Über den „lächelnden Skinhead“


Colin Goldner referiert in Linz und entzaubert den exiltibetischen Gottkönig Dalai Lama.
Colin Goldner referiert in Linz und entzaubert den exiltibetischen "Gottkönig" Dalai Lama.

Der dem Dalai Lama die Leviten liest

Kommende Woche ist Colin Goldner in Linz zu Gast. Der bayerische Psychologe gilt als größter Kritiker des im deutschsprachigen Raum hoch verehrten Dalai Lama. Ein Gespräch über Tibet und Psychokulte.

OÖNachrichten.at

OÖN: Sie üben harsche Kritik am Dalai Lama und dem tibetischen Buddhismus. Warum?

Goldner: Ich arbeite seit vielen Jahren in einer Beratungs- und Therapieeinrichtung für Sekten- und Psychokultgeschädigte. Zu unserer Klientel zählen Menschen, die esoterischen Quacksalbern auf den Leim gegangen sind, aber auch Opfer von Scientology oder der etablierten Kirchen. Insofern ist auch der Buddhismus, insbesondere die tibetische Variante, in den Blickpunkt unseres Interesses geraten.

OÖN: Sie werfen „Seiner Heiligkeit“ frauen- und homosexuellenfeindliche Haltung vor. Auf welcher Basis?

Goldner: Wie in jeder anderen Religion haben auch im tibetischen Buddhismus Frauen nichts zu melden. Das Entscheidende aber ist: Im Zentrum des Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, steht sexueller Missbrauch von jungen Mädchen und Frauen im Gewande tantrischer Rituale. Die Behauptung, diese Rituale würden nur in visualisierter Form vollzogen, ist längst widerlegt. Die eklatant homosexuellenfeindlichen Positionen des Dalai Lama haben seit je heftigen Protest seitens führender Schwulen- und Lesbenverbände hervorgerufen. Auf Drängen seiner US-Verleger mussten diese Positionen aus dem Manuskript seines zur Jahrtausendwende erschienenen Buches „Ethics for the New Millennium“ herausgestrichen werden.

OÖN: Wie erklären Sie sich die hohen Sympathiewerte, die der „Gottkönig“ im Westen genießt?

Goldner: Das weltweit hohe Ansehen, das „Seine Heiligkeit“ quer durch sämtliche politischen und weltanschaulichen Lager genießt, ist trotz aller Kritik, die seit geraumer Zeit gegen ihn vorgebracht wird, völlig ungebrochen. Nach wie vor gilt er als Symbolfigur für Friedfertigkeit, Güte und in unendlichem Weistum ruhende Gelassenheit. Seine Verlautbarungen, gleich wie banal sie daherkommen, gelten als Ausdruck höchster Erkenntnis. Derlei verklärende Sicht auf den Dalai Lama ist reine Projektion, basierend auf eklatanter Unkenntnis der tatsächlichen Zusammenhänge.

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7 Comments

  1. @ Ida: wenn jemand die Menschengruppe X für minderwertig hält (ob er es laut ausdrückt oder nur für sich glaubt), und ein Angehöriger der Menschengruppe X will ihn „aufklären“, dürfte das nicht den erwünschten Erfolg haben….

    hab schon im anderen Tibet-Beitrag auf Alexandra David-Neel aufmerksam gemacht, die ein sehr lesenswertes Buch über tibet schrieb. (Mein WEg durch Himmel und Höllen)

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  2. Das war mir schon bekannt, dass der tibetische Buddhismus frauenfeindlich ist/war.

    Überhaupt wenn es hier um Aufklärung und Evolution geht, dann sollte doch auch einmal die Frage nach der physischen und psychischen Realität der Frau gestellt werden.

    Schließlich hat ja vermutlich jede/r die hier schreiben, die ersten neun Monate im Leib einer Frau zu gebracht.

    Wie kläre ich die Fans auf? Das ist für mich eine weitere spannende Frage.

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  3. Ich möchte mal behaupten, dass ein großer Teil der Leute, die in Deutschland „Free Tibet“ schreien, wenig bis gar nichts über die realen Verhaltnisse in Tibet wissen(1), sondern sich einfach nur um des Engagements Willen engagieren. Vielleicht auch nur, weil der Dalai Lama immer so nett lächelt und winkt.
    Tibet steht nun einmal als Opfer da, und da wäre der Dalai Lama schön blöd, wenn er das nicht ausnutzen würde.(2)
    Wenn dann irgendwelche naiven Deutschen darauf reinfallen, sich fanatisieren lassen und Herrn Goldner irgendwelchen Mist schicken, dann hat das ja wohl nichts mit dem Buddhismus zu tun. Der ist nämlich, soweit ich weiß, im Gegensatz zu den abrahamitischen Religionen tatsächlich weniger aggressiv, schon weil ihm der Absolutheitsanspruch fehlt. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege.

    (1) Ich auch nicht. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Herr Goldner sich das nicht alles nur ausgedacht hat, was er erzählt.
    (2) Wurde der nicht von einem Nazi erzogen? Heinrich Harrer war zumindest in der Partei, und in der SA und der SS … fiel mir nur gerade ein.

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  4. Das dem Mann Drohbriefe und verwestes Geflügel zugesandt werden, steht doch wohl im krassen Gegensatz zur Aufassung des Buddhismus als friedfertigste aller Weltreligionen, oder?

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  5. uf Drängen seiner US-Verleger mussten diese Positionen aus dem Manuskript seines zur Jahrtausendwende erschienenen Buches „Ethics for the New Millennium“ herausgestrichen werden.

    Warum nur? Sollen sie das doch drin lassen, damit jeder weiß, wozu der feine Herr in Wirklichkeit steht!!!!!!

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