Die Kriminalgeschichte des Christenums


„Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun“ – Kardinäle in Rom
„Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun“ – Kardinäle in Rom

Karlheinz Deschner über Religionen als Problem und die noch immer sehr große Macht der Kirche mainpost.de

Sie hat sich zum Lebenswerk ausgewachsen: Seit 1986 arbeitet Karlheinz Deschner an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Der soeben bei Rowohlt erschienene Band 9 behandelt die Zeit von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Das auf zehn Bände angelegte Werk macht den in Haßfurt lebenden Schriftsteller zu Deutschlands profiliertestem Kirchenkritiker. Ein Gespräch mit dem 84-Jährigen studierten Theologen und promovierten Germanisten über die Kirche, ihre Macht, deren Missbrauch und die Lehre Jesu.

Frage: Herr Deschner, Sie arbeiten nun seit über 20 Jahren an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Erste kirchenkritische Schriften von Ihnen erschienen vor über 50 Jahren. Was hat Sie über diesen langen Zeitraum hinweg motiviert?

Karlheinz Deschner: Schlicht die Tatsache, dass ich Unrecht nicht leiden kann, dito Heuchelei. Zumal wenn man beide in welthistorischen Dimensionen praktiziert; wenn man, ganz systematisch, das Geschehene umfälscht; aus Massenmördern Heroen, Vorbilder, „die Großen“ macht, aus Gaunerchen und Gaunern „Heilige“; wenn man das himmelschreiende Unrecht der „Heilsgeschichte“ von Jahrhundert zu Jahrhundert in lammfromme Sprüche verpackt, in unverschämte Lügen. Oder rief nicht schon Helvétius: Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern?

Sie haben akribisch Gräueltaten, Völkermorde, Folterungen aufgezeigt, die über die Jahrhunderte hinweg von Menschen an Menschen verübt wurden – die Schuld daran suchen Sie im christlichen Glauben. Aber ist tatsächlich der Glaube, die Religion daran schuld – oder ist nicht der Mensch von vorneherein böse und zum Frieden unfähig? Gräueltaten werden auch im Namen anderer Religionen verübt. . . man denke nur an den 11. September 2001.

Deschner: Aber entlastet es denn das Christentum, dass auch andere Religionen kriminell sind? Voran die monotheistischen, die kraft des Auserwähltheitsanspruchs ihrer „Offenbarungen“ etwas besonders Chauvinistisches haben, die extrem gewalttätig sind? Entlastet es denn einen Verbrecher, dass auch andere Leute Verbrecher sind? Und wenn der Mensch von vornherein böse war, ich weiß es nicht, entbürdet dies das Christentum, das gerade seine größten Scheußlichkeiten stets im Namen Gottes und der Religion begangen hat? Sklaverei, Inquisition, Indianerausrottung, Kreuzzüge, Kreuzzüge in alle Himmelsrichtungen, überhaupt ungezählte Gemetzel (im 17. Jahrhundert führten christliche Staaten nur in einem einzigen Jahr keinen Krieg!) bis hin zu den von allen Kirchen fanatisch geförderten Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Was den„11. September“ betrifft, bleibt erst noch abzuwarten, ob ein islamisches Monsterdelikt dahintersteckt oder ein christlicher Staatsakt sozusagen, der übrigens sehr an Pearl Harbor denken lässt auf der Hawaii-Insel Oahu, wo am 7. Dezember 1941 Franklin Delano Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten, einen Großteil der US-Pazifikflotte kühl kalkuliert in den Meeresgrund bomben ließ und fast zweieinhalb Tausend amerikanische Soldaten dazu, um einen Kriegsgrund gegen Japan zu bekommen.

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19 Comments

  1. „Ich habe Deschner noch nicht gelesen.“

    Ich nur einen Bruchteil seines Werkes. Dabei wurden bei mir mitunter Fragen aufgeworfen, die ein „Gotteswahn“ offen gelassen oder beantwortet hat. Ich sehe für mich genug Anlass Deschner nicht einfach „durchzuwinken“, die Kritker, die Wikipedia zitiert setzen meines Erachtens aber an der falschen Stelle an, was durchaus daran liegen mag, dass sie schlicht von einem entgegengesetzen klerikalen Interesse gelenkt sind. Auch das natürlich ist als Motivation kein Grund, nicht in die öffentliche Diskussion aufgenommen zu werden, die tatsächlichen Inhalte vieler Kritiker wirken dabei aber dann letztendlich unerträglich substanzlos.

