„Naturalismus – Leben ohne Geister, …“


Säkularen Humanisten Rhein-Main
Säkularen Humanisten Rhein-Main

FRANKFURT/M. (hpd) Am 14.11.2008 um 20 Uhr, dem zweiten Vortragstermin der Säkularen Humanisten Rhein-Main, sprach der 49-jährige Diplom-Psychologe und Systemanalytiker Volker Dittmar über die naturalistische Weltsicht.

Zunächst räumte der Referent mit dem Missverständnis auf, der Begriff beziehe sich auf eine „Zurück zur Natur – Romantik“ oder beschränke sich nur auf eine bestimmte Kunstrichtung. Das philosophische System des Naturalismus definierte er in Form einer ontologischen und methodologischen Ausprägung. Erstere sieht die gesamte konkrete Wirklichkeit als die natürliche Welt an, wobei aber zur Beschreibung der Welt nur verifizierte (bewiesene) Aussagen sinnvoll sind. Letztere sieht nur das für uns Erfassbare als natürliche Welt an und orientiert sich zur Beschreibung der Realität an der Falsifizierbarkeit (Widerlegbarkeit) lässt aber unüberprüfbare Sätze ebenfalls zu, da sich die Grenzen der Erfassbarkeit durch den Fortschritt verschieben können, so dass auch solche Aussagen – sofern sie natürliche Erklärungen enthalten – sich langfristig als fruchtbar erweisen können. Der methodische Naturalismus ist auch die Position des Vortragenden.

Zur grundlegenden Kennzeichnung der nicht-naturalistischen Weltbilder griff Dittmar zunächst auf ein viel bemühtes Shakespeare-Zitat zurück: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erden als sich eure Schulweisheit träumen läst.“ Ironischerweise war dies nicht etwa eine Aussage des Dichters um übernatürliche Weltdeutung zu rechtfertigen, vielmehr legte er diesen Ausspruch einer seiner Figuren gegenüber dem Helden (Hamlet) in den Mund. Gegenüber diesem Hinweis lässt sich natürlich einwenden, dass die mögliche Existenz von allerlei Unbekanntem nicht zur leichtgläubigen Hinnahme beliebiger Behauptungen ermutigen sollte und entgegnete mit dem Philosophen Quine: „Möglich, aber mein Anliegen ist es, in meiner Philosophie nicht mehr Dinge zu haben, als es zwischen Himmel und Erde gibt.“ Eine Entfesselung spekulativen Denkens ist letztlich ein Freibrief für Wunschdenken, welches nur allzu leicht jedweden Realitätsbezug in Gefahr bringt, so dass der Referent die Zitierfolge mit Bertrand Russel abschließen konnte: „Etwas zu postulieren weil man es wünscht hat viele Vorteile, es sind die gleichen wie die des Diebstahls gegenüber der ehrlichen Arbeit.“

Zur Behandlung der Frage nach dem Verständnis von Wahrnehmung überraschte der ehemalige Zauberkünstler die Zuhörer mit einem experimentellen Stadt-Land-Fluss-Spiel. Er veranlasste drei per Zufall (?) ausgewählte Anwesende jeweils eine Stadt, ein Land oder einen Fluss auszuwählen und verdeckt zu notieren. Sie sollten aber versuchen ihm die Namen auch gedanklich mitzuteilen, ihn „innerlich anschreien“. Wie auch immer die Versuchspersonen die Vorgabe „umsetzten“, jedenfalls notierte Dittmar was er „verstanden“ hatte, die Ergebnisse wurden verglichen und zeitigten zur Überraschung – sogar des Referenten – einen hundertprozentigen Erfolg. Natürlich waren alle gespannt, mehr über diesen Trick zu erfahren. Die Frage ob jetzt irgendjemand im Publikum begonnen habe an übernatürliche Phänomene zu glauben wurde allgemein verneint, worüber der Künstler ausgesprochen erleichtert war. Offenkundig hatte er hierbei hin und wieder schlechte Erfahrung gemacht. Vielleicht sollte der indische Guru Sai Baba, dessen Anhänger ihn für eine Inkarnation Gottes halten, der aber durch in Indien verbotene Filmmitschnitte als Bühnenmagier entlarvt wurde, sich an Volker Dittmar ein Beispiel nehmen. Freilich wollte auch er seinen Trick nicht verraten. Aus dem Publikum kam natürlich zuerst die Absprache-Theorie die aber von den Beteiligten zurückgewiesen wurde. Schließlich einigte man sich darauf, die Schwachstelle bei dem Herumreichen der Notizblöcke zu sehen, wo keine hinreichende Kontrolle gegeben war. Obendrein verwies der gelernte Psychologe auf die nicht unbeträchtlichen Möglichkeiten seines Faches, die aber selten einen dreifachen Erfolg ermöglichen.

