Der Geist in der Maschine


©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
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von Julia Voss – FAZ.NET

Jetzt ist der große Moment gekommen: Aus der Cambridge University Library wurden die Briefe und Notizbücher gebracht, aus Down House Arbeitstisch, Mikroskop und der Sessel mit den eleganten Holzrollen, aus dem Natural History Museum in Tring die Spottdrosseln der Galápagosinseln und von den Erben des englischen Naturforschers ein kleines versiegeltes Kuvert. „Nach seinem Tod in Vaters Manuskripten gefunden“, steht auf dem Briefchen, das nun zum ersten Mal ausgestellt ist. Darin befinden sich Haare, das letzte, was den Kindern von Charles Darwin plötzlich blieb, herausgefischt aus seinen Arbeitsunterlagen, als nach seinem Tod im April 1882 auf einmal alles ganz schnell gehen musste.

Die Familie rechnete noch mit einer privaten Beerdigung im kleinen Kreis, da traf die Nachricht ein, der Begründer der Evolutionstheorie solle ein Staatsbegräbnis erhalten, neben Isaac Newton in Westminster Abbey. Der Leichnam wurde abgeholt, am darauffolgenden Sonntag hielt Harvey Goodwin, der Bischof von Carlisle, die Gedächtnispredigt. Beerdigt wurden damit eigentlich schon damals zwei Mythen auf einmal. Der erste: Die Evolutionstheorie habe Darwin zum attackierten Außenseiter gemacht. Die zweite: Kirche und Wissenschaft seien über die Auseinandersetzung zerbrochen.

Fossilien, Käfer, Pflanzen, Briefe, Bilder

Wer war also Charles Darwin, wenn wir den großen Legenden keinen Glauben mehr schenken? Im Natural History Museum in London eröffnet heute die Ausstellung „Darwin“, die das Leben, Denken und Forschen als einem begehbaren Parcours für Kinder und Erwachsene aufgebaut hat. Die Schau bildet den Auftakt für das in wenigen Wochen anbrechende Jubiläumsjahr: Vor zweihundert Jahren, am 12. Februar 1809, wurde Charles Darwin im englischen Shrewsburg geboren und vor hundertfünfzig Jahren, am 24. November 1859, erschien das Gründungswerk der Evolutionstheorie „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“.

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