Schöpfung soll thematisiert werden


Teachers TV)
Ein Drittel der Lehrer in Großbritannien befürworten die Gleichstellung von Evolution und Kreationismus im Schuluntericht. Biologe Michael Reiss verlor wegen dieser kontroversen Meinung seine Anstellung. (Quelle: Teachers' TV)

Ein Drittel der Lehrer in Großbritannien spricht sich für die Berücksichtigung des Kreationismus im Schulunterricht aus. Das ergab eine Umfrage der Online-Plattform „Teachers‘ TV“ – das Ergebnis sorgt derzeit im Königreich für erhebliche Diskussionen.

Medienmagazin „pro“

1.200 Lehrer hatte „Teachers‘ TV“ per E-Mail angeschrieben und ihnen die Frage gestellt: „Sollte dem Kreationismus oder dem Intelligent Design im Schulunterricht der gleiche Status eingeräumt werden wie der Evolutionstheorie? Das Ergebnis ist verblüffend. 31 Prozent der Befragten antworteten mit Ja. Von den 248 befragten Naturwissenschafts-Lehrern stimmten 18 Prozent für eine Gleichstellung.

„Lehrer mit solcher Haltung aus Klassenzimmern entfernen“

Das Ergebnis sorgt für Diskussionen. Der britische Evolutionswissenschaftler und Journalist Adam Rutherford etwa, kritisierte die tolerante Haltung der Lehrer. „Wissenschaftliche Lehrer mit einer solchen Einstellung brauchen eine Nachschulung oder sollten aus den Klassenzimmern entfernt werden, wenn sie ihre Meinung nicht ändern wollen“, sagte er gegenüber „Teachers‘ TV“. Ihre Meinung zeuge davon, dass sie die Evolutionstheorie nicht richtig verstanden hätten.

Anders sieht es der Biologe und Pfarrer Michael Reiss. Anfang dieses Jahres musste er seinen Direktorenposten bei der „Royal Society“, einer wissenschaftlichen Akademie in Großbritannien, aufgeben, weil er sich kontrovers zum Thema Kreationismus geäußert hatte. Wenn Schüler über Alternativen zur Evolution sprechen wollten, meinte Reiss, sollten diese auch im Klassenzimmer thematisiert werden. Eine solche Besprechung an Schulen zu verbieten, sei kontraproduktiv. „Das Problem der meisten Schüler heutzutage ist, dass sie den Unterricht langweilig finden. Welche Botschaft senden wir also, wenn wir, sollten sie endlich ein ‚heißes‘ Thema gefunden haben, dass sie interessiert, verbieten es zu behandeln?“ Reiss argumentiert zudem, dass es Ziel einer wissenschaftlichen Ausbildung sein solle, auch Schülern mit kreationistischer Weltanschauung einen Blick für die Evolutionstheorie zu vermitteln. Dies könne nur durch eine Thematisierung der Unterschiede im Unterricht geschehen. Fast die Hälfte der von „Teachers‘ TV“ befragten Lehrer stimmten Reiss zu. (PRO)

9 Comments

  1. Danke , El Schwalmo, für den Hinweis. Das ist nun nicht so mein Fachgebiet,….so, wie Du es im letzten Absatz beschreibst, kann es aus meiner Sicht laufen.
    Das Problem gibt es ja auch in anderen naturwissenschaftlichen Bereichen, wo der Erkenntnisstand z.T. wesentlich klarer ist, man sich aber auch jeder Menge Esoterik erwehren muss.

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  2. energiepass

    === schnipp ===
    Der “rote Faden” des naturwisenschaftlichen Unterrichts im diskutierten Feld sollte sich eindeutig am Stand der Wissenschaft orientieren
    === schnapp ===

    das ist eine problematische Aussage. In vielen Bereichen beispielsweise der Evolutionsbiologie gibt es keinen ‚Stand der Wissenschaft‘. Wenn Du beispielsweise fragst, auf welcher Ebene die Selektion ansetzt oder was eine ‚Art‘ ist, wirst Du keinen Konsens innerhalb der Evolutionsbiologie finden. Es ist dann mehr oder weniger willkürlich, welchen Standpunkt man im Unterricht vertritt.