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19 Comments

  1. Warum beträtigen sich Naturalisten weiterhin als „Geisterjäger“? Wollen so einen notwendigen Atheismus begründen?

    Wie gesagt „geistert“ derzeit viel Unsinn von Geisterwesen?
    Doch in einem Monotheismus, der sich aufgeklärt auf den Anfang bezieht, gibt es keine geflügelten Wesen einer übernatürlichen Substanz und wird auch kein Gott als Übergestalt gesetzt.

    Die alten Hebräer bzw. Propheten haben auf das „Wort“ eines Unsagbaren, Unabbildbaren gegründet,
    die Juden-Griechen (Christen) haben eine Vernunft allen natürlichen Werdens (in Kosmos und menschlicher Kultgeschichte) angenommen. Genau das, was wir heute Evoution nennen. Alles andere sind Vergeisterungen.

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  2. @Max Headroom:
    „Was ist ein ‚Geist‘?“

    Dem Substanzdualismus nach ein nichtphysisches Wesen mit psychischen Eigenschaften.
    Wir Naturalisten und damit Antisubstanzdualisten verstehen unter einem Geist freilich etwas anderes:

    „Die substanzialistische Sichtweise der Geistigkeit zurückzuweisen heißt nicht zu leugnen, dass jeder von uns ‚einen Geist hat‘; es geht nur darum, dass wir ‚einen Geist haben‘ nicht wörtlich nehmen sollten—das heißt, so, wie wenn es ein bestimmtes Objekt oder eine Substanz gäbe, die ‚Geist‘ genannt wird und die wir im wörtlichen Sinne besitzen. (…) Wenn man den Substanzdualismus beiseite gelegt hat, kann man das Haben eines Geistes schlicht als das Haben einer gewissen besonderen Menge von Eigenschaften, Fähigkeiten und Merkmalen auffassen, also als etwas, das Menschen und einigen hochentwickelten Tiere zu eigen ist, aber Blumentöpfen und Steinen nicht.“
    [© meine Übers.]
    (Kim, Jaegwon. Philosophy of Mind. 2nd ed. Boulder, CO: Westview, 2006. p. 51)

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  3. @Gerhard:
    „Vielen Dank Myron für das Bild vom Computer.“

    Mit „Geist in einer Maschine“ hat sich Ryle nicht auf das der Computerwissenschaft entlehnte Software-Hardware-Modell des Verhältnisses von Geist und Körper bezogen.

    „Doch ob der eigentliche ‚Mono’theismus einen Substanz’dualismus‘ voraussetzt, da hab ich meine Zweifel.“

    Das tut er zweifellos.
    Der Substanzdualismus besagt Folgendes:

    „1. Es gibt in der Welt zwei grundlegend verschiedene Arten von Substanzen [im metaphysischen, nicht im chemischen Sinn]: Geister [Seelen] und Körper. Das Wesentliche eines Körpers ist seine Ausgedehntheit im Raum [„res extensa“]; das Wesentliche eines Geistes sind sein Denken und andere geistige Tätigkeiten [„res cogitans“].
    2. Eine menschliche Person ist ein zusammengesetzes Wesen (eine „Vereinigung“ [„unio“], wie Descartes sagt), das aus einem Geist und einem Körper besteht.
    3. Geister unterscheiden sich von Körpern; kein Geist ist mit einem Körper identisch.“
    [© meine Übers.]
    (Kim, Jaegwon. Philosophy of Mind. 2nd ed. Boulder, CO: Westview, 2006. p. 32)

    Da Gott, Engel und menschliche Seelen dem Theismus zufolge Geistwesen, d.i. spirituelle Substanzen, sind, kann der Theismus nur dann wahr sein, wenn auch der Substanzdualismus wahr ist.

