Stirb nicht aus, Axolotl!


ithaca.edu/faculty/jhardwick/hardwick.htm
Quelle: ithaca.edu/faculty/jhardwick/hardwick.htm

THOMAS KRAMAR (Die Presse)Der Axolotl ist ein Junggebliebener: Er wird geschlechtsreif, aber nie wirklich erwachsen.

Für das Mammut ist es deutlich zu spät. Aber für den Pandabären habe ich noch nie unterschrieben, für den Schneeleoparden nie gespendet, zur Rettung der Wale habe ich nichts beigetragen, und wenn man mir ein warmes Mützchen aus Biberrattenfell schenkte, wer weiß, vielleicht trüge ich es. Der Artenschutz hat in mir keinen eifrigen Streiter, man kann sich nicht um alles kümmern, das meine ich gar nicht zynisch.

Wobei sein kann, dass es einem leid tut, wenn’s zu spät ist. Den Dodo etwa (der nicht, wie eine Schnellsuche im Redaktionsarchiv vermuten lässt, mit Nachnamen Ro??i? heißt) würde ich gern im Zoo besuchen, gleich nach dem Ameisenbären, leider ist er vor 200 Jahren ausgestorben, „as dead as a dodo“, wie der Brite sagt.

Er war tollpatschig und ungewöhnlich zutraulich, heißt es, darum haben ihn die Seeleute, als sie nach Mauritius kamen, Dodo genannt (von portugiesisch „doudo“, Einfaltspinsel) und mit Knüppeln erschlagen. Douglas Adams hat – wie Richard Dawkins in seinen reichen „Geschichten vom Ursprung des Lebens“ erzählt – eine „Doctor-Who“-Episode geschrieben, in der ein Professor Chronotis seine Zeitmaschine ausschließlich dazu benutzt, um ins Mauritius des 17.Jahrhunderts zu reisen und dort des Dodos Schicksal zu beweinen, bevor es sich erfüllt.

So weit würde ich nicht gehen. Aber die Meldung, dass der mexikanische Schwanzlurch Axolotl erneut in die „Rote Liste gefährdeter Tierarten“ eingetragen wurde, stimmt mich trübsinnig. Der Axolotl ist nämlich ein ganz besonderes Tier.

Erstens ist er in der aztekischen Mythologie die letzte Gestalt, in die sich Xolotl verwandelt, der Gott des Blitzes, des Todes und des Unglücks, der Herr des Abendsterns.

Zweitens sieht er gar nicht böse aus, sondern lieb, von vorn wie ein (etwas kryptisch) lächelndes Smiley.

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