Gotteskrieger -oder die missionarische Dimension der Bundeswehr?


hpd.de
Quelle: hpd.de

AUGSBURG. (bfg/hpd) Der Bund für Geistesfreiheit Bayern protestiert gegen die künftig verpflichtende Teilnahme aller Soldaten an Unterweisungen der Militärseelsorger, auch für Konfessionsfreie

„Der bisher freiwillige Lebenskundliche Unterricht der Seelsorger ist künftig verpflichtend. Die Seelsorger haben dann Zugang zu allen Soldaten, gleich welcher Konfession und Weltanschauung. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Vermittlung und Grundlegung einer soldatischen Berufsethik, die in unserer christlich-abendländischen Tradition gründet.“

Eindeutiger und offener als mit diesem Zitat aus der Katholischen Kirchenzeitung der Diözese Augsburg vom 2.11.2008 hätte der katholische Militärbischof Mixa das Fazit der 53. Gesamtkonferenz der Militärseelsorger nicht auf den Punkt bringen können. Es geht einerseits um Missionierung unter Missachtung der Religionsfreiheit der Nichtreligiösen – immerhin 42 Prozent der Bundeswehrangehörigen sind konfessionslos – und andererseits um die Vermittlung einer Berufsauffassung in altbekannt christlicher Tradition.

Da die NATO (und damit auch die Bundeswehr) seit 1992 nicht mehr als Verteidigungsbündnis, sondern als ggf. weltweit operierende Eingreif- und Angriffsarmee definiert ist, wird der Rückgriff auf die christlich-abendländische Tradition nur logisch: Welche andere Organisation als die Kirche (vor allem, aber nicht nur die katholische) hätte denn eine mehr als tausendjährige Erfahrung im Führen von effektiven Angriffskriegen?

Daher rufen wir alle Organisationen, denen Weltanschauungsfreiheit, Verteidigung der Bürgerrechte und Friedenserziehung wichtig sind, zu Initiativen auf mit dem Ziel die oben dargestellte Kursänderung in der Militärseelsorge rückgängig zu machen. Speziell sprechen wir hier die Humanistische Union, die Deutsche Friedensgesellschaft und die deutsche Sektion von Amnesty International, aber auch die Oppositionsparteien im Bundestag an.

Der Bund für Geistesfreiheit wird allen Soldaten Unterstützung zukommen lassen, die sich gegen die Zwangsteilnahme am militärischen Religionsunterricht wehren.

Wie sehr es hier um Missionierung geht, machte der Militärbischof in seinem abschließenden Statement deutlich auf die Frage „Sie sind hier in Brandenburg, wo der Anteil der Christen niedrig ist. Gibt es eine missionarische Dimension in der Militärseelsorge?“

Die (um einige Floskeln leicht gekürzte) Antwort: „Die missionarische Dimension ergibt sich von allein. Am Standort und im Einsatz sind unsere Seelsorger gefragt. Sinnfragen und die Frage nach Gott spielen da immer eine Rolle. Wir brauchen da gar nicht zu werben. Durch aufgeschlossenes „Da-sein“ geben wir den jungen Leuten Gelegenheit auch in unseren Gottesdiensten etwas vom Glauben kennen zu lernen.“

Deutlicher geht es nicht mehr, aber jetzt ist auch ein deutliches Eintreten für eines der wichtigsten Grundrechte gefragt!

Gerhard Rampp

8 Comments

  1. @Heiko
    „Wenn es einen Gott gibt, so hoffe ich das er bald zu uns kommt und diesen Budenzauber aufdeckt und genau vor den Toren des Vatikans, das von denen selbst so viel beschworene Fegefeuer entzündet.“

    Ich pers. „glaube“, dass ein Gott/Göttin/… weder vor 2000 Jahren, noch vor 5000 Jahren und erst recht nicht heute oder in 25.000 Jahren zu uns gekommen war bzw. kommen wird. Schon im Altertum wurden Kriege „im Namen Gottes“ geführt und Schwerter zusammen mit Religionszeichen an die Front geführt. Seit Jahrtausenden hassen sich Gruppierungen und verwandeln Grund und Boden zu Schlachtfeldern. Und auf den meisten war dann auch Religionszauber anwesend. Auch in diesem Falle wird die Waffe der Bundeswehr gleich mit der Missionierungsfunktion geführt. Zwar nicht von Vollchristen, aber dies lässt sich einfach mit einer Zwangsmissionierung beiseite schieben. Nichts ist im Kriegseinsatz wichtiger als das gehorsame befolgen von Christus Leitsätze, nicht wahr ? 😉 .

    „Die missionarische Dimension ergibt sich von allein.“

    Dies sagt wohl alles. Wozu gegen Kriege und für die Menschenliebe „kämpfen“, wenn man auch einfach am Rande dastehen kann und am Ende des großen Bumm-Bumms einfach die kümmerlichen Reste mit ein bisschen Bibelzauber zusammen kitten.

    Päpste haben Sexorgien gefeiert, unangenehme Zeitgenossen bis auf die Knochen gefoltert und grausamste Aktionen gebilligt. Dagegen ist das, was wir hier in Deutschland „erdulden“ noch nahezu human und friedlich ! Und wenn der/die/das Gottesding schon damals nicht eingegriffen hat, als die Menschen supergläubig, eingeschüchtert und unter der Kirche geknechtet wurde – weshalb sollte er/sie/es sich unbedingt heute einmischen ? Oder in Zukunft, wenn wir mit fliegenden UFO-Autos zur Arbeit fahren ? 😉 . Sich hinsetzen und abwarten, bis die Gottesanbeter „irgendwann“ von ihrem Gott bestraft werden ist wohl ein wenig illusorisch.