    Im Katechismus der RKK (Kompendium) werden zum Beispiel Engel folgt beschrieben (§60):

    „Die Engel sind rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Geschöpfe, sie sind mit Verstand und Willen begabte personale Wesen.“

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  4. Vielen Dank Myron für das Bild vom Computer,

    doch ob der eigentliche „Mono“theismus einen Substanz“dualismus“ voraussetzt, da hab ich meine Zweifel. Sicher ist derzeit viel vergeistert, was mit dem ursprünglichen Verstand nichts zu tun hat, ihn vielmehr verhindert.

    Der Computer ist m.E. wie die Weltmaschine, deren Bauteile wir sind und bei der ganz naturalistisch alles mit rechten Dingen zugeht, Hard- und Software zusammen eine kreative=hervorbringende bzw. ergebnisorientierte Wirkungsweise ergeben sollen. Was leider nicht automatisch funktioniert und mit Halbaufklärung (nur wissenschaftlicher Aufklärung) wie sich zeigt nicht zu machen ist. Denn das Ergebnis des Weltcompunters kann weder ein hedonoistische Selbstzweck sein, noch biblisch-dogmatisch vorgesetzt werden. Allein das Wissen um das, was sinn-voll wäre, reicht, wie wir sehen, nicht aus, die natürliche, z.B. ökoloigsche Ordnung zuhalten, sich im echt (u. A. finanz)-wirtschaftlichen Gesamtsinne zu verhalten und damit auch den eigenen Genen Gutes zu tun, gleichzeitig Gesamtheit und Zukunft zu gestalten: Genesismaximierung zu betreiben. (Was m.E. im Sinn des Weltcomputers wäre.)

    Schon immer ging es den Denkern in den verschiedenen Weltkulturen um die Frage, wie selbstbewusste Wesen sich weiterentwickeln, eine kreative=schöpferische Ordnung halten, damit in ihrer evolutionären Selbstorganistation dem Gesamtprogramm bzw. Sinn des Weltcomputers gerecht werden. Die alten Griechen machten sich Gedanken, wie sie einem natürlichen Nomos bzw. Logik allen Werdens… entsprechen, die menschliche Norm daran ausrichten konnten. Doch ihr ideologisch-idealistischer Monismus scheint nicht das brauchbare Betriebssystem gewesen zu sein, auf dem die Programme umzusetzen waren.

    Im jüdischen Monotheismus erkannten damalige Denker einen Kult, der in der Lage war, die vorgegebenen Logik (Sinn, Logos der Naturgesetzte, des Werdens) auf das Leben, die menschliche Norm zu übertragen. Was die Hebräer „Wort“ (gleichbedeutend mit) „Vernunft“ nannten, in jüdischen Lehren später „Weisheit“ war, die königlich in David oder Salomo personifiziert wurde, war den Hellensiten der Logos. Es ging um eine Weisheit, die den Sinn des großen Ganzen erfasste, irdisch erfassbar machte und umsetzte.

    Nachdem was wir heute wissen können, wären die reformtheologischen Denker der Zeitenwende, die über die richtige Verwirklichung einer kreativen Vernunft, eines Logos, Sinn des Seins stritten, über sein Wesen und seine Ausdrucksweise disskutierten, im Traum nicht auf den Gedanken gekommen, einem Guru hinterherfzulaufen. Sie haben im Logos (logischen, vernünftigen Grundprinzipien) allen Werdens, die jüdische Weisheit, das ewige Wort/Information erkannt, das über messianisch als Friedensbringer verehrte römische Kaiser und entleerte Religiongsgesetze hinaus Verkörperung des Sinnes war, der dem Weltcomputer vorgegeben ist.

    Und schon die alten Hebräer wussten, dass über den Programmierer selbst nichts zu sagen, zu bebildern, zu beweisen ist, nur seine Information, sein Wort zu hören war.

