Bildung – der Feind von Kirche und Glauben


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Bischof Patrick O'Donoghue | Copyright: lancasterdiocese.org.uk

Lancaster/ England – Mit der Behauptung, dass gebildete Katholiken durch ihren Skeptizismus Zerstrittenheit, Verwirrung und die derzeitige Krise der katholischen Kirche Englands verursacht hätten, sorgt der römisch-katholische Bischof von Lancaster Patrick O’Donoghue, nicht nur bei Kirchenkritikern für Empörung.

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Ohne konkrete Namen von Mitgliedern der britischen Gesellschaft zu nennen, beschuldigt der als erzkonservativ geltende Bischof gebildete und prominente Katholiken, für den anwachsenden Säkularismus (Trennung von Staat und Kirche) und die gleichzeitig rückläufige Anzahl der Kirchgänger verantwortlich zu sein.

Wie die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ berichtet, bemängelt O’Donoghue dass die angesprochenen Vertreter aus Politik und Medien statt der Kirchenlehre zu folgen, hedonistisch, selbstsüchtig und egozentrisch seien. Offenbar seien sie durch ihre Bildung von der Kirchenlehre abgerückt.

Bei den von O’Donoghue nichtnamentlich kritisierten öffentlichen Personen handelt es sich nach Ansicht von Beobachtern unter anderem um den Direktor der BBC Mark Thompson und den einstigen Premierminister Tony Blair. Thompson setzte sich für die Ausstrahlung so umstrittener Sendungen wie „Jerry Springer“ und der Vatikan-Satire „Popetown“ ein, während Blair für seine liberalen Positionen zu Rechten Homosexueller und Abtreibung bekannt war.

In seinem kürzlich veröffentlichten Bericht über die Erneuerung des Katholizismus in Großbritannien, sieht Bischof O’Donoghue einen weiteren Grund in der Bildung der Massen (mass education), welche zu „der Erkrankung innerhalb von Kirche und Gesellschaft“ geführt habe.

„Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs können wir in den westlichen Gesellschaften eine innerhalb der menschlichen Geschichte zuvor nicht gekannte Bildung der Massen beobachten. Diese hat zwar zu ökonomischem Wachstum, wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt und kultureller wie sozialer Bereicherung für Millionen von Menschen geführt“, so der Bischoff, doch jedes menschliche Bestreben habe auch eine „dunkle Seite infolge von Erbsünde und Begehrlichkeiten“.

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10 Comments

  1. Ach was, Hedonismus.
    Das ist ein alter Hut, mit der Keule wird immer schon geworfen.
    Was spricht dagegen, daß man sich auch mal wohl fühlen will?

    Da sollte der gute oberhirte sich doch mal bei den oberen Zehntausend umgucken und bei hochgestellten (auch kirchlichen) Persönlcihkeiten.

    Mir meine Badewanne zu neiden ist doch lächerlich….

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  2. Nuja ich will hier auch mal ein paar Worte des Lobes sprechen. Der Mann hat doch offensichtlich recht, und ich finde es sowohl konstruktiv als auch einsichtig dass er zugibt, dass Bildung und Katholizismus unvereinbar sind. Ich wünschte eine solch offene Ehrlichkeit aus dem Lager der Supernaturalisten währe Norm und nicht Ausnahme.

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  3. @nickpol
    Keine Angst… der Kerl dort oben hat schon ein (oder mehrere) Hirn(e) runtergeworfen. Nur haben einige Menschen „ihres“ aufgefangen, bei anderen ist es am Boden zerschellt 😉

    Schm(m)erz beiseite…
    Jeder hat eine Meinung, und auch der Bischof hat seine. Aber wer tatsächlich davon ausgeht, dass Wissen – ich unterstreiche: WISSEN – zu einer „zerstückelten Gesellschaft(..), die Gott verdrängt und den Menschen vorgaukelt, sie könnten auch ohne Gott ein glückliches und produktives Leben führen.“ führt (O’Donoghue) oder gar „Die Erfolge von Marxismus, Kommunismus, Sozialdarwinismus, Nationalsozialismus und Faschismus sind ohne moderne Volksbildung überhaupt nicht denkbar.“ (elektr. Feder) behauptet, hat den großen Blick wohl versehentlich auf eine Nadelspitze reduziert.