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  2. @Bipolarbär X: „Die Motivation – egal welcher Art – als Triebfeder menschlicher Betätigung sagt rein GAR NICHTS über die Wertigkeit der Betätigung aus.“

    Das sehe ich auch so. Es kann eine starke und fruchtbare Motivation sein. Da durch die Konsumenten seiner Betätigung jedoch nicht jegliche Aussage nachgeprüft wird, spielt die Reputation des Autors durchaus eine Rolle. Seine Geschichtsaufarbeitung gibt aber vor ein Fachbuch zu sein, man nimmt es also gewöhnlich zur Hand um an seriöse Fachinformationen heranzukommen.

    „Selbst wenn Deschner der hasserfüllteste Mensch aller Zeiten wäre, besässen seine Aussagen in sich Relevanz bzw. das Recht, in einer Diskussion Beachtung zu finden.“

    Nochmals, ja.

    „Was die ‚Quellen‘ angeht, so bedient sich Deschner durchaus auch dort, wo klerikales Dogma eine nähere Untersuchung untersagt.“

    Ich wollte nicht gesagt haben, dass es ihm in irgendeiner Weise unteragt sein soll das Material anderer zu zitieren und zu fügen, und so zu einer schärferen Kritik zu kommen.

    Die, deiner Meinung nach, irrelevanten Zitate seiner Kritiker haben allerdings wissenschaftl. Mängel seiner Quellenarbeit benannt. Außerdem würde man an belegten Fakten kaum und schon gar keine persönliche Kritik am Autor üben können. Ich würde dies sogar bis zu einem gewissen Grad von den Geschichtswissenschaften erwarten.

    Ich habe Deschner noch nicht gelesen. Mit meinem Einwurf zur Wikipedia-Seite wollte ich der Amerika-Diskussion lediglich weitere Kritik hinzufügen, da sein Hauptwerk auch die Kirchenkritik ist. Diese wurde jedoch einfach „durchgewinkt“. Meine Lesart der Wikipedia-Seite sollte auch ein Beispiel geben, wie die Konklusion eines durchschnittl., uninformierten Lesers aussehen könnte. Dieses Resümee würde bspw. sein Hauptwerk „Die Kriminalgeschichte des Christentums“ nicht einfach „durchwinken“, sondern mit Vorsicht und Zweifeln behandeln.

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  3. Nebenbei, hierzu:

    „damit wird besonders der Eindruck geweckt, dass seine Motivation und Aufarbeitung der Quellen geschichtswissenschaftlichen Anforderungen nicht gerecht wird.“

    Die Motivation – egal welcher Art – als Triebfeder menschlicher Betätigung sagt rein GAR NICHTS über die Wertigkeit der Betätigung aus.

    Selbst wenn Deschner der hasserfüllteste Mensch aller Zeiten wäre, besässen seine Aussagen in sich Relevanz bzw. das Recht, in einer Diskussion Beachtung zu finden.

    Was die „Quellen“ angeht, so bedient sich Deschner durchaus auch dort, wo klerikales Dogma eine nähere Untersuchung untersagt.

    Dieses allein als „unwissenschaftlichkeit“ zu bezeichnen, lässt schon tief in das Selbstverständnis des Dogmatikers blicken.

    Noch so fundierte Kritik wird von der Kirche aber schon allein mit der Begründung einer – in ihren Augen – moralischen Verwerflichkeit der Motivation dahinter einfach abgelehnt, ohne sich überhaupt mit dem sachlichen Kern auseinanderzusetzen, getreu dem Motto: „Was echte Kritik sich nennen darf, entscheiden immer noch wir, wie es uns gefällt!“

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  4. Ich habs mir angesehen.

    Es ist nicht wiki, dass dort ebensolches von Deschner sagt, dieser Zusammenhang ergibt sich durch die dort ziterten Kritiker an seiner Person.

    Irrelevant.

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  5. Hast Du schon mal über die Teilnahme an einem Aggressionbewältigungsseminar nachgedacht?

    Nur ein klarer Kopf führt ein starkes Schwert.