    Ich befürchte, jetzt habe ich wieder mehr verwirrt bzw. werde für verrückt gehalten. Doch eins sollte klar sein, in der Peson Jesus ging es nicht um einen Gut- oder Gottmenschen, der wundersame Dinge vollbrachte, sondern den Sinn, die Vernunft, die dem Weltcomputer vorgegeben ist und die auch heut zu halten ist. Es ging um die sinnvolle Personifizierung eines Sinnes, der heute wieder in der Evolutionsbilogie nachbuchstabiert wird. (Was Denkern, die beobachten, wie selbst im 3. Jahrtausend danach noch menschliche Idole wie Obama… für messinaische Verwirklicher gesehen werden, an bekannte Bilder kreativ anzuknüpfen ist, nur logisch erscheint.) Mit Un- oder Übernatürlichkeiten hatte das nichts zu tun, allemfalls mit meneschlicher Psycho-logik.

    Von einem Programmierer selbst ist dabei nicht mehr zu sagen, als die Programme, die wir heute evolutionsbiologisch nachbuchstabieren, wissen lassen.

    In weiter Hoffnung auf Weihnachten:
    Der zeitgemäßen, unvoreingeommen Ausdrucksweise
    eine kreativen Sinnes, einer begeisternden Lebenslogik für Heiden und Gesetzesdiener.

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  5. „Ghost in the Shell“ ? Sehr interessant !

    Was ist ein „wir“ ? was ist ein „Geist“ ? Ist es die Summe der Erfahrungen, die sich als „Software“ in unser Hirn befindet ? Wenn es tatsächlich möglich sein könnte, dass wir unser „ich“ dann auf eine Festplatte speichern könnten, dann wäre es problemlos möglich sich in andere Körper oder ganz in einem Computer zu transferieren. Transhumanismus in Perfektion !

    Aber sooooo ganz ist das alles leider noch lange nicht erforscht. Es existiert die Möglichkeit, dass gewisse Erfahrungen sich ganz woanders im Körper befinden, nur nicht im Gehirn 😉 . Man müsste als das gesammte chemische „Bild“ des Menschen virtuell nachbilden können. Wenn über dieses gigantische „Virtual Machine“ des Menschen, welches ein leeres Gehirn und alle chemische Elemente beinhaltet, dann das Abbild des Originals übergestülpt werden könnte, dann könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass eine echte 1:1 „Kopie“ des „Ichs“ dann existieren könnte. Technisch in etwa so machbar wie die Teleportation eines Menschen, aber zumindest theoretisch denkbar.
    Damit hätte man aber auch eine Möglichkeit, der religiösen „unsterblichen Seele“ Paroli zu bieten. Ich sehe zwar vorraus, dass die Kirchen auch da einen Ausweg finden würden, aber die Transhumanisten würden dann endlich den „Geist“ von „Religion“ trennen. Nicht mehr eine bestimmte Glaubensart sei dafür bestimmt, unsere „gottgegebene Seele“ zu retten, sondern alleinig eine Datenleitung mit genügend Bandbreite. Und im Gegensatz zur „Geisterwelt“ der Religionen ist diese Leitung ganz real fassbar.

    @folgsam
    Wenn wir wissen, wie wir das bewerkstelligen könnten, dann hast Du recht. Zur Zeit sprechen nur das nict vervollständigte Wissen über das „wir“ dagegen. Jedenfalls hätte ich ein Problem, wenn z.Bsp. im Gehirn zwar Entscheidungen gefällt werden würden, aber ein Teil meiner Erinnerungen im Magen gespeichert würden. Wenn dieser Teil beim kopieren fehlen würde, wäre ich eben unkomplett im zweitem Körper. Noch unoptimal, das ganze 😉 .

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  6. Myron

    === schnipp ===
    (Wenn der vom Theismus vorausgesetzte Substanzdualismus wahr wäre, dann wäre jeder von uns ein “Geist in einer Maschine” (”ghost in the machine”—Gilbert Ryle)!)
    === schnapp ===

    unter der Prämisse, dass ‚wir‘ der Geist ’sind‘.

    Das würde interessante Möglichkeiten eröffenen. Können ‚wir‘ beispielsweise die Maschine wechseln?

