Moscheebau und Islamgefahr ja insgeheim dasselbe. In der Vergangenheit haben sie zwar immer wieder eingeräumt, dass sich die Bundesrepublik mit dem Grundgesetz leider in die missliche Lage gebracht habe, auch die Ausübung nichtchristlicher Religionen dulden zu müssen; die Sache behagte ihnen trotzdem nicht, und oft genug hörten wir die Bürger maulen: „Müssen diese Minarette denn wirklich gar so hoch sein…?“

Vergessen also all diese Klagen – jetzt dreht man sich plötzlich um und zeigt mit dem Finger auf die Braunen: „Pfui Teufel, wie kann man nur!“ Doch Islamophobie, das kann inzwischen jeder. Oder zumindest jeder zweite. Jeder zweite in Deutschland offenbarte auf entsprechende Befragung hin islamfeindliche Einstellungen, gab letzte Woche das Pew Research Center in Washington bekannt. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen in den vergangenen Jahren auch schon so unterschiedliche Forschungseinrichtungen wie die Gruppe um Wilhelm Heitmeyer und das Allensbacher Institut. Kaum ein Deutscher, der beim Stichwort „Islam“ nicht sofort an Intoleranz und unterdrückte Frauen denkt – ganz egal, wie viel ihm Toleranz und Feminismus ansonsten bedeuten.

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17 Comments

  1. Also entweder ist man für Aufklärung, dann kann man nicht gleichzeitig für den Islam sein – oder man ist eben dagegen…

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  2. Ich würde denen die Erlaubnis erteilen ihre Moschee direkt auf der Domplatte zu bauen, gleichberechtigt neben den Katholen, natürlich mit der Auflage die Minarette nicht höher als die Spitze des Doms zu bauen.

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  3. @Nickpol, Arrowman: Weil es sich um Religion handelt, ist das prinzipiell unproblematisch, dass die einen Riesenpropagandatempel mitten in Köln bauen, wäre es eine Partei, würde sie verboten werden.

    Der Autor schrieb:
    „Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als Demokratie“ stimmen 46,7 % zu.

    33,6 % befürworten die Todesstrafe und nach Auffassung von 65,5 % der Befragten sollte der Staat Zeitungen und Fernsehen kontrollieren, um Moral und Ordnung sicher zu stellen.

    44,3 % gehen davon aus, dass Muslime, die im bewaffneten Kampf für den Glauben streben, ins Paradies kommen.“

    Dann solltet Ihr Euch gleich schon mal überlegen, ob die Anhänger Odins in Form des Artglaubens dann den Gleichheitsgrundsatz für sich in Anspruch nehmen können?

    Man ersetze:
    – Gebote der Religion durch Gebote des Führers oder man lasse die Gebote der Religion durch den Führer aufstellen.
    Die können dann auch einen 55 m hochen Artglaubenstempel erbauen?

    Eine Freiheit, die da keine Grenzen kennt, wo eben diese Freiheit nicht anerkannt wird, findet schnell ein Ende, siehe Weimarer Republik.

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  4. @Max Headroom

    Die Missionierungsgeschichte des Christentums und wie blutig sie war ist mir geläufig. Worauf ich hinaus will, ist das die an „Weihnachten und zur Hochzeit schau ich mal in eine Kirche rein“-Gänger, die hier in DE eine sehr große Gruppe darstellen (Wenn man nicht gerade in einem Kaff in Bayern wohnt). Sicher nicht, wenn sie im Ausland ein neues Leben beginnen, plötzlich auf die Idee kämen dort Kirchen zu bauen.

    @nickpol
    Ja, ich sehe keine Nudeltempel oder World-of-Warcraft-Tempel oder Diskordianismustempel oder Trekkie-Tempel in diesem Land, wobei all diese Philosophien und HOBBIES gleichwertig mit den religiösen Ideologien die Sinnsuche erfüllen. Höchstens Conventions und „Wallfahrtsorte“ fürn diese Subkulturen und Hobbies.

    Ich sehe vorallem Moscheen und Kirchen die von zwilichtigen Fakultäten, Vereinen, Politikern aus dem Vatikan oder der Türkei zu deren Einflussnahme konzipiert wurden.
    Das macht sie ja so gefährlich und überhaupt existent, mehr als nur „Wallfahrtsorte“ sein zu wollen und eine politische Lobby zu haben.

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  5. „Dies ist ihr gutes REcht, ebenso wie mein geplanter FSM-Tempel mit Nudelküche und sonntäglicher Zelebrierung einer Biervulkanexplosion neben dem Friedhof.“

    Bitte, lasst uns das machen, da wär ich gern mal dabei.

    😉

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  6. „Unsere Gesellschaft hat der Islamisierung nichts entegen zu setzen. Die Moschee wird gebaut und zwar so, wie sich die Moslems und Islamisten das träumen.“

    Dies ist ihr gutes REcht, ebenso wie mein geplanter FSM-Tempel mit Nudelküche und sonntäglicher Zelebrierung einer Biervulkanexplosion neben dem Friedhof.

    Alles erlaub, solange Lärmschutz oder inmeinem Fall GAstronomiegesetze beachtet werden.