    Die inhaltliche Relevanz Deiner Aussagen will ich Dir nicht absprechen.

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  6. Warum ist jetzt gerade unbedingt die WTC-Geschichte so wichtig für Dich?

    hättest du das interview gesehen, wüsstest du, dass es garnicht nur um die wtc-geschichte geht. und wieso überhaupt „unbedingt“? ging es in dem artikel denn nicht nebenbei um 9/11? ach ist auch wurscht. du hast ja sowieso recht.

    Mich jedenfalls interessierst Du schon mal nicht sonderlich, jedenfalls nicht so.

    na wunderbar! besser könnte es gar nicht sein!

    Deschner selbst sagt ja auch einschränkend “es bleibt abzuwarten” was hinter der Sache steckt. Nun, während man das tut, kann man sich auch durchaus mit dem Offensichtlichen beschäftigen, was man durchaus so übersetzen kann, dass er trotz aller Zweifel noch nicht vollends überzeugt ist, dass die Verschwörungstheorie zutrifft.

    na also geht doch. weinigstens mal ein vernünftiger kommentar zum artikel – danke!

    Die Verschwörungstheoretikerriege, auf deren “Erkenntnisse” Du Dich berufst, ist auch nur eine Herde, Du autarker Freigeist.

    bist du eigentlich so doof, oder willst du nur nicht verstehen was ich geschrieben habe?
    natürlich habe auch ich zweifel. und zu einer verschwörungstheoretikerrige zähle ich mich nicht. aber is ja auch egal welche bezeichnungen du mir gibst. kümmert eh niemand oder!?

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  7. Was sagt ihr zu der differenzierten Darstellung Deschners auf Wikipedia? Dort ist weniger vom Amerika-Bild die Rede als von Unwissenschaftlichkeit, Kompilation fremder Ergebnisse und einseitiger Darstellung. Zentraler Blickfang ist sein Hasszitat und sein Echo an verschiedenen Stellen, damit wird besonders der Eindruck geweckt, dass seine Motivation und Aufarbeitung der Quellen geschichtswissenschaftlichen Anforderungen nicht gerecht wird.

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  8. Übrigens:

    Die Verschwörungstheoretikerriege, auf deren „Erkenntnisse“ Du Dich berufst, ist auch nur eine Herde, Du autarker Freigeist.

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  9. Du verstehst es einfach nicht.

    Meine Empörung darüber, was das fundamentalistische Amerika so anstellt (Ausserkraftsetzen der Verfassung, Foltercamps, Vermischung von Politik und Religion, restriktive (Des-)Informationspolitik) würde sich kaum noch steigern lassen, selbst wenn CIA-Agenten persönlich ferngelenkte Marschflugkörper, die wie Flugzeuge aussahen in das WTC gesteuert hätten.

    Da es daran aber berechtigte Zweifel gibt (Angehörige erhielten beispielsweise Anrufe von den Mobilfunktelefonen von Familienmitgleidern die sich unter den Passgieren befanden – die nebenbei auch noch gleich verhöhnt werden durch ein derartige Verschwörungstheorie) möchte ich mit den faschistoiden Tendenzen auseinandersetzen, die für jedermann offensichtlich sind, als mich in Spekulationen zu ergiessen.

    Die USA haben politisch nahezu überall ihre Hände im Spiel, wo schmutzige Geschäfte gemacht werden, der religiöse Wahnsinn nimmt stetig zu, Foltercamps werden unter öffentlicher Wahrnehmung betrieben, jenseits verfassungsmässiger Vorgaben

    Warum ist jetzt gerade unbedingt die WTC-Geschichte so wichtig für Dich?

    Die USA haben schon immer Gründe gefunden, die ihren Bürgern genügten, um Kriege zu führen, auch ohne Verschwörung.

    Ist es vielleicht so, dass es Dir darum geht, dass sich jemand für DICH interessiert und Du das mit dieser Verschwörungskiste versuchst zu gewährleisten?

    Mich jedenfalls interessierst Du schon mal nicht sonderlich, jedenfalls nicht so.