    Hinsichtliche Evolutionsgegnern kannst Du bestenfalls darauf hinweisen, dass der Naturalismus innerhalb der Forscher-Gemeinschaft unstrittig ist. Aber den methodologischen Naturalismus erkennen auch Evolutionsgegner an. Und dann wird es schwierig, zu entscheiden, was ‚Stand der Wissenschaft‘ ist.

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  3. Ostfriese

    === schnipp ===
    Inwiefern kreationistische Hypothesen in Bio didaktisch fruchtbar werden können, darüber lasse ich die Fachlehrer (z.B. El Schwalmo) urteilen.
    === schnapp ===

    der Bildungswert der Auffassungen von Kreationisten dürfte bei exakt NULL liegen. Wenn es zutrifft, dass den Schülern derartige Thesen nicht bekannt sind, ist es eher falsch, sie damit zu konfrontieren, zumindest so lange diese Auffassungen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle spielen.

    Hier in Hessen war ‚Kreationismus‘ aufgrund des ARTE-Films durchaus ein Thema. Ich denke, dass es nicht unangebracht ist, dieses Thema, beispielsweise als (historischen?) Einstieg, anzusprechen, und, je nach Reaktion der Schüler, eher notfalls zu vertiefen.

    Etwas anders sieht es mit Intelligent Design aus (beide Auffassungen in einen Topf zu werfen ist in etwa so sinnvoll wie das mit Anthroposophie und Homöopathie zu machen, es gibt zwar Überschneidungen, aber noch mehr Unterschiede). Diese Menschen sind durchaus in der Lage, bestimmte Auffassungen kritisch zu hinterfragen. Kreationisten schießen sich selber ins Knie, weil sie widerlegte Standpunkte wie junge Erde, Sintflut etc. UND-verknüpft in ihr Weltbild einbauen. Deren Kritik ist daher leicht abwehrbar, indem man sagt: ‚Okay, hier haben wir Evolutionsvertreter ein Erklärungsproblem, aber im Vergleich zu Euren sind das Petitessen‘.

    ID-Vertreter hingegen behaupten nichts ‚positiv‘, stellen aber provozierende Fragen (‚wie entstehen irreduzibel komplexe Strukturen durch die Mechanismen, die Du anführst?‘, ’stimmt es eigentlich, dass man schon weiß, dass A von B abstammt, wenn …‘), die man beim heutigen Stand des Wissens nicht beantworten kann.

    Das kann natürlich interessante Diskussionen in Gang bringen (‚ist es eigentlich statthaft, anstelle von ‚ich weiß es nicht‘ eine Rahmentheorie zu vertreten, die nicht ‚bewiesen‘ ist, und die Fakten in deren Sinn zu deuten, und das dann wieder als Bestätigung für die Theorie zu deuten, obwohl andere Befunde Probleme machen?‘). Vermutlich gehört so etwas eher in eine Philosophie-AG.

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  4. „wenn Kreationismus in der Lebenswelt der Schüler ein Thema ist, dass muss man das im Unterricht thematisieren.“

    Natürlich. Andererseits gibt es ja durchaus Schüler, für die es noch nie ein Thema war. Wenn ein Kind unserer Zeit unvoreingenommen mit dem Natur-Design-Gedanken spielte, dann wären ihm unzählige Designer vermutlich viel plausibler als ein einziger Schöpfer. Und bestimmt gibt es noch allerhand andere niedliche Ideen, die man im Rahmen einer kontrastierenden Didaktik diskutieren könnte.

    Im Physik-Unterricht sind das die fruchtbarsten Momente, wenn sich zeigt, wie viele total verschiedene Vorstellungen oft in einem einzigen Klassenzimmer versammelt sind. Geniale Irrtümer der Geschichte, von denen man annimmt, dass sie typischerweise unserer Intuition und Anschauung entspringen, haben daher auch ihren Platz im Physik-Lehrplan gefunden (z.B. „Impetus“, „Sehstrahlen“, „Äther“), und letztlich ist ja sogar Newtons Mechanik im Ganzen „falsch“.