    Wir werden von C-Parteien regiert, wie Du auch treffend gesagt hast. Und solange wir, das deutsche Volk, weiterhin dank ihnen an unsere „Wurzeln“ erinnert werden, bleiben Gottesgebete weiterhin Teil der Regierungsarbeit. Und mit ihr zusammen auch die Verquickung zwischen dem Aberglaube und der Staatsführung… inklusive der Zwangsteilnahme an Aberglaube im Kriegsdienst. Ein wahrer Teuf… äh … Gotteskreislauf 😛 .

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  2. Ist es nicht das Ausmaß an Traurigkeit, ist es nicht wirklich zum kotzen, mit welch einem Budenzauber wir täglich belogen und betrogen werden? Was sind das für dummer Menschen auf dieser Welt, die sich an der Nase rumführen lassen. Die Festlegung im Grundgesetz, dass Religion und Staat strikt zu trennen sind und das, was wirklich täglich passiert, ist der größte Affront gegen das Volk. Denn obgleich Religion und Staat zu trennen sind, werden wir von einer christlichen Partei regiert, schwören unsere Kanzler und Präsidenten Ihren Eid mit „so wahr mir Gott helfe“, werden chrisliche Moralvorstellungen als Werte verkauft, auf die unsere Kultur basiert, sind viele Politiker selbst studierte Theologen, gibt es extra durch die Regierung berufene Beauftragte für Fragen der Weltanschauung, welche wiederum christen sind und welche dann versuchen im Zuge einer modernen Inquisition alles anders denkende ausmerzen, gibt es Staatsverträge mit den Kirchen und und und. Und nun wird festgelegt, dass die als „Seelsorge“ verdeckte Missionierung der gesamten Bundeswehr bindet für Alle ist. Somit bildet man letztlich „Gottes Krieger“ aus, was ganz im Sinne der Kirche sein dürfte. Wenn es einen Gott gibt, so hoffe ich das er bald zu uns kommt und diesen Budenzauber aufdeckt und genau vor den Toren des Vatikans, das von denen selbst so viel beschworene Fegefeuer entzündet.

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  3. Was verspricht man sich denn eigentlich davon? Man kann zwar auch konfessionslosen Soldaten befehlen, am „lebenskundlichen Unterricht“ teilzunehmen, doch will man ihnen auch befehlen zu glauben? Wenn 42% der Soldaten konfessionslos sind, dann sind zwar die restlichen 58% Mitglieder irgendeiner Konfession. Doch sind die denn auch wirklich alle gläubig? Vor allem im Westen gibt es doch haufenweise Leute, die gemäß ihrer Lohnsteuerkarte irgendeiner Konfession angehören und brav ihre Kirchensteuer bezahlen, die aber mit dem Glauben nichts am Hut haben. Sicher gibt es doch auch unter den Soldaten weiterhin auch noch zahlreiche, die sich einfach noch nicht dazu durchgerungen haben aus der Kirche auszutreten! Somit dürfte doch wohl der Anteil der tatsächlich „Ungläubigen“ sogar noch höher liegen. Befürchtet man denn nicht, dass dies sogar einen zersetzenden Einfluß auf dieses Missionsbestreben hat? Aber wahrscheinlich wird man dann wohl auch bestrebt sein, jeden, den man nicht zum Glauben bringen kann, wenigstens zum Schweigen zu bringen!

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  4. Ich auch robert, aber gerade deshalb hat die Religion dort nichts zu suchen. Die BW ist eh schon eine viel zu sehr auf Befehl und (blinden?) Gehorsam ausgerichtete Armee. Wenn man jetzt noch 3 Esslöffel Glaube drunterrührt wird es eklig

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  5. Das Militär ist der beste denkbare Ort für Missionierung. Gehorsam stellt dort einen integralen Teil des Berufsethos dar, existenzielle Bedrohung ist Alltag und die Bereitschaft, für einen höheren Zweck Menschenopfer zu erbringen, wird gar institutionell anerzogen. Da „Gott mit uns“ schon nicht mehr auf den Gürtelschnallen prangt, muss man die Soldaten eben umso gründlicher erziehen…

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  6. Mit 42% Konfessionslosen steht der Bund besser da als die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt. In der Tat befürchte ich aber, dass unsere Soldaten sich nicht trauen, dagegen deutlich zu protestieren, was sie tun sollten.

    Leider wird die Kritik des bfg dadurch abgeschwächt, dass sie offenbar nicht die größten Anhänger der Bundeswehr sind. Vielleicht bringt es mehr, wenn ich als Befürworter ihres Auslandseinsatzes in Afghanistan darauf hinweise, dass sie diese Missionare ihrer Reihen verweisen sollten, weil sonst die Moral der Truppe gefährdet ist.

    Die Vorstellung, dass Soldaten, die meinen, sich in einem „Heiligen Krieg“ zu befinden, besser kämpfen würden, hat einen großen Haken: Religiöse Fanatiker lassen sich nicht mehr kontrollieren. Das ist ein Spiel mit dem Feuer, das beendet werden muss.

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  7. Irgendwie logisch, dass die Kirche dieses Missionsfeld für sich entdeckt hat. Wo sonst muss man mit weniger Widerspruch rechnen und darf man auf so strikten Gehorsam hoffen?

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