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  7. Moscheen sind nicht nur religiöse, sondern auch politische Einrichtungen. Mit ihnen signalisiert ein bestimmter Mullah oder ein Staatsoberhaupt, dass ein Gebiet zu seinem Herrschaftsbereich gehört. Wie ein Hund, der in einem neuen Garten an die Bäume pisst.

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  8. @Rudolfos
    Gerade das Christentum hat zu aller erst missioniert und Kirchen gebaut. Sie sind auf fremden Kontinenten gelandet und haben sofort mit der Christianisierung begonnen. Diese Fakten sind historisch belegt und vielfältig im Internet zu finden. Dabei ist völlig wurscht was „liberale“ Christen denken und tun würden, in der Regel tun eben die „anderen Christen“ etwas.
    Die Muslime gehören schon seit Jahrhunderten zur europäischen Kultur, also, so ganz neu sind die nicht hier.
    Noch so ein Klischee, Kreationisten müssen nicht a priori konservativ sein. Zwischen Schwarz und Weiß können Millionen Grautöne liegen.
    Mich stören auch Glockengeläut, hohe Kirchtürme, Bettelstände von sogenannten charitativen Einrichtungen, Mormonen, Zeugen Jehovas quatschen mich an und wollen ihre Botschaft an den Mann bringen. Scientology macht sogar Persönlichkeitstests auf der Straße. Und, wen kümmerts? Nimmt irgendeiner von den Pfaffen, Politikern usw. Rücksicht auf meine atheistische Lebenseinstellung? Keiner, also, gleiches Recht für alle, Hindu-Tempel, Synagogen, Kirchen und von mir aus auch Moscheen.

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  9. @Rudolfos
    „Würden die Christen die ihr kennt wenn sie nach Japan reisen gleich eine Kirche bauen?“

    Die Missionierung Japans hat es tatsächlich gegeben. Leute mit „christlichem Hintergund“ schipperten zur Insel und wollten dem zuständigem Kaiser (und Gott!) die Wohlgefälligkeit des allmächtigem Vater des Wüstenjesus näher bringen. Das Resultat kann man heute in Japan erleben. Die weisse Hochzeit in prunkvollem Gemäuer wurde gern angenommen, der Rest verpuffte irgendwann einmal im Nirvana.“Gläubig im Sinne des Christentums“ kann man die Japaner ganz sicher nicht nennen 😉 Zwar gibt es auch da gewisse „strenggläubige“ Mitmenschen, aber der wahre Großteil des Landes befolgt die katholische Lehre in etwa genauso konsequent, wie wir Deutsche den Shintoismus und Polytheismus sehen… nämlich überhaupt nicht 😛

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  10. „Menschen die Gott in ihrem Herzen tragen, haben Gewissheit, sie benötigen keine Mauern und Häuser aus kaltem Stein mit Götzenbildern und Kanzeln.“

    Ich bin zwar Atheist aber dieser Satz ist für mich am Sinnvollsten.

    Was sind das für Menschen die in ein fremdes Land kommen und dort gleich Tempel errichten wollen für ihre Ideologie?
    Würden die Christen die ihr kennt wenn sie nach Japan reisen gleich eine Kirche bauen? Würden das „liberale Christen“ wirklich tun? – Eher die Kreationisten, die Konservativen aus einem Hinterkaffort.

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  11. Unsere Gesellschaft hat der Islamisierung nichts entegen zu setzen. Die Moschee wird gebaut und zwar so, wie sich die Moslems und Islamisten das träumen.

    Allenfalls wenn jemand einen Tanklaster Schweineblut in die Moschee pumpt, wird das Ding wieder abgerissen werden.

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  12. Der Islam ist fehlerlos und wer das bezweifelt, ist „islamophob“, oder wie soll man diesen Artikel verstehen? Und was heißt hier „Vorurteile“?

    43,3 % [der deutschen Muslime] sind der Ansicht, dass Menschen, die den Islam modernisieren, die wahre Lehre zerstören.

    Der Aussage „Der Islam ist die einzig wahre Religion“ stimmen 65,6 % „völlig“ (53,4 %) oder „eher“ (12,2 %) zu.

    71% sehen die Sexualmoral der westlichen Gesellschaften als völlig verkommen an.

    Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als Demokratie“ stimmen 46,7 % zu.

    33,6 % befürworten die Todesstrafe und nach Auffassung von 65,5 % der Befragten sollte der Staat Zeitungen und Fernsehen kontrollieren, um Moral und Ordnung sicher zu stellen.

    44,3 % gehen davon aus, dass Muslime, die im bewaffneten Kampf für den Glauben streben, ins Paradies kommen.

    Harmut Krauss kommt zu dem Ergebnis:

    „In diesem Sinne stellt der (zusätzliche) Migrationsimport einer großen Zahl von Menschen mit einer religiös-rechtsextremistischen Grundgesinnung und einem desintegrativen Sozialisationsstil ein zukünftiges gesellschaftspolitisches Kernproblem dar, das von der deutschen Öffentlichkeit bislang noch völlig unzureichend begriffen und behandelt oder aber anders ausgedrückt: politisch korrekt beschwiegen wird.“

    Ein Urteil angesichts eindeutiger Positionen aus dem Mund deutscher Muslime ist kein Vorurteil.

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