Bunte Narren unter bluttriefenden Heiligen


Thomas Häntsch
Foto: Thomas Häntsch

KEVELAER. (hpd) Eine kurze Betrachtung zum 11. 11. Nun ist es wieder soweit, gestern begann in vielen Teilen von Deutschland wieder die 5. Jahreszeit. Karneval, Fasching oder die Fastnacht wird von den Anhängern sehnsüchtig erwartet

Nur im Süden, zum Beispiel in Baden – Württemberg beginnt die Saison erst am 06. Januar, dem Dreikönigstag. Dort wird die Fasnet , die sich vom übrigen Fasching durch strenge Regeln abhebt, später eingeläutet.

Solche bedeutenden Ereignisse werfen natürlich ihre Schatten voraus und diese Schatten reichen bis in die Dunkelheit der Kirchen hinein.

Also nimmt sich insbesondere die Katholische Kirche ihrer närrischen Schäfchen an, oder besser, sie zieht diese Menschen an und – wenn viele auch nur für einen Tag – in die Gebetstempel hinein.

Katholische Religion und Narren, mag sich der Eine oder Andere fragen, passt das zusammen?

Dass die Religion im Allgemeinen und der Katholizismus im Besonderen das Volk seit 2000 Jahren mehr oder weniger zum Narren hält, ist der Mehrheit der aufgeklärten Menschen sicher bekannt. Aber diesen Menschen ist auch klar, dass der katholische Glaube weitgehend an Blut, Leid und nicht zuletzt Gewalt geknüpft ist. Man siehe den Eingang zur Hauptkirche des Christentums. Das Portal des Petersdomes in Rom ist voll mit Gewaltszenen.

Nur die Narren selbst – im wirklichen Leben mehr oder weniger gute Katholiken – scheinen das nicht zu bemerken oder es interessiert sie überhaupt nicht. Vergessen sind all die blutigen Märtyrer, die in Scharen in den Kirchen thronen. Bevor sie im November eines jeden Jahres in die neue Saison starten und das große Feiern beginnt, pilgert ein Teil von ihnen nach Kevelaer. Der Wallfahrtsort am Niederrhein ist im Ausnahmezustand und platzt aus allen Nähten. Übervolle Parkplätze, verstopfte Einkaufsstraßen machen ein durchkommen zur Qual und zwischen alledem drängen sich noch die, von Musikkapellen angeführten Vereine, die durch sämtliche Straßen ziehen. Man könnte meinen, in einem Freizeitpark zu sein. Dabei heißt es doch auf der Internetseite der Wallfahrtsleitung wörtlich „Kevelaer will ein Ort religiösen Lebens der katholischen Kirche sein – eine Stätte der Besinnung, an der man neu Beheimatung und Geborgenheit erfahren kann.“

Stellt sich da nicht die Frage, was die Katholische Kirche unter Besinnung versteht? Doch, in Zeiten leerer Kirchen wird alles mitgenommen, was die Statistik pusht und Geld in die Kassen bringt. Da sieht man sogar den Rektor der Wallfahrt, Pfarrer Dr. Stefan Zekorn mit Vertretern der Narren im lockeren Gespräch. Natürlich treten sowohl der Pfarrer als auch die Narren in ihren typischen „Kostümen“ auf. Einen Konflikt scheint es da nicht zu geben…!

Den Abschluss des Gaudis bildet ein Gottesdienst, in dessen Verlauf die Kostümträger den Segen der Kirche erhalten. Was der Pfarrer in dieser Zeremonie so alles absegnet das fällt bis auf wenige Ausnahmen unter die Sünden, die dem gläubigen Katholiken seit der Taufe eingeredet wurden. Doch das stört nicht. Hier geht es um Geschäft und nicht um den Glauben. Die Närrinnen und Narren beugen die Knie vor der Geistlichkeit, bevor das Tanzbein geschwungen wird. Da werden brav die Hände gefaltet, bevor es dann wieder ganz ungezwungen heißt „Und dann die Hände zum Himmel…“.

Wer da für sich denkt. Was soll das alles? Der frage bei der „Närrisch Katholischen Kirche“ nach.

Thomas Häntsch