Der Ethikunterricht ist unverzichtbar


Trennt die Schüler nach Konfessionen!
Trennt die Schüler nach Konfessionen!

KOMMENTAR VON KIRSTEN WIESE – taz

Am Montag beginnt die Initiative „Pro Reli“ im Rahmen eines Berliner Volksbegehrens Unterschriften für einen regulären Religionsunterricht in der Hauptstadt zu sammeln. An Berlins Schulen will sie ihn künftig zum versetzungsrelevanten Wahlpflichtfach aufgewertet wissen.

Bislang können katholische und protestantische Schüler einen je eigenen Religionsunterricht nur als zusätzliches Schulfach belegen. Das bisherige Pflichtfach Ethik dagegen soll, ginge es nach Pro Reli, zur Alternative degradiert werden für all jene, die nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen wollen.

Hinter dieser Debatte steht die Frage, welches Verhältnis Staat und Schule zur Religion haben sollen. Keine Frage – Religion ist vielen Menschen in Deutschland weiterhin wichtig. Auch können religiöse Institutionen ein Korrektiv zu staatlicher Macht und ungebremster Ökonomisierung der Lebensverhältnisse bilden, wie Robin Mishra kürzlich an dieser Stelle angemerkt hat (taz vom 12. 9. 08). Deshalb sollte der Staat die religiös-weltanschaulichen Interessen seiner BürgerInnen ernst nehmen und die Religionsgruppen – und andere Weltanschauungsgemeinschaften – fördern, soweit es die deutsche Verfassung erlaubt.

Die Bundesrepublik tut das, und auch das Land Berlin bildet hier keine Ausnahme: Es stellt den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften die Klassenräume für ihren bekenntnisgebundenen Unterricht zur Verfügung und kommt für 90 Prozent der entstehenden Personalkosten auf. In Berlin machen davon gegenwärtig neben den Katholiken und Protestanten, Muslime, Buddhisten und Humanisten Gebrauch.

Daran hat sich nichts geändert, seit im Jahr 2006 das neue Pflichtfach Ethik eingeführt wurde. Wenn seitdem weniger SchülerInnen den freiwilligen Religionsunterricht besuchen als zuvor, mag man das bedauerlich finden. Doch der Rückgang ist gemessen am Rückgang der Gesamtschülerzahl gering. Angesichts eines ohnehin sehr vollen Stundenplans ist der Verzicht auf weitere Schulstunden verständlich und stellt keine Diskriminierung dar. Denn der Staat ist nicht gehalten, auf die Vermittlung eigener Erziehungsziele zu verzichten, nur um den Kirchen optimale Unterrichtsbedingungen zu einzuräumen.

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2 Comments

  1. Wenn überhaupt Religion als Wahlpflichtfach aufgewertet werden soll, dann bitte schön soll es der alternative Ethikunterricht auch sein.

    Zu meiner Zeit gab es diese Alternative nämlich überhaupt nicht, was ich als großen Fehler im Bildungssystem verstehe.

    Und zum Thema „Verhältnis Staat und Schule zur Religion“ … bitte nicht in einen Topf werfen.

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  2. ProReli, ProKöln, ProLife……

    ….diese ganzen Pro-Organisation gehen mir zunehmend auf den Sack.

    Sie sind kein Teil der Lösung, sondern nur bestenfalls ein Symptom des Problems.

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