    Inwiefern kreationistische Hypothesen in Bio didaktisch fruchtbar werden können, darüber lasse ich die Fachlehrer (z.B. El Schwalmo) urteilen.

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  5. schließe mich arrowman an.
    Im übrigen bin ich überhaupt kein Freund der fortschreitenden „Demokratisierung“ von Lehrinhalten.
    Der „rote Faden“ des naturwisenschaftlichen Unterrichts im diskutierten Feld sollte sich eindeutig am Stand der Wissenschaft orientieren…sorry….alles andere kann man diskutieren, wenn es sachlich korrekt eingeordnet wird

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  6. Wenn es zur Darlegung von Kreationismus in Bio kommt, dann als Beispiel für „you’re doin‘ it wrong“.
    Bei uns haben wir 2 Schulstunden darüber gesprochen warum alternative Ideen wie von… wie schreibt sich der… Lamarck daneben liegen. Da kam dann auch ID zur sprache.

    Ein Gleichstellung im Sinne von „so könnte es auch sein“, ist in aller Form abzulehnen. Dies ist nämlich nicht stand der Wissenschaft, und gehört somit nicht in wissenschaftlichen Unterricht

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  7. Der Artikel von idea scheint einige rhetorische Tricks zu enthalten.

    Wenn man von einem ‚Drittel der Lehrer‚ spricht, und dann später schreibt, dass es 18 Prozent der Lehrer naturwissenschaftlicher Fächer sind, dann grenzt das an Bauernfang. Vermutlich läge der Prozentsatz bei Biologen noch niedriger.

    In der Frage war dann ‚gleicher Status‘ vermerkt. Das war dann wieder etwas vollkommen Anderes als das, was Reiss eingefordert hatte. Reiss hatte seinen Job mit Sicherheit nicht deshalb verloren, weil er ‚gleichen Status‘ einforderte.

    Reiss hat seinen Job deshalb verloren, weil es Evolutonsvertreter gibt, die auf Schlüsselreize anspringen wie ein Pawlowscher Hund und gar nicht lesen, was jemand behauptet. Reiss hat vollkommen Recht: wenn Kreationismus in der Lebenswelt der Schüler ein Thema ist, dass muss man das im Unterricht thematisieren. Daraus aber abzuleiten, dass das implizit ‚gleicher Status‘ bedeutet, ist abwegig.

    Fakten alleine werden keins dieser Kinder überzeugen, denn in den üblichen Pamphleten der Evolutionsgegner findet man zu jedem dieser Beispiele Einwände. Erfahrungsgemäß schauen sich diese Kinder dann lächelnd an und nicken verständnisinng (’schau mal, da verzapft der Lehrer genau das, von dem xxx geschrieben hat, warum der das erzählt, und wo man auch nachlesen kann, warum dass vollkommen neben der Kappe ist‘).

    Wenn man in Evolutionsgegnern eine Gefahr sieht, müsste man dieses Thema verstärkt im Unterricht behandeln. Und zwar konstrastierend, indem man die Einwände aufgreift und widerlegt. Oder, falls das nicht möglich ist, zeigt, wie Wissenschaft funktioniert.

    Wenn man fordert, dass im Bereich der Naturwissenschaften nur die Naturwissenschaften gelehrt werden, geht das in Richtung ‚reine Lehre‘ und Immunisierung gegen Kritik. Wahlweise auch ‚wir müssen die Kinder erst im Glauben festigen, bevor wir diese den Anfeindungen der Welt aussetzen‘.

    Ich hoffe, dass wir Naturwissenschaftler hinreichend Argumente haben, um unseren Standpunkt auch vor Schülern so darlegen zu können, dass uns niemand ‚Indoktrinierung‘ vorwerfen kann.

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