„Pro-Reli“ – voll Banane


Markus Wächter  , Berliner Zeitung
Die Initiative "Pro Reli" nutzt alle Möglichkeiten für das Volksbegehren: Selbst auf Bananen wird für die Kampagne geworben. Quelle: Berliner Zeitung

Für das Volksbegehren fehlen „Pro Reli“ noch 130 000 Unterschriften. Wie die Gemeinden sich stärker engagieren wollen

Marlies EmmerichBerliner Zeitung

Sonntags ist der Gottesdienst in der evangelischen Gethsemane-Kirche in Prenzlauer Berg immer gut besucht – auch dank der Zuzügler aus Westdeutschland. Direkt am Eingang steht diesmal der Tisch „Freie Wahl“ mit den Listen für das Volksbegehren zu Gunsten eines Wahlpflichtfaches Religion /Ethik. Gleich zu Beginn des Gottesdienstes haben sich zehn Besucher neu bei „Pro Reli“ eingetragen.

Der Pfarrer predigt am Volkstrauertag über Krieg und Frieden. Auch in den üblichen Informationen für die Gemeinde – diesmal unter anderem zu einem Kinderoratorium – kommt das Volksbegehren nicht vor. „Das muss auch nicht sein, mein Mann und ich haben schon vor Wochen unterschrieben“, sagt eine Protestantin. Die Christin geht davon aus, dass die Mehrheit der Besucher bereits ihre Unterschrift geleistet hat.

In der nicht weit entfernten katholischen Herz-Jesu-Kirche in der Fehrbelliner Straße geht der Pater lieber auf Nummer sicher. Geradezu „gebetsmühlenartig“, erzählt ein Katholik, erinnere Pater Gerold Jäger jeden Sonntag an die Notwendigkeit des Volksbegehrens. Keine Predigt werde dazu ausgelassen. Die Schautafeln im Eingangsbereich seien „umfunktioniert“ und mit Materialien des Volksbegehrens komplett aufgefüllt worden.

Nicht überall ist das so einfach. Martin Haesler, bis vor kurzem „Pro-Reli“-Beauftragter der Dorfkirchengemeinde Dahlem, hat sein Amt abgegeben. Der Musiklehrer fühlt sich, wie er selber sagt, falsch informiert. Inzwischen sei ihm klar geworden, dass es nicht nur um Religionsunterricht gehe, sondern gleichzeitig darum, das bisherige Pflichtfach Ethik für alle ab der siebten Klasse abzuschaffen und parallel als Wahlpflichtfach zu Religion schon ab der ersten Klasse anzubieten. „Solche wichtigen Details hatte ich übersehen. Jetzt kann ich die Kampagne nicht mehr mittragen“, sagt Haesler. Der Protestant sagt, dass er „eine Menge“ Gesprächspartner mit ähnlichen Auffassungen kenne. Der Gemeindekirchenrat hat sich aber mehrheitlich hinter das Volksbegehren gestellt, vor Gottesdiensten wird regelmäßig gesammelt. Zum Ärger von Haesler gehen sogar die Einnahmen des Herbstfestes vom Wochenende an „Pro Reli.“ „Früher haben wir das Geld für soziale Zwecke verwendet“, so Haesler.

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3 Comments

  1. Der Wechsel zur „Wahlfreiheit“-Lüge war halt sehr erfolgreich, wie auch der Irrglaube von Pro Ethik, Pro Reli unterschätzen zu müssen (wie auch andere).

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  2. Oder mit anderen Worten: Nach der Hälfte der Zeit hat man gerade einmal 40k der nötigen 170k Unterschriften. Offenbar sind ja nichtmal alle dafür, die regelmäßig in die Kirche gehen (das sind afaik mehr)…

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