Der verschleierte Rechtsstaat


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VON TARAFA BAGHAJATI (Die Presse)

Der Prozess gegen Mona S. könnte dazu führen, dass unsere Gerichte mit jenen in der Türkei oder Russland in einem Atemzug genannt werden.

Österreich ist kein Gottesstaat“, stellte der damalige Richter im Prozess gegen Mona S. fest. Ja, aber was hat das mit der auch im Gesicht verschleierten Frau zu tun? Aufgabe des Richters ist es primär, die Tatsachen zu eruieren und danach ein gerechtes Urteil zu verkünden. Auch die Frage nach den fünf Säulen des Islams im ersten Prozess war eines Gerichts nicht ganz würdig. Es geht den Schwursenat schlichtweg nichts an, ob die Angeklagte die Glaubenssäulen des Islam auswendig kennt oder nicht.

Nun macht die neue Richterin Michaela Sanda ihre Sache behutsamer und jedenfalls besser. Für die Gerechtigkeit hat sich aber nichts geändert. Die Aussage der Angeklagten Mona S., wonach Gesichtsschleier „die einzige wahre Auslegung des Korans“ sei und dass gläubige Musliminnen mit Kopftuch „ungebildete Leute, die keine Ahnung haben“ seien, ist zwar eindeutig theologischer Unfug, Mona S. befand sich aber nicht in einer Prüfung der islamischen Wissenschaften, sondern musste sich gegen Terrorismus verteidigen.

Frau Mona S. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass sie sich mit Übersetzungsdiensten nicht nur schuldig gemacht, sondern sich indirekt auch an kriminellen und terroristischen Aktivitäten beteiligt habe. Dieser schwerwiegende Vorwurf wird gerade gerichtlich behandelt. Das ist normal und auch richtig so.

Welche Kleidung Frau Mona S. trägt, kann das Gericht zwar interessieren, nur die offenbar vorprogrammierten Urteile des Schwursenats und dessen Vorsitzenden, dass die Gesichtsbedeckung eine „Missachtung des Gerichts“ oder gar Provokation sei, ist falsch und in dem sensiblen Fall alles andere als angebracht.

Kleidung verrät kein Gedankengut

Die Bedeckung des Gesichtes wird von einer Gruppe im Islam, einer Minderheit, theologisch als Pflicht angesehen. Über dieses Kleidungsstück kann und soll in jeder Hinsicht diskutiert werden. In Österreich ist es unter anderem wegen der offenen Haltung der Musliminnen hier im Lande fast nirgends zu finden. Musliminnen wollen ihren Gesichtsausdruck nicht verstecken und das ist wunderbar so. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau sollte oberstes Gebot sein.

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2 Comments

  1. Nun, mir ist es anders gegangen.
    Ich trug im Winter immer ein dickes tuch, so wie es die Russinnen tun. War einfach praktisch.
    In der Übergangszeit trug ich eiin leichteres Tuch, entweder um den Kopf, oder – wenns wärmer war – einfach um die SChultern…

    Und es begegnete mir ein Mann, keine Ahnung – türke? Araber? kein einheimischer jedenfalls, und Moslem ganz gewiß.

    er sah mich mit meinem Tüchlein. Ich trug ein rotes Pallituch, weil ich es mochte.

    Und der arme Mann war von meinem Aufzug so kkonsterniert, daß er mich mit einem SChwall von Worten überschüttete. Ich habe keines verstanden, ich weiß nicht mal, welches Sprache es war. Es klang keinesfalls freundlich.
    Zwar blaffte ich, nachdem ich mich von meiner Verblüffung erholt hatte, zurück.
    Aber ich trau mich seither nicht mehr, einTuch zu tragen.
    Was, wenn mir der nächste es am kopf festnagelt? ziemlicher scheiß, sag ich euch.

    Islamophobie würd ich das nicht nennen. Sondern einfach ne Unverschämtheit, gegen die ich leider nichts weiter setzen konnte.

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  2. Vor einigen Jahren war die Feindseligkeit gegenüber verschleierten Frauen in Deutschland noch wesentlich stärker. Es war nicht ungewöhnlich, dass eine solche Frau auf hellichter Straße von selbsternannten Menschenrechtlern und Frauenfreunden angepöbelt wurde! Was zunächst paradox klingt, liegt darin begründet, dass diese Frauen nicht als freie Menschen wahrgenommen wurden, sondern als Symbole der Bedrohung der westlichen Gesellschaft. Dahinter stand die krude Logik:

    „Islam ist Unterdrückung. Westen ist Freiheit. Wir sind im Westen, also ist die Frau frei. Sie kleidet sich aber islamisch, und das steht für Unterdrückung. Da sie frei ist, muss sie sich aus Überzeugung so kleiden. Dadurch befürwortet sie Unterdrückung, und somit ist sie ein Feind.“

    Inzwischen ist die Islamophobie meiner Wahrnehmung nach zurückgegangen, genießt aber immer noch eine breite Zustimmung in der Bevölkerung. Das mal als allgemeinen Kommentar zu der Thematik, unabhängig von dem vorliegenden Fall.

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