    Macht es nicht mehr Sinn, zu sagen, dass ‚wir‘ ein Geist mit Maschine sind?

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  7. „Naturalismus – Leben ohne Geister“

    Ein absolut treffender Titel!
    Dass es keine Geister oder Seelen, d.h. keine körperlos-stofflosen Wesen mit geistig-seelischen Eigenschaften, gibt, kann als die Kernthese des Naturalismus betrachtet werden.

    Man beachte: Naturalisten verneinen nicht nur die Existenz von Göttern, Engeln, Dämonen und aller sonstigen Arten von Gespenstern, sondern auch die Existenz von (menschlichen) Seelen als selbstständigen, körperunabhängigen Wesen.
    (Wenn der vom Theismus vorausgesetzte Substanzdualismus wahr wäre, dann wäre jeder von uns ein „Geist in einer Maschine“ („ghost in the machine“—Gilbert Ryle)!)

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  8. gerhard

    === schnipp ===
    All dies wäre weiterführender gewesen, als Deine Ironie.
    === schnapp ===

    natürlich.

    Aber dazu müsste mich das, was Du schreibst interessieren. Ich habe mich über solche Fragen jahrelang im UseNet mit Theologen gekabbelt, irgendwann wird das langweilig.

    Innertheologische Probleme interessieren mich in etwa soviel wie Du Dich vermutlich dafür interessierst, ob man ein Cladogramm in einen Stammbaum übertragen kann.

    Ich sehe auch nicht, was Theologen zur Lösung der aktuellen Probleme der Menschheit beitragen könnten. Denn das, worin sie Recht haben, kann man ohne Religion begründen. Und das, wofür man Religion braucht, kann man getrost aus dem rationalen Diskurs verbannen, denn das gibt nur Streit.

    War das jetzt konstruktiv?

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  9. @Gerhard
    Bitte korrigier mich falls ich falsch liegen sollte, aber wird hierbei der Jesus von Nazareth vom Gottessohn zum „Logossohn“ umgewandelt ? Und die Bibel, als das Wort Gottes ersetzt durch das damalige Handeln von Jesus als das Wort der kreativen Vernünftigkeit ?

    In einigen Sekten glaubt man an Jesus, als Besucher einer ausserirdischen Welt oder als Zeitreisender oder als Dimensionsspringer usw.
    Was macht diesen Mann denn so „besonders“ ? Schiebt man das, was in der Bibel über ihn berichtet wird, beiseite… was macht diesen Mann den sonst so „übergewöhnlich“ ?
    In Deinem Falle wird er – in meinen Augen ein Mensch aus Fleisch und Blut – zu einer kosmisch-geschichtlichen Vernünftigkeit, der Personifizierung einer Logik. Also wiederum zu etwas aussergewöhnlichem… ausserirdischem. Eben irgendwas, nur kein normaler Mann. Vielleicht sind die Worte ein bisschen falsch ausgewählt, aber ist Jesus noch ein Mensch in der „Theologie der Vernunft“ ? Oder wird er da etwa zu etwas stilisiert, was ihn wiederum „anbetungswürdig“ bzw. „vorbildhaft“ macht ? Der Naturalismus geht nämlich hierbei einen etwas anderen Weg 😉 .

    „Leben ohne Geister bedeutet nicht Leben ohne Geist. Der Mensch muss sich ihn gebrauchen, weil ihn weder Instinkt, noch allein humanistische Vorhaltungen in einer kreativ-vernünftigen Ordnung halten.“

