Christliche Nächstenliebe-nun wird geklagt


Ein Verband christlicher Gewerkschaften soll keine Tarifverträge für Zeitarbeiter mehr abschließen dürfen, weil er Dumpinglöhne zulässt. Verdi unterstützt die Behörde.

Der Tagesspiegel.de

Die Arbeitsverwaltung von Senatorin Heidi Knake-Werner (Linke) und die Gewerkschaft Verdi ziehen gemeinsam vors Arbeitsgericht: Sie wollen der „Tarifgemeinschaft christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen“ (CGZP) verbieten lassen, Tarifverträge für Zeitarbeiter auszuhandeln. Denn, so die Kritik: Wo die CGZP ihre Finger im Spiel hat, werden Dumpinglöhne vereinbart. Zugespitzt lautet der Vorwurf, die vier Mitgliedsgewerkschaften des CGZP würden in Wahrheit von den Arbeitgebern kontrolliert – und seien folglich nur das Werkzeug, um „echte“ Arbeitnehmervertreter fernzuhalten. Also beispielsweise Verdi und die anderen Gewerkschaften im DGB.

Die Sozialsenatorin begründet die Klage damit, dass ihre Verwaltung als oberste Arbeitsbehörde Klarheit darüber haben müsse, ob Tarifverträge rechtens seien. Und wenn immer mehr Menschen von ihrem Lohn nicht leben könnten, gerate die soziale Stabilität in Gefahr. Seit 1995 sei die Zahl der Leiharbeiter bundesweit von etwa 150 000 auf jetzt rund 730 000 gestiegen. Von denen kämen fast 13 Prozent nur dank zusätzlicher Sozialleistungen über die Runden – obwohl sie ganz überwiegend in Vollzeit arbeiteten. Verdi-Justiziarin Martina Trümner berichtet von „christlichen“ Stundenlöhnen zwischen 5 und 6,50 Euro; einmal seien es auch nur 4,50 Euro gewesen. Zum Vergleich: Der DGB fordert einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro. Hinzu kämen arbeitnehmerfeindliche Überstunden- und Kündigungsregeln. Außerdem setzten die christlichen Gewerkschaften auf extrem niedrige Haustarifverträge, von denen es mehr als 200 gebe. Wie viele Zeitarbeiter betroffen sind, weiß man bei Verdi nicht, aber die Sozialverwaltung wagt eine grobe Schätzung: Rund 3000 in Berlin und 100 000 bis 150 000 bundesweit sollen es sein.

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4 Comments

  1. Nun, wenn solch menschenfeindliche Machenschaften von jenen praktiziert werden, die sich „christlich-sozial“ schimpfen, braucht man sich nicht zu wundern, daß das Christentum hierzulande zusehends in Schieflage gerät.

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  2. Ich würde sagen: Das war denen – zu Recht! – zu viel des SCHLECHTEN! Hoffe, du hast trotzdem Arbeit gefunden.

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  3. Nun ja, GEben ist seliger denn Nehmen.
    Gebt, ihr Besitzlosen (von allen anderen kann man es ja schlecht verlangen)…

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  4. Genauso ist es! Auch ich hatte ein Stellenangebot bei einer solchen Zeitarbeitsfirma mit einer „christlichen“ Gewerkschaft als „Tarifverhandlungspartner“ erhalten und die Stelle angetreten. Nach vier Arbeitstagen war ich wieder draußen! Warum? Man hatte festgestellt, dass ich
    a) nicht Mitglied einer Kirche bin,
    b) stattdessen Mitglied bei Ver.di bin,
    c) dort in meiner früheren Firma Mitglied der Tarifkommission war und für den Betriebsrat kandidiert hatte,
    d) im Vorstand des Ver.di-Ortsverbands bin,
    e) noch im Erwerbslosenausschuss von Ver.di tätig war und
    f) auch zum Vorstand des Kreisverbands DIE LINKE gehöre.
    Das war denen wohl irgendwie zuviel des Guten!

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