Glaubt an Amerika!


Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University. (FR)
Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University. (FR)

Frankfurter Rundschau

Ich sorge mich, dass Europa und Asien nicht religiös sind. Nicht, Gott behüte, aus Sorge um Eure abtrünnigen Seelen, sondern weil der Kapitalismus eine glaubensbasierte Institution ist – die nebenbei noch meine kleine Rente sichert.

Schon im Ansatz verlangt Kapitalismus Glauben: Du musst daran glauben, dass deine Anlage aus dem Grabe aufersteht und mit Profiten gen Himmel fährt. Aber seit 1971 erfordert der globale Kapitalismus eine geradezu fundamentalistische Hingabe. Um für den Vietnam-Krieg zahlen zu können, druckte Amerika mehr Dollar, als Gegenwert in Gold vorhanden war. Deswegen entkoppelte Nixon den Dollarpreis vom Goldbarren.

Seitdem akzeptieren Europa und Asien Dollar allein aus Glaubensgründen: 9,4 Billionen an dollar-notierten Sicherheiten steckten zu Jahresbeginn in fremden Händen, abgesichert mit nichts als dem Glauben an Amerika. Amen.

Dieser unverbrüchliche Glaube löste in Amerika das gleiche aus wie in der Kirche zu ihren besten Zeiten: Habgier, Trägheit, und Korruption. Amerika hat, mit einer Ausnahme, in jedem Jahr seit 1982 mehr konsumiert, als es produzierte, und auf diese Weise einen Schuldenberg von 6,7 Billionen Dollar angehäuft. Doch verliert den Glauben nicht. Amen

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6 Comments

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  2. @Gwendolan

    Bin ganz Deiner Meinung. US-Amerikas illusionäres Selbstverständnis als „God´s Own Country“ bringt sich durch seinen Pogo-Tanz um´s goldene Kalb des Kapitals selbst zu Fall.

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