    Der Mensch benötigt gewisse Regeln, damit er nicht „ausbricht“ und ggf. andere Freiheiten verletzt. Diese Regeln schweben in manchen Religionen als „Geister“ über den Köpfen. Sie bestrafen, belohnen und lenken den Menschen in seinem Tun. Und die furcht vor den Konsequenzen, die wird von den „Auserwählten“ gesteuert. Nehmen wir mal an, Jesus oder/und „Rabbi Paulus“ hatten einige dolle Ideen damals gehabt. In wie weit unterscheiden sie sich von dem Naturalismus und dem Humanismus ? Wie können sie – vom Aberglauben gelöst – heute als „moderne Lehre“ beigebracht werden ?
    Und … weshalb benötigen wir überhaupt solche Lehren aus der Wüste ? Sind wir Geisteslos ? Wir haben doch den Geist in uns. Benötigen wir noch eine „kreative Vernünftigkeit als ewiges Wort“ ? Oder gar eine Personifizierung einer Logik ? Und was macht man mit den Menschen, die an Kreuzen genagelten personifizierte Logiken um den Hals tragen ? Wie kann man „ihre“ Art der Logik falsifizieren ? Über einen Vortrag über den Rabbi Paulus ? Folgt daraus automatisch die Verifizierung eines ewigen Wortes ?

    Sorry, es sind viele Fragezeichen. Zu viele.
    Es ist eine Überlegung wert, kein Zweifel. Nur ist es eben in meinen Augen nichts anderes, als eine Umbenennung des Jesus Gottessohn (oder Paulus Kirchenvater) in Jesus Logossohn. Als naturalistischer Atheismushumanist bin ich wohl der zweibeinige Beweis, dass man auch ohne Geister gut überleben kann… auch ohne ein Jesus als personifizierte Version eines evolutionären Werdens. Um es im Bilde Dittmars auszudrücken: Ich benötige kein Zaubertrick, bei dem per Zeitmaschine das „evolutionäre Werden“ sich in einen Jesus umwandelt. Mit erklärt sich das alltägliche Leben auch ganz ohne Geister und „besonderen Formen des Logos“.
    Ich mag vielleicht falsch liegen, aber das natürliche in meiner Umgebung erscheint zumindest mir so verdammt logisch 😉 . Ich kann es nicht in einem besonderen Zusammenhang mit dem Jesus bringen, der sich damals in der Wüste auf dem Weg machte, den Römern gehörig die Meinung zu sagen 😉 .

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  10. @el schwallmo,

    eine inhaltliche Argumentation, z.B.
    -was gegen meine unter der angegebenen Homepage begründete Annahme einer antiken Glaubensaufklärung spricht,
    -wieso die griechisch-monistische Logoslehre nicht Grundlage einer monotheistischen Reform war, die im NT personifiziert und bebildert ist, so vermittelbar war und zur Blüte gebracht wurde,
    -warum es im Urchristentum nicht um ein Aufwärmen der alten Gotteslehre ging, sondern der Logos antiker Naturphilosophie das eigentliche Wesen des Neuen Testamentes war, über das hinaus nichts von Gott vermittelbar war…

    oder eine Alternative,
    -ie die subjektive Vernunft des Menschen zur kreativen=schöpferischen Gesamtverantwortung gebracht werden kann, was scheinbar weder in Humanismus noch Ökologielehre gelingt.

    All dies wäre weiterführender gewesen, als Deine Ironie.
    Danke!

    .

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  11. @max headroom

    === schnipp ===
    Gerhard hat einen Druckfehler begangen… theologie-der-vernunft lautet seine Seite… die er bei nahezu jedem seiner Posts bewirbt
    === schnapp ===

    sorry, ich vergaß

    [ironie]
    [/ironie]

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  12. Nein, der hohle Bauch ist es nicht, der mich bewegt. Und wer an einen Reformprediger oder eine Überperson mit Namen Jesus und seine Anhänger „glaubt“, der wird auch kaum begreifen, um was es mir geht, wenn ich mir über eine kreative Vernünftigkeit als ewiges Wort, menschlich zu verwirklichende Bestimmung Gedanken mache.

    Es ist das wachsende Wissen um unsere Geistesgeschichte, das mir die Gewissheit gibt, dass es bei Jesus nicht um einen Guru, sondern um eine kosmisch-geschichtliche Vernünftigkeit ging, er die Personifizierung einer Logik war, die sich heute in allem evolutionären Werden ausdrückt, in evolutionsbiologischer Weiterschreibung als kreative Bestimmung deutlich werden könnte.

