Von Amts wegen katholisch


Farina Törmer.
Zur Katholikin wurde sie per Lohnsteuerkarte: Farina Törmer.

Ihre Lohnsteuerkarte machte Farina Törmer von einem Tag auf den anderen zur Katholikin. Die nie Getaufte hatte ihre liebe Not, dem Amt das Gegenteil zu beweisen.

von Farina Törmer – ksta.de

Ich hätte nie geahnt, dass eine einfache Lohnsteuerkarte mein Leben so verändern würde. Dieses unscheinbare, senforangefarbene Stück Pappe wurde mir auf meinen Anruf hin von der Stadt zugeschickt, da ich es für ein Praktikum benötigte. Ein paar Tage nach meinem Anruf war die Karte auch schon da, und ich steckte das Ding in eine Schublade, ohne es mir genauer anzusehen. Was sich später als Fehler herausstellte . . .

Als das Praktikum näher rückte, holte ich die Karte wieder zum Vorschein – und stutzte. Das Finanzamt stimmte, die Steuerklasse stimmte, die Freibeträge stimmten – nur unter dem Vermerk „Kirchensteuerabzug“, stand dick das Kürzel „RK“.

Geschockt

Eigentlich hatte ich dort einen simplen Querstrich erwartet. Ich bin nämlich nicht getauft und gehöre keiner Religion an. Aber RK? Was war das denn? Ich fragte einen Bekannten um Rat, der sofort einen Lachanfall bekam. „RK“, sagte er, „bedeutet römisch-katholisch.“

Ich war geschockt. Das konnte doch unmöglich sein. Ich und katholisch? Das ist bestimmt ein Tippfehler, dachte ich mir, und rief bei der Stadt Leverkusen an. „Nein, Sie stehen bei mir seit Ihrer Geburt als katholisch im System, tut mir Leid“, erzählte der Mann am Telefon so fröhlich, als hätte ich gerade im Lotto gewonnen. „Können Sie das nicht ändern?“, fragte ich ihn verzweifelt. „Ich bitte Sie, junge Frau, ich kann doch nicht einfach jemandes Religion ändern! Sie müssen vorbeikommen und eine Erklärung unterschreiben, dass Sie nie Mitglied der katholischen Kirche waren, dann wird das geändert.“ Gut, das klang ja nicht allzu kompliziert. Eine Unterschrift und – zack! – wäre ich entkatholisiert. Also marschierte ich am nächsten Tag voller Hoffnung zum Bürgerbüro. Doch die Mühe war vergeblich. „Ich kann da gar nichts machen, ich brauche erst einmal einen Beweis dafür, dass Sie nicht katholisch sind“, erklärte die Dame hinter dem Schalter. Ach Du liebe Güte. Wie beweist man denn bitte, dass man nicht katholisch ist? „Beweisen Sie mir doch erstmal, dass ich überhaupt katholisch bin“, versuchte ich es mit einer Retourkutsche. Schließlich ist der Angeklagte unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wird. Doch ich biss auf Granit. Ohne Beweis keine Änderung und basta. Ich fühlte mich unangenehm an Handyverträge, Sekten und andere Einbahnstraßen erinnert: Rein kommt man immer irgendwie, nur der Austritt gestaltet sich dann wesentlich schwieriger.

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2 Gedanken zu “Von Amts wegen katholisch

  1. Hartmut Slomski

    Und erstatte doch einfach zusätzlich gegen die Sachbearbeiterin Dienstaufsichtsbeschwerde! Fordere darin die Beweisvorlage Deiner angeblichen Kirchenmitgliedschaft! Wenn Du von Geburt an als katholisch geführt wirst, dann mußte ja demzurfolge eine diesbezügliche Taufbescheinigung vorliegen.
    Noch bessert: erstatte gegen sie Strafanzeige wegen „Falschbeurkundung im Amt“ gemäß § 348 StGB (Strafgesetzbuch). Dies kannst Du bei der Polizei, beim Amtsgericht oder direkt bei der Staatsanwaltschaft tun. Das kannst Du auch schriftlich machen. Die Staatsanwaltschaft ist dann verpflichtet der Sache nachzugehen. Und um das Verfahren einzustellen müßte sie dann den Nachweis erbringen daß Du in der Kirche bist. Anderenfalls kannst Du gegen die noch einen wegen Rechtsbeugung und Strafvereitelung im Amt draufsetzen!
    Somit haben dann die Behörden den Beweis zu erbringen, daß Du in der Kirche bist! Nicht Du, daß Du nicht in der Kirche bist!

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