»Wir wollen Gegengewicht zu den Kirchen schaffen«


Carsten Frerk ist stellv. Vorsitzender des »Koordinierungsrates säkularer Organisationen«

(jW) Atheisten und Konfessionsfreie haben sich jetzt zu einem Dachverband zusammengeschlossen. Ein Gespräch mit Carsten Frerk
Interview: Peter Wolter

Elf Vereine und Einrichtungen haben sich jetzt zum »Koordinierungsrat säkularer Organisationen« (KORSO) zusammengeschlossen. Was ist Ihr Ziel?

Gleich vorweg: Es sind nicht nur Atheisten dabei – der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften z.B. vertritt auch Menschen, die sich weder als kirchenzugehörig noch als atheistisch verstehen – freie Religiöse also. Es soll versucht werden, ein Gegengewicht zu den Religionsverbänden zu schaffen. Wir streben an, daß die Nichtreligiösen den Religiösen gleichgestellt werden.

Werden denn Konfessionslose bzw. Atheisten in irgendeiner Weise diskriminiert? Warum braucht man eine eigene Interessenvertretung?

Ich will es an einem winzigen Beispiel konkret machen: Im neuen Personenstandsgesetz ist auch der Eintrag der Religionszugehörigkeit vorgesehen. Das Bundesinnenministerium hatte dem Humanistischen Verband Deutschlands zugesagt, daß auch die Mitgliedschaft in einer Weltanschauungsgemeinschaft eingetragen werden könne – in der Endfassung ist das aber nicht mehr vorgesehen. Laut Grundgesetz sind Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zwar gleichgestellt. Aber wenn Sie sich religiöse Organisationen anschauen, finden Sie ein Riesenpaket an Privilegien, alleine in Rechtsfragen: im Bau-, im Steuerrecht usw.

Analog zur »Deutschen Islam-Konferenz« fordern Sie von der Bundesregierung, eine »Konfessionsfreien-Konferenz« auszurichten. Glauben Sie ernsthaft, daß sich die CDU/CSU in der großen Koalition auf so etwas einläßt?

Eine politische Forderung zu stellen, heißt noch nicht, daß man sie für kurzfristig realisierbar hält. Wenn man aber den Parteien klarmachen kann, daß jeder dritte Wähler in Deutschland keiner Konfession angehört, dann müßten sie ein wenig mehr darauf bedacht sein, deren Interessen zu berücksichtigen. Es wäre ja schon ein Anfang, den religiösen Organisationen weniger Raum zu geben.

Bei welcher Bundestagspartei vermuten Sie das größte Entgegenkommen für Ihre Forderungen?

Meinem persönlichen Eindruck nach sind alle Parteien durchmischt. Die Linkspartei wäre vielleicht am ehesten für unser Anliegen aufgeschlossen – auch wenn der Bundestagsabgeordnete Bodo Ramelow meines Wissens jeden Abend mit seinem Sohn betet.

Das Grundgesetz schreibt die Trennung von Staat und Kirche vor – dennoch genießen die evangelische und die katholische Kirche Privilegien. Sollten die abgeschafft werden?

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4 Comments

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  2. Zusammen mit den Freireligiösen kann dann weder eine ethisch-moralische Einflussnahme erfolgen, noch eine weltanschauliche.

    Ein „Dachverband“ ohne Haus unter dem Dach?

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