    „Verschwörungstheoretiker glauben die „geheimen“ Mechanismen hinter dem Weltgeschehen zu kennen. Psychologisch betrachtet stützt diese Vorstellung wohl nicht zuletzt auch das eigene Selbstwertgefühl – der Verschwörungstheoretiker kann sich selbst zum überlegenen „Wissenden“ stilisieren. Verweisen auf Fakten und auf die offenkundige Implausibilität der meisten Verschwörungstheorien setzten Konspirations-Anhänger unangreifbare „Prinzipien“ entgegen, nach denen z.B. jede Wirkung eine klar erkennbare Ursache haben müsse. Der bekannte Autor Robert Anton Wilson („Illuminati“) erklärt dagegen zu Recht: „Verschwörungstheorien entstehen aus der Unfähigkeit des Menschen, komplexe Abläufe zu verstehen. Vor allem aber kann er den banalen Zufall nicht ertragen. Er benötigt immer eine Kausalbegründung, um dem Ereignis den Schrecken des Unbestimmbaren und somit die vermeintliche Sinnlosigkeit zu nehmen.“

    Quelle GWUP

    Deschner selbst sagt ja auch einschränkend „es bleibt abzuwarten“ was hinter der Sache steckt. Nun, während man das tut, kann man sich auch durchaus mit dem Offensichtlichen beschäftigen, was man durchaus so übersetzen kann, dass er trotz aller Zweifel noch nicht vollends überzeugt ist, dass die Verschwörungstheorie zutrifft.

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  10. @ rudolfos
    wenn du mich meinst. ich würde mich nie als brights bezeichnen! nur weil irgend jemand eine titulierung braucht und erfunden hat?
    aber man gibt sich ja gerne selbst einen titel, insbesondere wenn er positiv ist LOL
    ich verabscheue jeden herdentrieb. ganz egal welche etikette er sich auch selbst verpasst. und so auch die herde der brights.

    @ bipolarbär x
    ok. ist schon klar was du da laberst.
    die offensichtliche wahrheit ist also, dass ein stahlgebäude, ne, 3 stahlgebäude durch feuer einfach so zusammenkrachen und dass im freien fall?
    jo klar. das ist so offensichtlich dass sich die balken biegen LOOOOOOOOOOOOOOOOL

    hast du überhaupt das interview angeschaut oder denunziertst du nur mal so als hobby?
    was ich jetzt von dir halten darf ist mir jetzt auch klar. macht aber nix……..

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  11. Gerade Jochen Scholz ist einer der Hauptakteure eines gewissen Verschörungstheorienzirkels in dem sich ständig gegenseitig zitiert wird, um den eigenen Aussagen durch ergänzende Ausagen anderer mehr Gewicht zu verleihen.

    Ich brauche persönlich keine Verschwörungstheorien, da mir die offensichtliche Wahrheit erschreckend genug erscheint.

    Streng genommen sind die „heilgen Schriften“ auch nix anderes als Verschwörungstheorien.

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  12. da sieht man mal wieder wie skeptisch man hier ist und wie sehr hier doch gezweifelt wird.
    man beißt sich fest an religion und versteht nicht dass der werte herr wahre worte über 9/11 spricht.
    gleich nennt man ihn verschwörungstheoretiker und behauptet, es mache ihn weniger glaubhaft.
    wer sich aber mit der materie um die „false flag“ aktion der amis, mit ihrem imperialismus und ihrer hegemonie etc. beschäftigt, dem wird dieser mann dadurch nur noch glaubhafter!

    mir ist es auch egal welches bild ihr nun von mir bekommt. ich kann da nur müde lächeln und amüsiere mich über euch so genannte skeptiker die anscheinend die permanenten lügen der massenmedie nur zu willig aufsaugen.

    haubtsache man kann an den religionen kritik üben, dann ist ja alles weitere in butter……. für mich ist nun klar dass man hier doch eher gegen die wahrheit ist.

    schlaft weiter euren schlaf der gerechten! gute nacht.

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  13. „Die Verschwörungstheorien lassen an der Seriosität der Kriminalgeschichte Zweifel entstehen“

    Deschners Amerika-Bild halte ich auch für Unsinn, aber seine Kriminalgeschichte gilt als durchaus gelungen.

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  14. Ich schätze den werten Herrn Deschner sehr, aber mit seinen US Verschwörungsansichten macht er sich unseriös und könnte ein wenig paranoid wirken.

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