    „Das diese „Schattenseiten“ auch Mitglieder der Kirche beeinflussen, wundert den Kirchenmann indes nicht und zitiert Papst Benedikt XVI., als dieser feststellte, dass Hedonismus, Egoismus und egozentrisches Verhalten selbst in der katholischen Kirche zu finden sei.“

    Ich behaupte – mal so frei von mir – dass das Nachdenken und hinterfragen gewisser Themen zwangsläufig zur Nachforschung (Forschung -> Wissenschaft -> Wissen ?) führt. Und wenn dabei einigen die 2000 Jahre alten Texte „komisch“ vorkommen, und sie im modernem Gewandt gekleidet sehen wollen, kann für manchen Ultragläubigen zur Gefahr werden. Es kann und darf eben nicht sein, dass verdammt alte Texte aus der Wüste, die sich um Königreiche und Wanderschaften befassen, zweifeln aufkommen lassen. In einer Zeit, in der Menschen lieber zum Arzt gehen, als sich vom Buschdoktor mit Dämpfen und Gebeten heilen zu lassen. Die Moderne ist eben eine schlimme Zeit… eine ganz ganz schlimme Zeit. Zumindest für die Buschdoktoren.
    Und in der Kirche ? Auch dort wundert man sich, dass viele Kirchenbänke so leer sind. Weshalb ? Tja, ganz einfach… der Mensch weiss eben zuviel. Und zuviel Wissen führt eben zum Hass, zur Vernichtung des Individuums und schlußendlich zur Apokalypse, der Vernichtung des Planeten. Terroristen sind ja auch nur deshalb fähig, Bomben zu bauen, weil sie Wissen besitzen. Das Wissen über die Schrift (el. Feder). Tja, wären es bloß „dumme“ Analphabeten, könnten sie einen nur mit Messern und Spucke gefährlich werden. Und wären sie sogar komplett ohne Hirn, könnten sie nicht einmal die Tür finden und wir wären draussen vor dem ganzen Terrorismus geschützt 😉 .

    Intelligenz und Wissen. Zwei ganz ganz böse Wörter. Gut, dass es nur ein Wesen mit Intelligenz gibt, der Herr, der Gott, der Obervater, der Befreier, der Bestraf… äh … Beschützer, usw. Und wenn wir alle ganz ganz lieb sind und unser Leben lang den Stellvertretern unsere Seele offenbahren und täglich in den großen Topf spenden, werden Terroristen aufhören, Bomben zu bauen und Menschen zu töten. Der „Antihumanismus“ der Intellektuellen wird verschwinden und der „Humanismus der Idioten“ wird die Welt beherrschen. „Zack McKracken“ at it’s best !!
    Wunderschön ist auch folgendes Zitat der el. Feder: „Ein gebildeter Mensch verliert ohne Gott leicht die ethische Orientierung und greift leichter zum Mittel der Täuschung und Lüge.“
    Und natürlich werden Gläubige mit Versprechen über Auferstehung, Wundertaten, Feuerqualen, (Vor-)Höllen und Heiligen keinesfalls getäuscht und belogen. Das kann nicht sein. Unser Papst war ganz sicher schonmal in einer (Vor-)Hölle und hat wissenschaftliche Arbeit dort geleistet wie z.Bsp. Temperaturmessung, Größen- und Tiefenbestimmung, Messung der Schwerkraft und des Luftdrucks als auch der Luftfeuchtigkeit usw. Und aufgrund dieser nachvollziehbaren/empirischen Beweisen hat er sich in weiße Gewänder gehüllt und vom Balkon erzählt, dass uns dort unten nur schlimmes erwartet. Naja, die Beweise sind im Laufe der Zeit eben verschwunden … oder man hat sie so tief im Vatikan vergraben, dass man sie heute nicht mehr wiederfindet. Und natürlich hat man auch den Eingang zur Hölle, zum Himmel oder generell zum Wissen selbst mitvergraben.

