Feindbilder!?


Der Weltanschauungsbeauftragte der württembergischen Landeskirche, Hansjörg Hemminger,
Der Weltanschauungsbeauftragte der württembergischen Landeskirche, Hansjörg Hemminger,

jesus.de

Weltanschauungsexperte kritisiert Kreationismus

(epd) – Der evangelische Weltanschauungsbeauftragte Hansjörg Hemminger (Stuttgart) hat sich gegen eine wörtliche Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte gewandt. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehne die vor allem in den USA immer einflussreichere Bewegung der Kreationisten ab, die eine biblisch begründete Alternative zur Evolutionstheorie konstruieren wolle, sagte Hemminger am Mittwoch in Celle. Zugleich warnte der Biologe vor einem neuen Atheismus, der wiederum Fortschritte der Naturwissenschaft zur Religionskritik missbrauche. Die Kreationisten interpretieren die biblische Schöpfungsgeschichte wörtlich und lehnen die von Charles Darwin (1809-1882) begründete Evolutionstheorie ab.

Hemminger warnte vor einer unsachlichen Polarisierung der Debatte. Dies laufe darauf hinaus, «dass man als Christ für den Kreationismus sein müsse, weil die Gottesleugner dagegen sind und umgekehrt». Solche Feindbilder seien gefährlich. In den USA zeige sich, dass sie zu einer tief gespaltenen Gesellschaft führten: «Das kann sich niemand für Deutschland und Europa wünschen, weder die Kirchen, noch die Forschung.» Der Experte ist Autor der kritischen Schrift zum Kreationismus «Mit der Bibel gegen die Evolution».

Zu den Forderungen der Kreationisten gehört die Verankerung der Schöpfungsgeschichte im Schulunterricht – nicht im Fach Religion, sondern in Biologie. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates in Straßburg habe dagegen im vergangenen Jahr eine Resolution verabschiedet, sagte Hemminger. Darin werde gefordert, dem Kreationismus im Schulunterricht energisch entgegenzutreten. Der Weltanschauungsbeauftragte kritisierte, dass der «neue Atheismus» als Versuch, die Religion mit pseudowissenschaftlichen Argumenten zu diffamieren, in der Resolution kein Thema sei. «Diese Ideen sind genaus unwissenschaftlich wie der Kreationismus und vermutlich im europäischen Erziehungswesen sehr viel häufiger.»

4 Comments

  1. Es entspricht der rhetorischen Tradition besonders der „C“-Parteien, unliebsame Kritik an eigenen Standpunkten mitunter als „Mißbrauch der Meinungsfreiheit“ zu bezeichnen.

    Das ist dasselbe Prinzip.

    Verbale und intellektuelle Arschkriecherei dagegen bekommt gerne von eben denselben den Status einer Tugend verpasst.

    Aber wem erzähl ich das? 😉

    Gefällt mir

  2. „Zugleich warnte der Biologe vor einem neuen Atheismus, der wiederum Fortschritte der Naturwissenschaft zur Religionskritik missbrauche.“

    Wer naturwissenschaftliche Erkenntnisse zur Untermauerung seiner religionskritischen Thesen ins Feld führt, der gebraucht jene, aber er missbraucht sie deshalb noch lange nicht.

    Gefällt mir

  3. Uaah Gähn

    „«Diese Ideen sind genaus unwissenschaftlich wie der Kreationismus und vermutlich im europäischen Erziehungswesen sehr viel häufiger.»“

    Bleibt das hier wieder eine einfache Behauptung oder kann der Mann diese mit richtigen Argumenten untermauern?

    Nicht?

    Wundert das einen?

    Kreationisten sind scheisse, aber Atheisten auch, das einzig Gute liegt in gemässigter Anti-Aufklärung der protestantischen Mitte, soso.

    Ich bin so leid, mir dieses Gesülze anhören zu müssen von Leuten, die wissenschaftliche Annäherung an ihren eigenen Standpunkt schlichtweg ablehnen.

    «dass man als Christ für den Kreationismus sein müsse, weil die Gottesleugner dagegen sind und umgekehrt»

    Das mag übelste christliche „Logik“ sein, aber keine Atheistische. Die Fraternisierung mit intellektueller Unredlichkeit ist keine Option, nur weil von Splittergruppen aus diesem Spektrum auch mal gelegentlich auf den eigenen „Feind“ eingedroschen wird.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.