„Renaissance der Religionen“


The Four Horsemen
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Zweierlei Religionskritik

KOMMENTAR VON RUDOLF WALTHER -taz

Was es mit der viel beschworenen „Renaissance der Religionen“ auf sich hat, weiß niemand so genau. Nur, dass es in jeder Buchhandlung zwischen „Diät“ und „Esoterik“ eine Abteilung „Religionen“ gibt, lässt sich ebenso leicht überprüfen wie die Tatsache, dass sie ständig wächst. Mit der Religion aber blühte seit der Antike immer auch die Religionskritik. In Platons „Kritias“ wird beklagt, dass die Menschen „entarten“, wenn sie die „von dem Gotte herrührenden Bestandteile ihres Wesens“ verleugnen. Im Alten Testament dagegen polemisiert Jeremia gegen den Götzendienst: „Sie hauen im Walde einen Baum, und der Werkmeister macht Götter mit dem Beil und schmückt sie mit Silber und Gold.“

Die moderne Religionskritik entstand im 18. Jahrhundert im Zeichen der Aufklärung und äußerte sich auf zweierlei Weise: frivol oder intellektuell anspruchsvoll. Der intellektuell anspruchsvollen Religionskritik der Aufklärung ging es weder um eine Verdammung noch um eine Beschimpfung der Religionen. Sondern darum, eine Grenze zwischen Glauben und Wissen zu ziehen – also Wissen vor religiösen Übergriffen abzusichern und zugleich dem „Glauben Platz“ (Kant) zu machen. Die Bedeutung und den Stellenwert der Religionen bestritt diese Religionskritik nicht. Sie hätte mit einem solchen Beweisgang ihre auf Erfahrung und verallgemeinerbare Moralgesetze gestützte Selbstbegrenzung überschritten. Die frivole Religionskritik dagegen erschöpfte sich in wüsten Beschimpfungen und zuweilen pornografischen Pamphleten gegen die sittliche Verkommenheit des Klerus, insbesondere von Mönchen und Nonnen. Diese Pamphlete sind heute nur noch von kulturgeschichtlichem oder literarischem Interesse.

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7 Comments

  1. Nach Walthers Verweisen auf Habermas könnte folgender Artikel interessant sein:

    zeit.de/2007/48/Habermas
    Paolo Flores D’Arcais: Elf Thesen zu Habermas

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  2. „Zum 1000sten Mal: Dawkins = böse; anspruchsvolle Religionskritik findet Religion super, blablabla.“

    Ja Natürlich!
    Hast du erwartet, dass jetzt auf einmal rationale Argumente kommen?
    Mehr als Verleumdungen wiedergeben kann der Journalist auch nicht. Das würde aufwendige Recherche erfordern, bzw das Lesen der Kritisierten Werke. Das Niveau von Dawkins ist definitiv höher als das von Broder. Sloterdijk hab ich nicht gelesen. Aber ich würde mich doch sehr wundern, wenn sein Niveau so niedrig ist. Insgesamt habe ich mich aber auch ziemlich über den Artikel geärgert. Naja Ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe der taz. Dazu ist deren Qualität zu gering. Sie sind mir schon mehrfach dadurch aufgefallen auf Propaganda hineinzufallen (oder sie vorsätzlich(?) zu verbreiten). Dafür zahle ich kein Geld.

    Zurück zum Artikel: Die anspruchsvolle Religionskritik ist halt so anspruchsvoll, dass mancher Journalist gar nicht merkt, wie die Religion dort völlig zerlegt wird. Aber wer will schon Albert, Mackie oder Hörster lesen – ganz zu schweigen von Feuerbach und Hume – wenn er doch Religion gut finden will.

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  3. Wie ich schon bei der taz selbst als Kommentar zum Artikel schrieb: ich kann nur heftig staunen, dass Rudolph Walter tatsächlich meint, dass die Werke von Sloterdijk und Dawkins NOCH SIMPLER gestrickt sind, als die Wortmeldungen eines Wagner oder Broder. Das ist wirklich heftig und ich will wohlmeinend sein und ›glauben‹, dass dies nur ein Schlamperirrtum in der Argumentation ist. Aber auch sonst macht der Artikel keine gute Figur (abgesehen vom prinzipiell löblichen Aufruf, Toleranz zu üben und aufzupassen, ›die Dummen‹ nicht mit Ätz und Schimpf gegen die von ihnen geliebten ›ewigen Werte‹ soweit zu verstören und verschrecken, dass diese sich zu Sensen- und Fackelschwingenden Mobmassen zusammenrotten).

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  4. Wie kann man bloß Habermas zitieren? Sowieso ein hirnloser Artikel. Zum 1000sten Mal: Dawkins = böse; anspruchsvolle Religionskritik findet Religion super, blablabla.

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  5. Ich kann Herrn Walters Kommentar zwar gut folgen, aber leider blieb er meiner Meinung nach sehr oberflächig. Erst zum Schluß kamen (für mich) interessante Blickwinkeln zum vorschein. Das meiste war mir allerdings schon vorher bekannt bzw. hatte ich mir schon vorher selbst ein Bild machen können. Zum Beispiel ist es nicht verwunderlich, dass es zweierlei Religionskritik gibt: die „intellektuell anspruchsvolle“ und die „frivole“. Vergessen hat er aber, dass die Grenzen dieser „zwei Arten“ sehr fließend sind und man z.Bsp. mit einer intellektuell anspruchsvollen Schreibart auch schnell „frivole Kritik“ bis hin zum Hass selbst provozieren kann.

    Aber ansonsten ist es ein gleichgewichtiger Kommentar gewesen und „schwimmt“ gut auf der Oberfläche der Thematk mit, mitsammt ihrer Ecken und Kanten. Habe schon schlimmeres erlebt 😉

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