    Ja, Dummheit ist nicht so schlimm wie Wissen. Wenn ein Idiot mit einem Stein einen Nachbarn unwissentlich das Hirn zerdeppert ist es noch lange nicht so schlimm (und vor Gott „ethischer“) als wenn ein Idiot mit der Atomspaltung/-verschmelzung eine Bombe baut und das selbe an vielen Menschen ausführt. Vor Gottes Gericht ist ja auch das Vergewaltigen einer Person noch lange nicht so schlimm wie der „Gruppensex“ an ‚zig Menschen, oder was ? 😉 .

    Ich weiss nicht, ob ich mangels „dummen“ Humors oder aufgrund der (durch Wissen erworbenen) Erfahrung und Intelligenz nun lachen oder weinen soll. Am besten lasse ich den Bischof mal in frieden zuhause (dumme) Schäfchen zählen und gehe erstmal hier unten Einkaufen. Dort gibt es verpacktes aus der Tiefkühltruhe. Eine ganz tolle Erfindung von (unchristlichen ?) Wissenschaftler, wie ich finde. Etwas, womit dumme Schafe und intelligente Lämmer gut leben können. Auch „Antihumanisten“ und „Antichristen“ 🙂

    @yerainbow
    Könntest Du bitte etwas zur „wahren Lehre“ schreiben ? Ich konnte absolut nichts dazu finden. Nur, dass irgendwo im Osten tatsächlich eine abgedrehte Fatwa gegen Micky Maus existiert, weil sie eben eine Maus ist und Mäuse böse Tiere sind 🙂 .

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  4. Also ich muss kritisieren, dass man wegen einer kirchlichen Randposition gleich mit so einer Überschrift daher kommt. Ich würde vorschlagen, ans Ende der Überschrift ein Fragezeichen zu setzen.

    Des weiteren muss ich O’Donoghue soweit verteidigen, dass er das Problem wohl eher in wachsendem Hedonismus und sich ausbreitender Egozentrik sieht. Darin würde ich ihm nämlich zustimmen. Dass er das dann allerdings in einen direkten Zusammenhang zum gestiegenen Bildungsniveau setzt, halte ich auch für sehr kritikwürdig.
    Ich sehe das eher so, dass nicht die Bildung selbst, sondern der menschliche Hochmut, der mit steigendem Wissen einher gehen KANN (aber nicht muss), für die schrumpfende Ehrfurcht vor Gott verantwortlich ist. Die Herausforderung unserer Zeit besteht also darin, dass gebildete Menschen zu einer demütigen Herzenshaltung finden. Das Christentum muss lernen, endlich wieder progressiv zu denken, so wie es schon zu Jesu Zeiten der Fall war. Die Zeiten, nach denen sich der Bischof vielleicht sehnt, will niemand zurück.

    Nebenbei bemerkt …
    erstaunlicherweise scheint die gestiegene Bildung die Mündigkeit der Bürger kein Stück zu erhöhen. Das Diktat des Papstes wurde durch das Diktat der allgemeinen Medienmeinung ersetzt, die in sich vielleicht etwas heterogener ist, aber im Großen und Ganzen die Bürger auch nicht gerade zum selbständigen Denken ermuntert.

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  5. mir fällt da vielmehr Heine ein…

    …. das Eiapopeia vom Himmel
    womit man beruhigt, wenn es greint
    das Volk, den großen Lümmel…

    gibt übrigens ne klasse Sci-Fi-Story (nicht ganz taufrisch), „Die wahre Lehre nach Micky Maus“. (die anthologie heißt genauso).

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  6. @[C]Arrowman

    10 REM Sarkasmus 0.1 Beta
    20 PRINT „Bist Du verrückt ??“
    30 GOTO 20

    😛 Oldschool !

    Sowas unverantwortliches wie etwa das „hinterfragen“ darf nicht durchgeführt werden !!!!!!1111elfelfelf!!

