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Das Buch erscheint am 30. September im Carl Blessing Verlag  © KarL Blessing Verlag
Das Buch erscheint am 30. September im Carl Blessing Verlag © KarL Blessing Verlag

Von Ulrich Schnabel | © DIE ZEIT

Was ist die Seele? Das fragen neuerdings auch Mediziner und Hirnforscher. Sie finden zwar nichts Materielles, liefern aber dennoch Antworten. Ein Auszug aus »Die Vermessung des Glaubens«

Wohl alle Menschen, die im christlichen Glauben erzogen sind, machen sich im Laufe ihres Lebens Gedanken über die Seele. Was soll man sich darunter um Himmels willen vorstellen? Wo wäre sie zu verorten? Und ist sie wirklich unsterblich?

Auch Duncan MacDougall wird Anfang des 20. Jahrhunderts von solchen Fragen umgetrieben. Der Mediziner aus dem kleinen Städtchen Haverhill im US-Bundesstaat Massachusetts belässt es allerdings nicht bei Spekulationen. Er ist überzeugt: Wenn es die Seele gibt, muss es möglich sein, sie mit wissenschaftlichen Methoden nachzuweisen. Und so unternimmt MacDougall den wohl aufwendigsten Versuch der Wissenschaftsgeschichte, die Frage nach der Seele empirisch zu lösen.

Er geht dabei von der Überlegung aus, dass die Seele beim Tod eines Menschen dessen Körper verlässt. Folglich sollte dieser beim Sterben leichter werden. Gedacht, getan. Auf eine große Balkenwaage, wie sie auch Gemüsehändler benutzen, montiert der Arzt im Krankenhaus von Haverhill ein Holzgestell, auf das er ein komplettes Gitterbett stellen kann. Am 10. April des Jahres 1901 schließlich schlägt seine Stunde. Denn an diesem Tag liegt in Haverhill ein Tuberkulosekranker, der zugestimmt hat, der Wissenschaft zu dienen, im Sterben. Um 17.30 Uhr wird er in das Bett gelegt, und MacDougall beginnt, penibel jede Veränderung zu protokollieren. Schließlich, um 21.10 Uhr, tritt der Tod ein. »Genau mit der letzten Bewegung seiner Atemmuskeln und im selben Moment mit der letzten Bewegung seiner Gesichtsmuskeln fiel das Ende des Waagebalkens auf die untere Begrenzungsmarke und blieb dort, ohne zurückzuschnellen, wie wenn ein Gewicht vom Bett weggenommen worden wäre«, notiert der Arzt. »Um die Waage wieder auszugleichen, war später das Gewicht von zwei Silberdollar nötig, die zusammen ¾ Unzen wogen.«

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