    Man muss sich beispielsweise zu alten glaubensüberzeugten Damen setzen, von jungen Theologen, die voll und ganz davon ausgehen, dass Paulus genau das war, was alle Welt denkt (was dann auch hier verhandelt wird), um immer wieder neue Belege dafür zu sammeln, dass es das nicht gewesen sein kann. Ein Wochendseminar über „Rabbi Paulus“ hat mir gerade wieder bewusst gemacht, dass hier kein jüdischer Sonntagsmissionar die Griechen zum Glauben an einen jungen Christusgott überreden wollte, sondern ein neues Paradigma spricht, das eine Theologie auf das gründete, was die Griechen Logos nannten und in der Naturphilosophie als selbstverständliche Prinzipien allen Werdens sahen.

    Leben ohne Geister bedeutet nicht Leben ohne Geist. Der Mensch muss sich ihn gebrauchen, weil ihn weder Instinkt, noch allein humanistische Vorhaltungen in einer kreativ-vernünftigen Ordnung halten. Wie sich gerade wieder im Wirtschaftsleben zeigt, wo lautstark, aber ebenso vergeblich wie im humanistisch-begründeten Marxismus, nach einer Gesamtorientierung der Vernunft… gerufen wird.

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  13. Glaubensreform vor 2tsd Jahren?

    Mir scheint, das ist etwas übertrieben. ein gewisser Paulus fand wohl ganz hübsch, wenn er mehr zu sagen hätte. Und gründete auf den Hinterlassenschaften eines schon lange verschwundenen Klugen Kopfs (wills ihm mal zugestehen) sein System.
    Auf daß sein Sendungsbewußtsein und seine interessen gewahrt seien….
    eine hübsche kleine Weltuntergangsreligion. Nun, wenn die Welt bald untergeht, kommts darauf ja auch nicht mehr an, dachte nicht nur er sich so…

    Die Welt ging nicht unter. Aber es kommt wohl darauf gar nicht an, weshalb wir noch immer unsere Schwierigkeiten damit haben, mit vorurteilen, Leibesfeindlichkeit, mit Moral und Machtspielchen.

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  14. @El Schwalmo
    Gerhard hat einen Druckfehler begangen… theologie-der-vernunft lautet seine Seite… die er bei nahezu jedem seiner Posts bewirbt 😉 .

    Bitte, versteh‘ mich nicht falsch, aber was auf t-d-v.de geschrieben steht, deckt sich nicht mit dem, was hier über das naturalistische Weltbild gesagt wurde.

    Zitat: „Die Glaubenslehre, die denkt durch den Verlust eines charismatischen Gutmenschen den letzten historischen des Grund und gemeinsamen Bezugspunkt zu verlieren müsste sich doch langsam klar werden, dass sie nur gewinnen kann. Wenn sie an Ostern in den Spiegel schaut, wo ein Robin Hood der Levante als „Guru“ zum Titel gemacht wird, gibt es kein noch weniger. Nach Nietzsches Analyse des Gottestodes ist nun der letzte Rest von dem genommen, was noch den Grund christlicher Religion ausmacht. Wer dem Glaube nicht nur einen vergeistigten, sondern einen verständlichen realen und geschichtlichen Grund geben und die biblischen Bedeutungsinhalte aufgeklärt begründen will, der muss in neuer Weise nach dem Fragen, um was es am Anfang ging.

    Hallo ? Jesus von Nazareth war kein Philosoph aus dem alten Griechenland, sondern aller Wahrscheinlichkeit ein Handwerker aus der Mittelschicht. Ihm missfielen einige Sachen, aber mehr auch nicht. Er war wohl genausowenig ein Sohn des allmächtigen Übergottes der Juden, wie er wohl kein hochsituierter Philosoph war, der Lehrstunden am Hofe der Herrscher gab und mit Platos Texten aufwuchs.

    „Denn auch wer glaubt, mit Auferstehung nichts am Hut, im Aufklärungsatheismus endlich den Aberglauben und alle menschlichen Ideologien hinter sich zu haben, hat sich – wie der wöchentliche Blick in den Spiegel unserer Zeit zeigt – getäuscht. (..) Unabhängig davon, dass ein Großteil der gegenseitigen Anmaßungen, der Kriege und Probleme direkt auf das Glaubenskonto gehen, ist auch der politische Missbrauch des Glaubens nur eine Folge dessen Entleerung. Doch letztlich „glauben“ alle, auch wenn es dann der Glaube an das Nichts, die Sinnlosigkeit ist, so das Selbst zum letzten Kultobjekt wird, (..) in vollem Wissen die Welt immer weiter ins Ungleichgewicht bringt.“

    Was für eine Vernunft. Der „Glaube“ (an das Nichts ?) bringt die Welt ins Ungleichgewicht. Jesus war ein doller Denker und die Kirche ist Böse. Punkt.