    Man stelle sich mal vor, sie würden sowas wie „Erbsünde“ hinterfragen. Und schon wäre die Behauptung des Bischofs für die Katz: „(..)doch jedes menschliche Bestreben habe auch eine ‚dunkle Seite infolge von Erbsünde und Begehrlichkeiten‘.“

    Natürlich werden Erfindungen in der Medizin und der Technik von Engeln eingeleitet, böse böse Sachen wie die Atombombe oder das Maschinengewehr wurden dagegen von Satan in die Welt gebracht. Neutrale Sachen wie das Feuer wurden den griechischen Göttern (hier Prometheus) überlassen 😉 .

    Ja, die Technik und das Wissen über unsere Welt brachte dem Menschen nicht nur Gutes, aber das ist sicherlich nicht die Schuld des Wissens an sich, sondern der i>Nutzung dieses Wissens. Und wie Arrowman so schön andeutete, hat gerade die Kirche mit Hilfe der Technik und des Wissens viele Wege gefunden, Frauen da Leben zur Hölle zu machen. Scheinheilige Menschen waren angeblich „wissend“, dass ertrunkene Frauen normal, aber auf dem Wasser treibende Frauen dann Hexen sind. Kein Wunder, ist doch die Hexerei chemisch gesehen stark mit dem Holz verwand 😉 .

    Nein. Natürlich ist das Schwachsinn pur… das wissen wir jetzt. Aber für manchen Bischof ist der Alltag wohl zu trist und er muss sich was finden, was irgendwie in das Schema passt. Also warnt er die Christen, sich nicht zu sehr der Technik und dem Wissen hinzugeben. Eine gute Tag… im engerem Sinne. Aber auch eine gute Ausrede, dem sich immer weiter verbreitendem Skeptizismus in den Weg zu stellen. Stetiges Nachfragen, zweifeln, hinterfragen und forschen hat den Menschen nicht nur billionen von Erfindungen gebracht, sondern auch (in seinen Augen) teuflisches Zeug wie den „Unglauben“, die „Homosexualität“ und „anti-christliches Gedankengut“.

    Naja, nun hat er sich geäßert. Amen. Und nun ? Ist die Welt bunter, toller und friedlicher geworden ? Wenn ja, wird er heilig gesprochen. Wenn nein, dann verschwindet er bei mir schnell in der untersten Schublade. Die Schublade ohne Namen, dessen Inhalt nach einiger Zeit ungeprüft in den Papiermüll wandert.

    Naja… als ich auf dem Blog der elektrischen Feder auf „Bildung und Dummheit“ stoß, habe ich in mir Übelkeit verspürt und gewünscht, dass wesentlich mehr Bildung auf die Menschheit losgelassen wird. Bildung für alle ! Wissen für alle ! Damit Geistliche wie der Bischof O’Donoghue von noch mehr Menschen skeptisch betrachtet werden.
    Ansonsten droht ein Rückfall in das Vor-/Mittelalter, als der gemeine Pöbel zum backen des Brotes und und schmieden der Waffen gut genug war und nur wenige „Geistliche Gelehrte“ das Recht und die Macht hatten, Kräuter für das Wohlbefinden zu mixen 😉 .

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  7. #include disclaimer.inc
    #include sarcasm.inc

    Bildung als Feind der Kirche, wer hätte das gedacht.

    Die Schafe könnten ja anfange das was die Hirten sagen zu hinterfragen, dann wäre ja ihr Seeelenheil gefährdet, wo kommen wir dahin wenn plötzlich jeder für sich selbst denkt anstatt sich von den Boten Gottes, des allmächtigem Magisteriums… ich mein die römisch-katholische Kirche lenken zu lassen…

    gepriesen sei der Herr.

    Die wollen ja eh lle das Beste für unser Seelenheil.

    So ich muss noch ein paar Hexen läutern, cya 😉

    #incllude

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  8. Die Probleme der katholischen Kirche in praktisch allen westlichen Ländern ist wohl eher der wachsende Kontrast zwischen dem Moralverständnis der oberen und der Praxis (und auch dem Moralverständnis) der Gläubigen – mit ihrer Ablehnung von Verhütung steht die katholische Kirche halt ziemlich im Abseits und die Positionen zu Homosexualität und außerehelichem oder „non-Standard“ Sex sind auch nicht gerade Mainstream…

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