    Ich meinerseits halte mich lieber an das „natürliche Weltbild“, in der der Mensch auch ohne Aberglauben an Geistern und Gespenstern, ganz normal aus dem Bauch und dem Kopf heraus, die Welt wieder ins Gleichgewicht bringt. Ja, der „Aufklärungsatheismus“ ist für einige Menschen ein „Glauben“, doch die Konsequenzen eines „Atheismusglaubens“ führen weder in die Hölle, noch töten sie Jesus. Sie führt zum Nachdenken über (unglaublich veraltete) Strukturen und der Suche nach Alternativen. Und eine wurde ja auch gleich im Artikelbeginn gegeben. Nicht umsonst wurde der Vortrag von den „Sekularen Humanisten“ veranstaltet 😉 .
    Dafür benötigt man keine Keule, die erstmal auf die Kirche haut und dann wiederum Jesus als „Überperson“ ins andere Licht rückt. Warum hat man das selbe nicht mit Ghandi getan ? Warum schiebt man ihn nicht in das Licht der Gottessöhne und Wunderprediger ? Hat er etwa zuviel böses getan ? Auch Jesus verkaufte seine Waren… für Geld ! Harte monetäre Währung ! Er war genauso „Kapitalist“ wie die meisten in unserem Lande.

    In dieser Art des Atheismus, wie es oben im Artikel beschrieben wurde, ist kein Platz für Zaubermagie und Wundertaten. Der „Jesus der Wunder“, wird hierbei möglicherweise genauso abgelehnt wie auf t-d-v.de, aber die Suche nach der Vernunft erfolgt hierbei ohne das Wörtchen „Theologie“… ohne Gott(eslehre). Hier unterscheidet man sich schon sehr.

    In meinen Augen ist die t-d-v.de Seite leidergottes zu weit von der Realität verrückt und hält weiterhin an (Aber)glauben fest. Auch ist sie in einer Fachsprache geschrieben, die für mein Hirn ein bisschen schwer zu verstehen ist 😉 . Wer sich damit auseinandersetzen möchte, kann es tun. Ich distanziere mich lieber von solcher „Vernunftstheologie“ und bleibe weiterhin bei der gottlosen Weltanschauung. Die Misswirtschaft der Gottesanbeter zu beobachten macht mir einfach mehr Spaß als die mögliche Logoswirkung der Bibel zu untersuchen 😉 . Und das man auch ohne Geister und Gespenster leben kann, ohne Aberglaube und Zauberkraft, hat man im Bericht über den Vortrag wohl mitbekommen. Ob Jesus nun in der Wüste rumwanderte oder ob er wundersame Lebensphilosophie für die Weltbevölkerung erstellte, ist hierbei völlig unerheblich. Man kann ganz gut auch ohne den Geschichten aus der Bibel leben 😉 .

    Nix für ungut… ein guter Versuch war’s wert 😉 .

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  15. Leben ohne Geister:

    Genau dies war der Grund für eine Glaubensreformen vor 2000 Jahren, von der wir inzwischen denen wir dank des gewachsenen Wissens inzwischen immer bessere Vorstellungen haben können.

    Doch anderes als heute, führte das nicht zur Verneinung des alter Vorstellungen, bei dem die Aufklärer einen neuen Verein aufmachen mussten, sondern zu einem
    „Auf-verständnis“ (www.theolie-der-vernunft.de)
    Mit Naturbrechungen und Übernatürlichkeiten hatte das nichts zu tun, sondern mit evolutionärem Fortschritt von Erkenntnis:

    Leben nach dem Logos,
    natürlich-schöpferischer Prinzipien, menschlich-humanistisch umzusetzender Logik allen Lebens.

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